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Ein Stück Schenefelder Geschichte : Warum eine Examensarbeit von 1966 über den Einfluss von Hamburg auf Schenefeld noch immer aktuell ist

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Detlef Laus Examensarbeit von 1966 untersuchte den Einfluss Hamburgs auf Schenefeld. Zahlreiche aktuelle Bezüge.

shz.de von
erstellt am 09.Mär.2016 | 12:15 Uhr

Schenefeld | Dass Gerhard Manthei noch etwas über Schenefeld lernen kann, soll etwas heißen. Denn Manthei ist einer der intimsten Kenner der Schenefelder Geschichte. Doch als er zum ersten Mal Detlef Laus Examensarbeit durchblätterte, leuchteten seine Augen. „Das ist ein Visionsbuch mit vielen ganz aktuellen Bezügen“, sagt Manthei.

Lau hat seine Examensarbeit vor 50 Jahren an der Universität Kiel verfasst. Thema: „Der Einfluss Hamburgs auf die Randgemeinde Schenefeld“. 73 Seiten Beschreibung, Analyse und Ausblick. Lau zeichnet die Entwicklung vom Bauerndorf zur industriellen Großgemeinde nach. Lau lebt seit 1945 in Schenefeld, hat 33 Jahre lang als Lehrer in Halstenbek gearbeitet. Schenefeld und Hamburg – diese ganz besondere Beziehung hat ihn damals brennend interessiert. „Viele Schenefelder haben damals Hamburg als ihre Heimatstadt angegeben“, schreibt Lau in seiner Arbeit.

Die Kleinstadt vor den Toren der Weltstadt – mit der Hamburger Vorwahl, mit den Hamburger Versorgungsunternehmen, die in Schenefeld aktiv sind, mit der attraktiven Lage, die viele Hamburger über die Stadtgrenze lockt. Dass die Grenze verschwimmt, wurde zuletzt Anfang 2015 deutlich, als gleich mehrere Hamburger Parteien auf Schenefelder Grund und Boden ihre Wahlplakate aufstellten. Vor 50 Jahren, als Lau die Beziehung untersuchte, war eine Eingemeindung Schenefelds durchaus ein Thema. Erhebliche Gegenwehr kam laut Lau von der Gemeinde, „die einer Eingemeindung großen Widerstand entgegensetzte“. Beim Thema Verkehr hat die Gegenwart die Vergangenheit eingeholt. Schon in den 1960er Jahren plante die Hamburger Hochbahn-AG laut Laus Untersuchung „eine U-Bahn bis zum heutigen Zentrum Schenefelds zu bauen“. Dass die Stadt 2016 um einen Schnellbahnanschluss nach Hamburg kämpft, findet Lau richtig.

In einem Punkt hat sich der Autor aber geirrt. Lau hatte geschlussfolgert, dass Schenefeld „zur Stadtwerdung die geographischen Voraussetzungen fehlen“. Die Physiognomie des Dorfes lasse eine gewisse Geschlossenheit der Ortsform vermissen, außerdem besitze die Gemeinde überhaupt keine Mittelpunktslage. „Schenefeld wird eine städtisch geprägte Industriesiedlung bleiben.“ Doch schon im Juli 1972 wurden Schenefeld die Stadtrechte verliehen. Hartnäckig hält sich bis heute das Gerücht, dass die Abordnung aus der Landeshauptstadt Kiel, die über die Stadtrechte entscheiden sollte, damals aus dem sechsten Stock des Schenefelder Rathauses blickte und gleich von den städtischen Strukturen überzeugt gewesen sei. Die Kieler sahen die Hochhaussilhouette am Osdorfer Born – in Hamburg.

Das fehlende Zentrum beschäftigt Schenefelds Politiker bis heute. In den kommenden Wochen fällt die Entscheidung, ob die Stadt an seinen Kern herangeht. Durch die Aufnahme ins Förderprogramm von Bund und Land könnten bis zu 14 Millionen Euro in den kommenden Jahren nach Schenefeld fließen. Seine Examensarbeit hat Lau nun Manthei überlassen. Schenefelds Hobby-Historiker träumt von einem Heimatmuseum in seiner Stadt, um kleine Schätze wie Laus Arbeit dort ausstellen zu können.

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