Altmann-Immobilie Schenefeld : Wird jetzt Pro Derm rausgeekelt?

Pro-Derm-Geschäftsführer Carsten Grund hat auf eigene Kosten Container vor dem Institut aufstellen lassen. Kosten: 4000 Euro. Die Hausverwaltung wurde bis zum 8. Januar um Zustimmung gebeten. Sie hat sich bis heute nicht gerührt.
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Pro-Derm-Geschäftsführer Carsten Grund hat auf eigene Kosten Container vor dem Institut aufstellen lassen. Kosten: 4000 Euro. Die Hausverwaltung wurde bis zum 8. Januar um Zustimmung gebeten. Sie hat sich bis heute nicht gerührt.

Nach Wasserschaden zwei Büroräume nicht mehr nutzbar. Dach marode. Unternehmen fühlt sich allein gelassen.

shz.de von
17. Januar 2015, 10:00 Uhr

Schenefeld | Die Bautrockner surren. Die Handtücher zum Abdichten sind feucht. An der Decke verteilen sich große Wasserflecken. Auf dem Boden stehen Papierkörbe, die das tropfende Wasser auffangen. Arbeiten ist in diesem Büro unmöglich. Zwei Räume weiter das gleiche Bild. Mitarbeiter weichen in drei Bürocontainer aus, die auf dem Parkplatz aufgestellt wurden.

Die Altmann-Immobilie am Kiebitzweg: Das nächste Miet-Drama ist in vollem Gange. Diesmal ist das Unternehmen Pro Derm betroffen – aber auch die Stadt Schenefeld. Sie könnte einen wichtigen Gewerbesteuerzahler verlieren. „Wir prüfen zurzeit alle Optionen, auch, den Unternehmensstandort in Schenefeld ganz oder teilweise aufzugeben“, sagt Pro-Derm-Geschäftsführer Carsten Grund.

Ganz hanseatischer Kaufmann, hat der 49-Jährige zu den Zuständen in der Altmann-Immobilie lange geschwiegen. Doch jetzt steht die Existenz des Dermatologischen Instituts auf dem Spiel. „Wenn sich Schimmel bildet, wäre das eine Katastrophe. Unsere Probanden wären gefährdet. Aufträge in Millionenhöhe könnten wegbrechen“, sagt Grund. Pro Derm hat einen Anwalt eingeschaltet, die Miete gemindert. „Wir zahlen und der Vermieter tut nichts“, schimpft Grund. Durchs marode Dach leckt das Wasser. Die Stromversorgung hat Pro Derm selbst gelegt. Brandschutz und Heizung werden laut Grund vom Vermieter nicht sichergestellt. Brieflich teilte die zuständige Hausverwaltung mit, dass das Gelände verkauft und das Gebäude abgerissen werden soll. Pro Derm muss sich um alles selbst kümmern.

Der Vermieter Max Altmann: 2012 schaltete E.on für den Gewerbekomplex des Unternehmers den Strom ab. Es ging um unbezahlte Rechnungen in Höhe von 100.000 Euro. Trotz einer späteren Einigung – der Strom ging nicht mehr an. Die Mieter – eine Druckerei, der Glücksgriff, ein Maler und das „Stöberstübchen“ – zogen frustriert aus.

Das Wort von der „Ruinen-Kündigung“ macht die Runde

Das Prinzip Altmann: Soll jetzt Pro Derm rausgeekelt werden? Das Wort von der „Ruinen-Kündigung“ macht die Runde. Sollte das Gebäude so verwahrlosen, dass es eine Gefahr darstellt, könnte der Eigentümer die Kündigung aussprechen. Laut Grund könnte Altmann auch darauf spekulieren, dass Pro Derm von sich aus die Segel streicht. Oder will er einfach nichts mehr in das Gebäude investieren, aber die Miete kassieren?

Das Altmann-Areal ist ein Filet-Grundstück im Herzen der Stadt. Die Pläne für die 10.000 Quadratmeter liegen längst in der Schublade. Vorne ein Gewerbekomplex, hinten Wohnbebauung mit zirka 90 Einheiten. Die Investoren gaben sich die Klinke in die Hand. Doch passiert ist nichts. Im Internet wird die Fläche für einen Preis von 5,8   Millionen Euro angeboten. Auffällig: Es geht nur um die Fläche. Dass das Areal zum Teil bebaut ist, dass es einen Mieter gibt, geht aus der Anzeige gar nicht hervor.

Grund ist ratlos. „Egal, was wir machen. Wir sind immer die Dummen.“ Das Unternehmen hatte erst im vergangenen Jahr die Option zur Verlängerung des Mietvertrages um fünf Jahre gezogen. Seit 15 Jahren sitzt das Institut am Kiebitzweg. In Technik und Gebäude wurde viel Geld investiert. Ursprünglich war geplant, dass Pro Derm in den neuen Gewerbekomplex einzieht. „Das hat sich erledigt“, sagt der Geschäftsführer. Mit den Investoren sei keine Einigung über die finanziellen Modalitäten erzielt worden.

Pro Derm kann klagen, selbst kündigen. Ein neuer Standort im Osten Hamburgs ist eine Alternative. Pro Derm sucht fieberhaft nach einer Lösung in dem Miet-Drama. Fest steht: Das Schweigen hat ein Ende. Vermieter Max Dieter Altmann war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Pro Derm, das Institut für dermatologische Forschung, beschäftigt am Standort Schenefeld 80 Mitarbeiter. Der Umsatz des Unternehmens liegt im hohen einstelligen Millionenbereich. Pro Derm ist ein weltweit renommiertes Unternehmen. Bis zu 500 Studien werden pro Jahr durchgeführt – mit  etwa 2500 Probanden. Getestet werden im Auftrag von Firmen zum Beispiel Deos, Rasierer, Zahncremes, Salben oder Windeln. Pro Derm beteiligt sich beispielsweise zurzeit an der weltweit größten Windelstudie. 600 Babys machen mit. Pro  Derm verfügt über Geräte, die es  weltweit nur drei- bis viermal gibt.
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