Diamantene Hochzeit : Verliebt in die Krankenschwester

Werner und Irmgard Vollmer feierten das Fest der Diamantenen Hochzeit. Der Garten der Vollmers ist ihr ganzer Stolz.
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Werner und Irmgard Vollmer feierten das Fest der Diamantenen Hochzeit. Der Garten der Vollmers ist ihr ganzer Stolz.

Schicksalsschläge führten sie zusammen: Irmgard und Werner Vollmer feiert Diamantene Hochzeit im Kreise der Familie.

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15. Juni 2014, 10:00 Uhr

Schenefeld | Ihr Schicksal ist mit dem tragischen Untergang der Wilhelm Gustloff im Jahre 1945 eng verwoben. Die aus Königsberg stammende Familie der Schenefelderin Irmgard Vollmer hatte fest vor, mit dem Schiff zu flüchten. Doch Irmgard Vollmers Mutter ließ sich von ihrem Mann nicht zur Eile antreiben, vergrub noch Tafelsilber und Bettwäsche vor den herannahenden Russen – und die damals vierköpfige Familie verpasste das Schiff. Ein Glück für die damals kleine Irmgard Vollmer. Sie überlebte die Flucht aus Königsberg und konnte gemeinsam mit ihrem Mann Werner Vollmer am 12. Juni im Kreise ihrer Familie das Fest der Diamantenen Hochzeit feiern. „Dank Gottes Fügung hat meine Mutter Irmgard überlebt“, bringt es Tochter Susanne auf den Punkt.

Doch auch das Kennenlernen von Werner und Irmgard war mit einer weiteren Tragödie verknüpft. Im Jahr 1948 verlor der bei der Bahn beschäftigte Werner Vollmer ein Bein während eines Unfalls bei Gleisarbeiten in Othmarschen. „Der Unfall hatte aber auch etwas Gutes, ich habe eine Krankenschwester kennengelernt“, erzählt der gebürtige Nienstedtener. Seine Irmgard befand sich damals noch in der Ausbildung. „Ich habe sie ganz nett gefunden“, erinnert sich Vollmer mit einem verschmitzten Lächeln. Die beiden kamen sich näher und es sollte nicht lange dauern, bis der gelernte Möbel- und Bautischler seine Frau zum Traualtar führte. Denn Irmgard Vollmers Eltern bestanden – der damaligen Tradition entsprechend – darauf, dass das vorab verlobte Paar möglichst schnell einen Trauschein in der Tasche hatte.

„Wir haben es nicht immer leicht gehabt, aber wir sind zufrieden gewesen“, sagt der Jubilar. Seit 1950 wohnen die Vollmers in Schenefeld. „Meine Frau war immer eine Stütze für mich, da ich ja nur ein Bein habe“, erinnert sich Vollmer gerührt. Im gemeinsamen großzügigen Schenefelder Haus hinderte den Möbel- und Bautischler sein Handicap nicht daran, kräftig mit anzupacken und für eine schöne Ausstattung des Heims – beispielsweise für eine Zimmerdecke in Holzoptik – zu sorgen.

Während ihrer Ehe haben sich die Vollmers als Gartenliebhaber erwiesen und ihren kleinen Gemüse- und Bauerngarten immer besonders gepflegt. Zahlreiche Urlaube verbrachte die Familie in Büsum. Inzwischen gehören zwei Kinder, vier Enkel und vier Urenkel zur Familie.

Zu den Gästen bei der Diamantenen Hochzeit zählten außer zahlreichen Verwandten, wie Tochter Susanne und Sohn Joachim, Pastorin Kerstin Otterstein sowie Rosemarie Zimmermann vom Besuchsdienst der Kirche. Bürgermeisterin Christiane Küchenhof ließ es sich nicht nehmen, dem diamantenen Paar – außer Urkunden von Stadt, Kreis und Land – einen Blumenstrauß sowie eine Chronik der Stadt Schenefeld zu überreichen.

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