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Bedeutung von Monopoly und Co. : Warum Spielen so glücklich macht

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Spiely-Webmasterin Regina Steinfath-Klemp spricht im Interview von der gesellschaftlichen Bedeutung von Monopoly und Co.

shz.de von
erstellt am 07.Jul.2017 | 12:45 Uhr

Schenefeld | Spiely in Schenefeld bietet an zwei Standorten etwa 2580 Spiele zur Ausleihe an. Zum Angebot gehören hauptsächlich Brettspiele, aber auch Nintendo- und Großspiele. Im September nimmt die Spieliothek an der landesweiten Aktion ,,Stadt-Land-Spielt“ teil. Regina Steinfath-Klemp, Webmasterin bei Spiely, erklärt im Interview mit unserer Zeitung, was bei der Aktion passiert, wie der digitale Wandel die Welt der Spiele verändert hat – und welche Auswirkungen dies auf Kinder hat.

Spiely in Schenefeld ist der einzige Spieleverleih aus dem Kreis Pinneberg, der an ,,Stadt-Land-Spielt“ teilnimmt. Was kann man sich unter der Aktion vorstellen?

,,Stadt-Land-Spielt“ ist eine bundesweite Aktion. Im Wesentlichen geht es darum, das Kulturgut Spiel wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Gerade in einer Zeit, in der sehr viel über digitale Medien gesprochen wird, sagen wir, die eben viel mit Brettspielen zu tun haben: Kommt und spielt! Und sitzt vor allem auch zusammen am Tisch und spielt gemeinsam ein Spiel.

Ist Spielen für Sie ein Kulturgut?

Der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen wurde 2008 als Mitglied im Deutschen Kulturrat aufgenommen. Als Betreiber von Spieliotheken, die mit normalen Brettspielen zu tun haben, sind wir erstaunt darüber, dass das normale Brettspiel noch nicht als deutsches Kulturgut anerkannt wurde. Man sagt auch, dass Deutschland das Land ist, das die meisten Spiele entwickelt und erfindet. Deutschland hat die größten Spiele-Messen, zum Beispiel die in Essen. Das ist ein riesiges Event und hat immer wieder hohe Zulaufzahlen, sowohl von Spieleerfindern, als auch von Nutzern.

Inwiefern hat sich das Verhältnis von Kindern zu Spielen geändert?

Früher, zu meiner Zeit als Mutter von kleinen Kindern, war im Nachmittagsbereich mehr Zeit. Kinder sind ab drei Jahren in den Kindergarten gegangen, danach kam die Grundschule bis zwölf Uhr und dann war das Kind zu Hause. Das war der normale Status. Heutzutage arbeiten oft beide Elternteile. Das hängt auch damit zusammen, dass wir sehr hoch gebildete Frauen haben, die natürlich nicht zu Hause bleiben möchten. Das heißt: Im Nachmittagsbereich muss für das Kind auch gesorgt sein. In Form von Nachmittagsbetreuung an den Schulen beziehungsweise im Hortbereich. Da ist wenig Platz, um gemeinsam etwas zu tun. Sich dann hinzusetzen und gemeinsam ein Spiel zu spielen – das ist schwierig. Vor einer Generation war das Nachmittagsangebot nicht so ausgeweitet. Damals sind die Kinder zum Blockflötenunterricht gegangen und zum Sport. Heutzutage ist das Angebot breiter gefächert. Es wird auch von den Eltern sehr stark darauf geachtet, dass der Nachwuchs ein möglichst umfangreiches Bildungsangebot bekommt, wobei wir uns mit den Spielen auch als Bildungsangebot sehen.

Wie tragen Spiele zur Entwicklung der Kinder bei?
Kinder wollen spielen, von Anfang an. Und möchten etwas ausprobieren, sie möchten anfassen. Das sind die ersten Jahre. Sie möchten es begreifen, etwas damit tun und auch schauen, was dann weiter passiert, wie es sich entwickelt. Im Weitergehenden sind die Spiele so angelegt, dass die Entwicklung der Kinder gefördert wird. Wenn wir mit Schulen beziehungsweise mit Kindergärten zusammenarbeiten, dann haben wir immer das Gefühl, die Kinder sind begeistert und gehen mit.

Ist Spielen nur etwas für Kinder?
Nein auf keinen Fall! Unsere Hauptnutzer sind Familien mit Kindern, gerade im Kindergarten- und auch im Grundschulalter. Wir versuchen aber auch über besondere Aktionen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen für das Spielen zu begeistern und merken: Es kommen tatsächlich ab und zu mal welche, die sagen: Wir wollen eine Nacht der Spiele machen oder eine Spiele-Party. Können Sie uns da was empfehlen? Klar, Spielen ist auf jeden Fall auch etwas für das Erwachsenenalter und es gibt auch im Hamburger Bereich und bei uns in Schenefeld private Spielgruppen und offene Spieletreffs.

Wann findet die Aktion Stadt-Land-Spielt in Schenefeld statt?

Stadt-Land-Spielt findet am 9. und 10. September statt, aber wir sind nur am Sonntag von 14 bis 18 Uhr dabei. Es gibt Getränke, kleine Knabbereien, Kaffee und Kuchen. Wir haben dann auch einige kompetente Spiele-Erklärer vor Ort. Wichtig ist für uns, dass die Besucher, die zu uns kommen, sofort losspielen können und nicht erst lange eine Spielanleitung lesen müssen. Wir können sagen: Wisst ihr was? Ihr habt das und das Alter und das Interesse? Da kennen wir für euch dieses Spiel. Wobei man sagen muss: Alle tausend Spiele kennen wir nicht. Wir haben natürlich auch Lieblingsspiele, die wir besonders gut erklären können.

Warum nehmen Sie an der Aktion teil?
Der Spieleverleih ist ja wie eine Bücherei für Spiele. Wir möchten außerhalb der Öffnungszeiten, die ja mitten in der Woche liegen, am Wochenende einen Tag anbieten, um Familien mit Kindern, die in der Woche beispielsweise im Kindergarten sind, nachmittags Betreuung haben, oder unterwegs sind, die Gelegenheit bieten, uns kennenzulernen. Das ist die Hauptsache. Dass die jungen Eltern mit ihren Kindern an das Gut Spielen, ich will nicht sagen herangeführt werden, aber wieder ein Interesse dafür bekommen. Wir haben festgestellt, dass der Vormarsch der digitalen Medien nicht nur Positives bringt, sondern auch negative Auswirkungen haben kann. Und wir haben festgestellt, dass man sich nach dem Spielen wirklich gut fühlt und glücklich ist. Dass auch Kinder dann zu ihren Eltern sagen: Mensch, lass uns doch mal wieder spielen!

In Schenefeld gibt es zwei Standorte: Das Spiely 1 öffnet jeden Donnerstag von 15.30 bis 17.30 Uhr auf dem Schulgelände der Schule Altgemeinde  im Wurmkamp. Das Spiely 2 hat jeden Mittwoch von 15.30 bis 18 Uhr geöffnet und befindet sich in der Schulstraße auf dem Schulhof der Gorch-Fock-Schule. Ein Spieleabend wird jeden ersten Dienstag im Monat, außer im Januar und August, im Spiely 2 ab 20 Uhr ausgerichtet.
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