„Nicht ärgern, sondern aufessen“ : Wildkräuter-Koch und Ernährungsberater Jens Clausen zeigt, was Essbares am Wegesrand wächst

Jens Clausen zeigte die essbaren Wildkräuter und bot die Chance zur Verkostung im Klövensteen.
Jens Clausen zeigte die essbaren Wildkräuter und bot die Chance zur Verkostung im Klövensteen.

Bewegung komme in der heutigen Gesellschaft viel zu kurz. Zudem fehle oft das Verständnis für Lebensmittel.

shz.de von
27. März 2017, 10:00 Uhr

Schenefeld | Die kritischen Blicke der mehr als 60 Teilnehmer an der Kräuterführung durch den Forst Klövensteen hatte Koch und Ernährungsberater Jens Clausen sofort erkannt. „Sie denken vielleicht, es sieht noch sehr kahl aus. Ich kann Ihnen aber versprechen, dass wir etwa 20 Wildkräuter finden werden“, sagte er. „Grün + Wild = Lecker“ hatte er seine 90-minütige Führung übertitelt.

Es gibt jede Menge zu probieren am Wegesrand“, sagte Clausen. Grundsätzlich werden zwischen Ackerwildkräutern, Wiesenwildkräutern und Waldwildkräutern unterschieden. „Man darf praktisch überall pflücken – außer in Naturschutzgebieten“, erläuterte Clausen.

Für ihn sei der Spaziergang durch den Forst Klövensteen die ideale Entspannungsart: „Ich bin an der frischen Luft, bewege mich und am Ende habe ich eine volle Tüte und habe einen Teil meines Abendbrots gesammelt.“ Denn Bewegung komme in der heutigen Gesellschaft viel zu kurz. Zudem fehle oft das Verständnis für Lebensmittel. „Wir wissen oft gar nicht mehr, woher die Lebensmittel im Supermarkt kommen. Derzeit findet man dort nur Lagergemüse aus der Region. Da will ich etwas Spannenderes“, sagte Clausen. Brennnesseln, Waldmeister, Brombeersprossen oder Ginsch stehen bei ihm auf dem Speiseplan. „Viele Wildkräuter sind belanglos. Die isst man nur, wenn man verhungert“, sagte Clausen. Die vier, fünf interessanten Pflanzen würde man schnell erkennen. „Selbst etwas sammeln ist spannend, aber etwas, was in Vergessenheit geraten ist. Dafür möchte ich wieder ein Bewusstsein schaffen“, sagte der Ernährungsberater.

Er warnte aber davor, einfach wild Kräuter zu pflücken. „Einfach in den Wald gehen und irgendwas pflücken ist nicht sehr geschickt. Man sollte einen kundigen Führer haben. Man sollte aufpassen, wie auch bei Pilzen, und nicht alles pflücken und vor allem nicht essen, was man findet.“ Mit Sachverstand lass sich jedoch jede Menge Schmackhaftes finden.

„Ginsch. Der Albtraum jedes Gärtners“, beantwortete Clausen die Frage nach seinem Lieblings-Wildkraut. Sein Rat an Gartenbesitzer: „Nicht ärgern, sondern aufessen. Der Ginsch wird dadurch nicht vernichtet, aber man gewinnt ein anderes Bild.“

Jens Clausen ist Experte, wenn es um wilde Kräuter geht. Seit mehreren Jahren bietet er Veranstaltungen im Kreis Pinneberg an. Der gebürtige Bremer legte sein Abitur 1986 in den Leistungskursen Ernährungslehre und Biologie ab. Seinen Zivildienst leistete er im Prinzhöfte-Zentrum für ökologische Fragen und Pädagogik. Er war Co-Autor der Kochhefte „Essträume“ , Teilhaber eines Bioladens und eines Betriebsbistros einer TV-Firma. Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt er sich mit Lebensmitteln, ihrer Herkunft, ihrer Wirkung, ihrer Verarbeitung. Clausen hat zwar keine klassische Ausbildung zum Koch. Zuletzt hat er aber neun Jahre als Küchenchef gearbeitet. 2013 schloss er sein Fernstudium zum Ernährungsberater ab.
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