zur Navigation springen

Schenefeld : Wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Deutsch als Zweitsprache: Die DaZ-Klasse war zum neuen Schuljahr an der Schenefelder Grundschule eingerichtet worden.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2015 | 16:00 Uhr

Schenefeld | „Zuhause“, das ist das einzige Wort, das Ralitsa sagt. Dreimal bringt sie nur dieses Wort hervor, und klingt dabei ganz aufgeregt. „Hast du etwas zu Hause vergessen?“, fragt Lehrerin Julia Mandelbaum. Das Mädchen schüttelt den Kopf. Auch die anderen Kinder schauen sie fragend an. Alle wissen, Ralitsa hat ein Problem. Aber das Mädchen kann es nicht erzählen. Ralitsa ist Schülerin an der Grundschule Altgemeinde und geht dort in eine Schulklasse für Kinder, die eine andere Muttersprache als Deutsch gelernt haben. Deutsch als Zweitsprache: Die DaZ-Klasse war zum neuen Schuljahr an der Schenefelder Grundschule eingerichtet worden.

13 Schüler lernen vor allem Deutsch und Mathematik. Für andere Fächer bleibt wenig Zeit, denn die Schüler sollen nicht lange in einer gesonderten Klasse bleiben. „Sie müssen innerhalb eines Jahres so fit sein, dass sie dem Unterricht in einer normalen Klasse folgen können“, sagt Klassenlehrerin Mandelbaum. Der Schwerpunkt liege daher auf dem Sprachunterricht. „Ich komme aus Deutschland. Woher kommst du?“, fragt Mandelbaum, die mit ihren Schülern in einem Stuhlkreis sitzt. „Ich komme aus Albanien“, sagt Björn. Alle Schüler werden gefragt und die Antworten sind sehr unterschiedlich. Die Kinder kommen aus Bulgarien, Japan, Griechenland oder dem Kosovo. Kinder aus akuten Krisengebieten sind zur Zeit nicht dabei. Aber man erwarte, dass in nächster Zeit mehr Kinder kommen werden, sagt Mandelbaum im Hinblick auf die anhaltende Flüchtlingssituation.

Im Deutschunterricht erzählt Mandelbaum eine Geschichte über einen Jungen namens Salman, der eine neue Jacke bekommen hat. Dass die Protagonisten in Geschichten für Grundschüler keine deutschen Namen tragen, komme gelegentlich vor, erklärt Mandelbaum. Im DaZ-Unterricht sei das aber typisch. Gerade in solchen Details wird klar, dass der Unterricht nicht versucht, den Kindern eine deutsche Kultur über zu stülpen. Viel mehr geht es darum, für unterschiedliche Lebensstile und Sichtweisen zu senibilisieren. So lernen die Kinder die Sprache, Werte und Kultur Deutschlands, ihre Heimatkultur soll aber auch eine Rolle spielen. Deshalb wird vor der Frühstücksrunde „Guten Appetit“ in allen Muttersprachen der Kinder gewünscht. „Itadakimasu“, sagt da etwa der Schüler Genki, der aus Japan stammt.

„Die größte Schwierigkeit für uns liegt bei den Eltern und deren Sichtweise auf den Stellenwert von Bildung“, erklärt Mandelbaum. Nicht immer seien die Kinder pünktlich oder würden pünktlich abgeholt. Und manchmal müsse man den Eltern auch erklären, wie die Kindererziehung in Deutschland funktioniert.

Kommunikation mit den Eltern ist ein schwieriger Teil

Überhaupt sei die Kommunikation mit den Eltern ein schwieriger Teil ihrer Arbeit, sagt die Lehrerin. Oft können diese selbst kein Deutsch, manchmal zumindest Englisch, aber oft müsse man sich aber „mit Händen und Füßen verständigen.“ Den Kindern einfach einen Rundbrief mitgeben, funktioniert in einer DaZ-Klasse deshalb nicht. Die Eltern müssen einzeln kontaktiert werden.

Ähnlich individualisiert geht es aber auch im Unterricht selbst zu. So werden Jungen und Mädchen von der ersten bis zur vierten Klasse zusammen unterrichtet. Mandelbaum muss daher vor allem im Matheunterricht auf jeden Schüler einzeln eingehen. Jeder bekommt eine eigene Aufgabe, die auf seinen individuellen Leistungsstand abgestimmt ist. „Deswegen sind die Klassen nicht besonders groß“, erklärt die Pädagogin.

Klar ist, die Arbeit mit den DaZ-Schülern ist sehr intensiv und aufwendig. Aber sie kann auch sehr lustig sein. So erzählt Mandelbaum, wie ihre Schüler einmal Worte für die Hautfarben gesucht haben. „Du bist Kaffee“, kam da zum Beispiel. Und wie ist die deutsche Lehrerin? „Du bist weiß wie Kreide“, habe einer gesagt, erzählt Mandelbaum.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert