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Schenefelder Tageblatt

21. August 2017 | 18:11 Uhr

„Verkehrs-Kollaps oder Zukunft?“

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Verkehrsinitiative „Starten: Bahn West!“ kämpft weiter für bessere ÖPNV-Anbindung / Busse derzeit einzige Lösung

„In diesem Jahr jährt sich zum 40. Mal, dass die U-Bahn-Anbindung Lurup zu Grabe getragen wurde“, sagte Jürgen Beeck, Sprecher der Verkehrsinitiative „Starten: Bahn West!“ am Sonnabend. Das Bündnis der vier „Bürgerinitiativen Borner Runde“, „Luruper Verkehrs-AG“, „Bürgerinitiative Volkspark“ und „Arbeitskreis Verkehrsplanung Schenefeld“ hatte zur Podiumsdiskussion ins Schenefelder Stadtzentrum geladen. Thema: „Verkehrs-Kollaps oder Zukunft?“. Ein Wahlplakat der SPD aus dem Jahre 1974 schmückte die Wand hinter den Diskussionsteilnehmern. Der Slogan: „U-Bahn für Lurup“.

Mit der Außenseiterrolle hatte sich Dietrich Hartmann, Geschäftsführer des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV), schon im Vorfeld angefreundet: „Ich mache mich nicht beliebt bei ihnen, aber Schenefeld ist nicht das Zentrum der Hamburger Planungen.“

Eine Stadtbahn, wie ihn sich Teile der Bürgerinitiative wünschen, schloss er hingegen aus. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz favorisiere eine U-Bahn. Diese müsse nach verkehrstechnischer Notwendigkeit abgewogen werden.

„Wir konzentrieren uns darauf, wo Nachfrage da ist“, sagte Hartmann, der sich auf keinerlei Zusagen einlassen wollte: „Wir sollten nicht unehrlich werden und Dinge versprechen, die wir nicht halten können.“ Neuanschaffungen im Schienenverkehr seien generell ein langwieriger Prozess. „Das dauert schnell fünf oder sechs Jahre. Es ist nicht so wie einen neuen Golf zu kaufen“, so Hartmann. Kurzfristig setze der HVV auf Busbeschleunigung. Für Beeck ist das zu wenig. „Der Bus braucht laut Fahrplan 38 Minuten in die Innenstadt. Das schafft er fast nie. Wenn Veranstaltungen in der Arena sind oder die A7 dicht ist, geht nichts mehr“, sagte der Sprecher des Bürgerbündnisses. Zuspruch erhielt er aus dem Auditorium und von Herbert van Gerpen vom „Arbeitskreis Verkehrsplanung Schenefeld“. „Wir hören jeden Tag etwas über Metropolregion, aber wir scheinen weiter als die zurückliegenden 60 Jahre von der Anbindung entfernt zu sein als es hier noch eine Straßenbahn gab“, so van Gerpen.

Raimund Brodehl, Abteilungsleiter für Mobilität-ÖPNV im Amt für Verkehr und Straßenwesen Hamburg, versuchte die Zweifel am regionalen Zusammenschluss abzuwehren: „Wir begreifen uns als Zentrum der Metropolregion, wo wir versuchen müssen, gemeinsam das Beste zu erreichen.“ Eine U-Bahn-Anbindung sei in den 1970er-Jahren wegen der Öl- und Wirtschaftskriese gescheitert. Eine bessere Anbindung des Hamburger Westens sei kurzfristig nur durch Buslinien möglich. „Ich sehe keine Perspektive in den nächsten Jahren eine U-Bahn-Anbindung zu schaffen. Die U5 wird sicherlich nicht in den nächsten zehn Jahren entstehen.“ Schließlich sei die Herausforderung die Finanzierung und der Bau einer 30 Kilometer langen Strecke.

Claudius Mozer, Geschäftsführer der Südholstein Verkehrsservicegesellschaft, zweifelte an der Notwendigkeit, die Anbindung zu verbessern: „Im Vergleich mit anderen Gemeinden gleicher Größte hat Schnefeld eine gute Anbindung.“ „Schwachsinn. Wovon redet der eigentlich?“, kommentierte ein Zuhörer.

Mozer konterte: „Die Beförderungsversorgung von Schenefeld ist nicht schlecht. Das es besser geht, ist klar.“

Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) war von den Aussagen wenig überrascht. „Wir wünschen uns eine gute ÖPNV-Anbindung. Vorstöße gab es schon seit 2001.“ Allerdings sei die Siedlungsdichte in Schenefeld zu gering und angesichts leerer Kassen eine Beteiligung der Gemeinde an der Umsetzung schwer möglich. „Wir müssen realistisch bleiben, aber wir werden weiter bohren, auch wenn es ein dickes Brett ist.“

Beeck und seine Mitstreiter lassen sich nicht abschrecken: „Wir sind noch lange nicht durch. Jetzt heißt es für uns erst recht Gas geben.“ Bei einer laufenden Unterschriftenaktion hätten bisher 700 bis 800 Befürworter von „Starten: Bahn West!“ unterzeichnet. Bis Donnerstag sollen weitere Unterzeichner gewonnen werden. Dann soll die Liste an die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) übergeben werden.


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