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Spannungen, die Kunst erzeugen : Vernissage: Besucheransturm im Schenefelder Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Malerei und keramische Objekte des Ehepaars Erban sind zu sehen.

Schenefeld | „Die Sprache ist das Haus des Seins. In ihrer Behausung wohnt der Mensch. Die Denkenden und Dichtenden sind die Wächter dieser Behausung.“ Die Zeilen von Martin Heidegger haben einen wichtigen Bezug zu den in der Ausstellung „Malerei und keramische Objekte zum Thema Haus“ präsentierten Werken. Das Künstlerehepaar Anne-Kathrein und David Erban bezog sich in der gut besuchten Vernissage gestern auf das Zitat des Philosophen.

„Ich denke, dass wir im Zeitalter der Fake-News und alternativen Fakten wissen, wie sehr die Sprache des Schutzes bedarf“, erläuterte Erban. Seinen präsentierten Wächterfiguren käme somit symbolisch eine doppelte Aufgabe zu: Sie dienten als wehrhafte Schutzfiguren, um vom Haus und seinen Bewohnern Unheil abzuwenden. Darüber hinaus hätten sie als Dichtende und Denkende die Funktion, die sprachliche Behausung zu schützen.

Zahlreiche Aspekte werden angesprochen

50 Bilder und 20 keramische Objekte gehören zur Ausstellung. Die Erbans sind schon seit vielen Jahrzehnten künstlerisch tätig. Anne-Kathrein (62) arbeitet als freischaffende Malerin und Dozentin. Ehemann David (64) kreiert keramische Objekte. Das Thema „Haus“ wählten sie, weil sie es aktuell als bedeutsam empfinden. „In Zeiten starker Migrationsbewegungen, dem Verlust von Heimat und bei der Suche nach einem neuen Schutzraum kommt dem Haus eine große Bedeutung zu“, sagte Erban. Ein Haus beinhalte eine Abgrenzung nach außen, habe aber auch Fenster und Türen, um das Außen herein zu lassen und zu integrieren.

Mit ihren Arbeiten weisen die Künstler auf vielerlei Aspekte hin: Die Spannung zwischen Innen und Außen, dem Geschlossenen und Offenen. Die mitunter durchaus zwiespältige Natur des Hauses kann der Kunstfreund beim Betrachten der Werke nachempfinden. „Im Hausinneren sind wir geborgen und sicher“, betonte Erban. Es läge hierin jedoch auch eine Ambivalenz. „Dadurch, dass die Bewohner geschützt sind, sind andere, gegebenenfalls Schutzsuchende ausgeschlossen“, ergänzte der Künstler.

Das Künstlerpaar Anne-Kathrein und David Erban bringt viel Verständnis füreinander auf.
Das Künstlerpaar Anne-Kathrein und David Erban bringt viel Verständnis füreinander auf. Foto: Frauke Heiderhoff
 

Die Tendenz zur Abstraktion und Reduzierung ist den Arbeiten beider Künstler anzusehen. Anne-Kathrein Erban präsentiert in ihren Serien auch durch Reiseimpressionen gewonnene Eindrücke. Sie verbindet auf ihren Bildflächen Drucktechniken, Malerei und zeichnerische Elemente. Die Künstlerin gab Einblicke, auf welche Weise einzelne Bilder entstanden. David Erbans figürliche-, aber auch abstrakte Hausskulpturen thematisieren Leerräume und Offenheit. Giacometti und Chillida, aber auch archaische Formen früherer Kulturen beeinflussen seine Kunst.

Percussion-Performances des Vater-Sohn-Duos Dirk und Dustin Iwen rundeten die Vernissage ab. Die Werke sind noch bis zum 16. April im Rathaus sowie im ersten Obergeschoss der Galerie im Schenefelder „Stadtzentrum“ zu sehen.
 

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