zur Navigation springen
Schenefelder Tageblatt

18. Dezember 2017 | 17:47 Uhr

Vorne Enteignung und hinten der Wald weg?

vom

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Schenefeld | Der Rechtsabbieger von der Altonaer Chaussee in die Industriestraße: Er fehlt noch, um das Millionenprojekt Anbau an das "Stadtzentrum" abzuschließen. Problem: Für den Bau des Rechtsabbiegers benötigt die Stadt die Teilfläche eines Grundstücks, das ihr nicht gehört. Es geht nur um 35 Quadratmeter. Doch der Eigentümer hat sich bisher hartnäckig geweigert, zu verkaufen. Die Stadt setzt jetzt gezwungenermaßen auf ein Enteignungsverfahren. Um dafür die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, muss der Bebauungsplan geändert werden. Das Verfahren läuft - und stößt auf massiven Widerstand des Schenefelder Naturschutzbundes. Grund: Nabu-Chef Stefan Friedrich fürchtet, dass für Neubauten in dem Gebiet ein Wald entlang des Düpenaugrünzugs weichen muss. "Wir haben den Planungen aus naturschutzfachlicher Sicht deshalb nicht zugestimmt", betont Friedrich.

Fakt ist: Seit Jahren gibt es Bestrebungen, die Flächen an der Industriestraße aufzuwerten (siehe Kasten).Die Stadt möchte nun ausgerechnet das 9000 Quadratmeter große Grundstück des nicht verkaufswilligen Besitzers neu strukturieren. Für den ergeben sich, "erhebliche Verbesserungen in der Ausnutzung seines Grundstückes", heißt es von Seiten der Stadt. Dort wo seit Jahrzehnten eingeschossige Gewerbehallen stehen, wären in Zukunft drei Vollgeschosse möglich. Auch die Baugrenzen sollen so gestaltet werden, dass "eine große Bandbreite für eine Neubebauung gegeben wird". Zum Grünzug der Düpenau soll ein Abstand von mindestens sechs Metern eingehalten werden. Das ist der Knackpunkt in der Planung: Zwischen den heutigen Gewerbehallen an der Altonaer Chaussee und der Düpenau sind in den vergangenen Jahren viele Bäume gewachsen. Sie müssten bei einer Bebauung weichen. Der Nabu spricht von einem Waldkomplex, von einem geschützten Biotop beidseitig der Düpenau. Das sieht die Stadt anders. Gesetzlich geschützte Biotope seien laut Landesnaturschutzgesetz im Plangebiet nicht vorhanden. Die Stadt möchte den B-Plan im beschleunigten Verfahren erstellen - ohne Umweltprüfung und ohne Umweltbericht. Genau darauf pocht aber der Nabu.

Friedrich betont, dass der Düpenaugrünzug als Ganzes eine herausragende Bedeutung für die Erholung der Bevölkerung und den Artenschutz habe. Zudem erfülle er eine wichtige Klimafunktion für den ortsnahen Bereich. "Wir fragen uns, wie die herausragende Bedeutung des Düpenaugrünzuges zu erklären ist, wenn derartig wertvolle Waldflächen vernichtet werden sollen, zumal solche Flächen in Schenefeld doch sehr selten geworden sind", sagt der Nabu-Chef.

Noch ist die Planung nicht beschlossen. Die Entscheidung fällt im Stadtentwicklungsausschuss. Dann werden sich die Politiker unter anderem auch mit den Bedenken des Nabu auseinandersetzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen