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Neubaugebiet in Schenefeld : Wald-Geschäft mit Geschmäckle?

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Der Investor Förster muss die Fläche nicht vollständig in Schenefeld ausgleichen – und spart so viel Geld.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2014 | 06:00 Uhr

„Das hat ein Geschmäckle, keine Frage.“ Mathias Schmitz redet nicht lange um den heißen Brei herum. Für den Grünen-Fraktionschef ist es unfassbar, dass sich ein CDU-Ratsherr, der gleichzeitig leitender Mitarbeiter eines Investors ist, mit Nachdruck für die Interessen des Investors in Schenefeld einsetzt – und damit Erfolg hat.

Es geht um CDU-Mann Kay Plewnia, den Investor Jens Förster und das Neubaugebiet an der Timm-Kröger-Straße, wo Förster 88 Wohneinheiten hochziehen wird. Dafür muss ein Wald weichen.

Noch im November hatte die Politik beschlossen, dass die vorgeschriebene Ersatzpflanzung doppelt so groß sein muss, wie die jetzige Waldfläche von 13 500 Quadratmetern. Und die Bäume müssen komplett in Schenefeld gepflanzt werden (wir berichteten). Diesen Beschluss hat der Rat jetzt einkassiert. CDU, SPD und OfS setzten durch, dass Förster 50 Prozent der kompletten Ausgleichsmaßnahme außerhalb der Stadtgrenzen umsetzen darf. Es geht um viel Geld. Die Stadt hat dem Investor eine Ausgleichsfläche am Holtkamp angeboten. Preis: 20 Euro pro Quadratmeter. Den haben auch andere Inverstoren in der Vergangenheit zahlen müssen. Förster hätte der komplette Waldausgleich auf städtischem Grund und Boden 540 000 Euro gekostet. Zu viel für den Bauherren. Das teilte er den Politikern auch mit. Außerhalb der Stadt könnte der ökologische Ausgleich wesentlich günstiger erfolgen – zum Beispiel in Bönningstedt und Barmstedt für 72 000 Euro für 13 500 Quadratmetern. Auf Vorschlag der CDU wurde dem Investor jetzt zugestanden, 13 500 Quadratmeter Wald nicht in Schenefeld aufforsten zu müssen. Nach Informationen unserer Zeitung könnte der Investor so gut 200 000 Euro sparen. „Das ist eine klare Subventionierung des Investors“, kritisiert Grünen-Ratsherr Herbert van Gerpen diese Entscheidung.

CDU-Fraktionschef Hans-Jürgen Rüpcke weist alle Geschmäckle-Vorwürfe zurück. „Das ist die die beste und fairste Lösung. Der Ausgleich ist in Schenefeld unverhältnismäßig teuer – und wir haben kaum noch Flächen.“ Die CDU hätte bei jedem Investor so entschieden. „Egal wie er heißt“, betont Rüpcke. Der Ausgleich im Verhältnis 1:2 bleibe ja gleich. „Der Investor muss immer noch 350 000 Euro bezahlen.“

Doch auch die Stadt ist nicht so glücklich, mit dem Votum der Politik. „Es schafft einen Präzedenzfall. Andere Investoren können sich in Zukunft darauf berufen“, sagt Bürgermeisterin Christiane Küchenhof.

Schmitz ist richtig sauer: „Unsere Aufgabe ist es doch, in Schenefeld Ausgleichsflächen zu schaffen. Nicht irgendwo im Kreis oder im Land.“ Auch finanziell mag der Grünen-Chef keine Notwendigkeit erkennen, dem Investor so weit entgegen zu kommen. „Wald hat einen Wert von zehn Euro pro Quadratmeter. Bauland in dieser Lage von bis zu 350 Euro pro Quadratmeter.“ Und noch eines wurmt Schmitz: Das Geld, das der Investor jetzt sparen kann, geht Schenefeld als Einnahme verloren.

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