Natur : Was singt und fliegt denn da? Unterwegs mit dem Schenefelder Nabu

Den Blick immer gen Baumwipfel gerichtet: Anna Heintsch (von links), Constanze Fischer und Margrit Meixner.
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Den Blick immer gen Baumwipfel gerichtet: Anna Heintsch (von links), Constanze Fischer und Margrit Meixner.

Der Naturschutzbund Deutschland veranstaltet regelmäßig Spaziergänge zur heimische Vogelwelt – shz.de ist mitgelaufen.

shz.de von
25. Mai 2018, 12:00 Uhr

Schenefeld | Unsere heimischen Vögel sind keine Fans von Nieselregen, kühlen Temperaturen und Wind. Sie verabscheuen Tiefdruckgebiete. Ihr alltägliches Frühlingssingen in der Dämmerung lassen sie bei schlechtem Wetter schon mal ausfallen. Sie halten lieber ihren Schnabel und verziehen sich in dichtes Blattwerk. Gute Voraussetzungen, um an einem der vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) angebotenen Spaziergänge zum Kennenlernen der heimischen Vogelwelt teilzunehmen.

Blick in die Baumwipfel

Geplant ist eine Dämmerungswanderung ins Düpenautal – wobei die Frage „Was singt denn da?“ beantwortet werden soll. Zwei interessierte Frauen kommen pünktlich um 18.30 Uhr zum angegebenen Treffpunkt vor das Stadtzentrum. Nabu-Vogelexpertin Margrit Meixner ist auf alles vorbereitet: „Wollen wir trotz des Wetters los?“, fragt sie. Allgemeines Kopfnicken. Die Mini-Gruppe geht Richtung Bürgerwiese: „Ich mache das jetzt zwölf Jahre“, meint Meixner gelassen. „Und die Teilnehmerzahl schwankt immer von zwei bis 30 Personen hin und her – je nach Wetterlage.“ Gut, dass der Weg einigermaßen eben ist, denn Constanze Fischer, Anna Heintzsch und Meixner sehen beim Gehen ausschließlich in die Baumwipfel. Bei entgegenkommenden Spaziergängern greift der Herdentrieb und die Neugier – sie machen es nach.

Die Gruppe hat Glück. Nicht alle Vögel haben sich zurückgezogen. Die Frauen hören Warnrufe einer Amsel und sehen gleich darauf eine Elster, die diesen ausgelöst hat. Auch Richtung Schulwald haben die Vögel ein Einsehen und trällern, was ihre Kehle hergibt: Drei Grünfinken zeigen sich in den Baumwipfeln. Ihr Gesang hört sich an, als hätten sie an einer Viruserkrankung gelitten. Danach sagt die Mönchsgrasmücke wohlklingend flötend „Hallo“. Das Rotkehlchen grüßt verhalten. Und der winzige, neun Gramm leichte Zaunkönig schmettert los, als wäre er ein ganz Großer. Er neigt auch ansonsten zur Übertreibung, baut für seine Angebetete mehrere kugelförmige Nester, damit sie sich dann das Schönste aussuchen kann.

Dem Star geht es schlecht

Auf dem Spaziergang trifft die Gruppe auch noch den Dompfaff, den Buntspecht, die Ringeltaube, und den Star – den Vogel des Jahres 2018. „Ihm geht es schlecht“, sagt Meixner. Der Vogel, der den meisten durch seine großen Schwarmformationen im Herbst bekannt ist, hat sich still zurückgezogen. Es würden aktuell etwa zwei Millionen Staren-Paare weniger in Deutschland brüten als noch vor zwanzig Jahren, informiert der NABU.

Generell seien die Bedingungen für Vögel nicht optimal, sagt Meixner. Naturflächen gäbe es kaum noch: „Und viele Leute ziehen in ländlichere Gebiete, weil sie Häuser dort noch bezahlen können. Aber sie wollen keine zusätzliche Arbeit.“ Alte Apfelbäume würden gefällt, große Flächen des Grundstücks versiegelt. Und auch Nischen für den Nestbau böten die modernen, praktischen Häuser nicht. „Meist sind beide berufstätig. Denen reicht der Rasen und die Grillecke“, bedauert Meixner.

Die Nabu-Gruppe Schenefeld-Halstenbek trifft sich jeden ersten Donnerstag eines Monats ab 19 Uhr im Schenefelder Sportzentrum, Achter de Weiden. Informationen gibt es per E-Mail an schenefeld@nabu-hamburg.de oder auf der Website.

Glücklicherweise gibt es aber zwischen Schulwald und Friedrichshulder See noch ein echtes Vogelidyll: Im Baum sitzt ein Graureiher, gelbe Schwertlilien schmücken das Ufer und zwei Kanadagänse setzen im leichten Bodennebel zur Wasserlandung an. Und dann hört Meixner auch noch einen Eisvogel „ganz deutlich.“

Nach zwei Stunden und fünf Kilometern Fußmarsch ist das Stadtzentrum wieder in Sicht. Auf dem Rückweg ist es noch kälter geworden. Aber das macht nichts. Die Gruppe war zu sehr damit beschäftigt, die Baumwipfel nach Vögeln abzusuchen – insgesamt haben sie 20 Stück gehört und gesehen. So ein Spaziergang bringt neben vielen Informationen auch die Sensibilität, die Umgebung aufmerksamer zu betrachten. Und, zugegeben, einen steifen Nacken kann es auch einbringen.



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