Interview : Verkehr: „In Schenefeld besteht Nachholbedarf“

Herbert van Gerpen wünscht sich eine S-Bahn-Anbindung für die Stadt Schenefeld.
Herbert van Gerpen wünscht sich eine S-Bahn-Anbindung für die Stadt Schenefeld.

Herbert van Gerpen engagiert sich auch nach dem Ausscheiden aus der Ratsversammlung politisch.

shz.de von
30. Mai 2018, 14:05 Uhr

Schenefeld | Herbert van Gerpen gehört zwar in der neuen Legislaturperiode nicht mehr für die Grünen der Schenefelder Ratsversammlung an, bleibt aber dennoch weiter politisch aktiv. Im Interview erklärt er unter anderem, warum das Thema Verkehr aus seiner Sicht zu wenig Beachtung findet.


Frage: Was hat Ihnen an der Arbeit im Rat besondere Freude bereitet?
Herbert van Gerpen: Ich habe mich auch schon vorher auf vielfältige Weise eingebracht, unter anderem seit 1999 als Sprecher des Arbeitskreises Verkehrsplanung. Ich habe bemerkt, dass sich die Akzeptanz erhöht und die Gestaltungsmöglichkeiten größer sind, wenn man Mitglied der Ratsversammlung ist.


Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich?
Meine Schwerpunkte sind die Bereiche Stadtentwicklung, Verkehr und Landschaftsschutz. Die Verkehrspolitik beschäftigte mich früher als Diplom-Volkswirt und Ingenieur auch beruflich. Ich habe festgestellt, dass in Schenefeld in Sachen Verkehr Nachholbedarf besteht und versuche nun, Verbesserungen zu erreichen.

Wo sehen Sie die größten Probleme?
Ein zentrales Thema ist die Verkehrsberuhigung des Dorfes. Die Blankeneser Chaussee ist nach der LSE eine der am meisten belasteten Straßen im Ort und wird von sehr vielen Lkw genutzt. In anderen Orten werden die Laster über Ortsumgehungen geführt oder durch Tempo-30-Zonen gebremst. In Schenefeld gibt es durch das Gewerbegebiet über den Osterbrooksweg sogar eine Umgehung. Die wird aber zu meinem großen Bedauern nicht genutzt. Der Arbeitskreis Verkehrsplanung hatte schon ein Konzept vorgelegt, dessen Umsetzung die Situation verbessern würde. Da es sich um eine Landesstraße handelt, liegt die Entscheidung aber beim Landesbetrieb Verkehr.


Warum ist Ihnen das Thema Verkehr so wichtig?
Der Verkehr ist ein zentrales Thema für die Entwicklung eines Ortes. Wenn man über Wohnbebauung nachdenkt, müssen auch die Auswirkungen auf den Verkehr berücksichtigt werden. Stadtplanung und Verkehrsentwicklung gehören zusammen. In Schenefeld wurde bisher viel zu häufig beides getrennt betrachtet.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?
Ich bin schon seit Jahrzehnten basispolitisch aktiv und ein Produkt der 68er-Generation. Diese Zeit hat mich geprägt. 1963 bin ich als Lehrling in die IG Metall eingetreten, später war ich Studentenvertreter. Außerdem engagierte ich mich in den Siebzigern in Hamburg bei Vorläufern der Grün-Alternativen Liste und habe zu deren Gründung beigetragen.


Wieso engagieren Sie sich politisch?
Eine zentrale Lehre meiner Kindheit ist, dass man bewusst eingreifen muss, um Zustände zu verändern, die einem nicht gefallen. Das hat sich im Nationalsozialismus gezeigt, der von großen Teilen der Bevölkerung widerstandslos hingenommen wurde und die Generation meiner Eltern geprägt hat.


Wieso gehörten Sie für die Grünen dem Stadtrat an?
Ich bin zwar kein Partei-Mitglied, habe aber durch meine Arbeit in der Bürgerinitiative „Wohnqualität im Grünen“ festgestellt, dass es viele Berührungspunkte zu den Grünen gibt. Also kandidierte ich 2013 erstmals für die Ratsversammlung. 2018 gehöre ich dem Rat nicht mehr an, weil die Partei bei den Kommunalwahlen so erfolgreich war: Es wurden so viele grüne Direktkandidaten gewählt, dass weder ich noch sonst ein Listenkandidat ein Mandat erhielt. Ich hoffe aber, dass ich im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt weiterarbeiten kann.


Was bleibt Ihnen von der Arbeit im Rat in Erinnerung?
Positiv war der Bürgerentscheid zur Rettung der Landschaftsschutzgebiete und der Grünflächen, der einen entsprechenden politischen Beschluss nach sich zog. Trotz allem ist dieses Thema außer bei den Grünen bei keiner Partei angekommen. Das gilt nicht nur für Schenefeld. In Sachen Klima- und Umweltschutz ist Deutschland Weltmeister im Verkünden. Tatsächlich passiert nur wenig.

Herbert van Gerpen (71) wuchs als gebürtiger Ostfriese in der Nähe von Emden auf, lebt seit 1988 in Schenefeld und war von 2013 bis 2018 Mitglied der Ratsversammlung. Außerdem gehörte der Diplom-Volkswirt dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt und dem Hauptausschuss an. Darüber hinaus ist der Vater einer Tochter seit 20 Jahren Sprecher des Arbeitskreises Verkehrsplanung und arbeitet unter anderem in der Bürgerinitiative „Wohnqualität im Grünen“ mit.


Hat Sie etwas geärgert?

Ich finde es bedauerlich, dass sich die Ratsversammlung nicht ernsthaft mit der Gründung eigener Stadtwerke beschäftigt hat. Dazu ist es nicht gelungen, eine andere Linie in der Bebauungspolitik zu finden. Für einige Gebiete wie zum Beispiel den Schenefelder Platz in Richtung Lurup wurde versäumt, einen Bebauungsplan aufzustellen. Damit hat die Stadt die Möglichkeit aufgegeben, die Entwicklung in bestimmten Bereichen zu gestalten. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann die Kommune mit ihrer Planungshoheit einiges bewirken. In Schenefeld klappt das leider nicht. Bedauerlich ist zudem, dass es in der Verwaltung keine eigene Stelle für den Umweltschutz gibt.


Vor welchen Herausforderungen steht Schenefeld in den kommenden Jahren?
Die Stadt rühmt sich, dass sie finanziell gesund ist. Das ist sie tatsächlich – allerdings auf Kosten eines Investitionsstaus, der abgebaut werden muss. Aus meiner Sicht kommt zudem die Verkehrsinfrastruktur zu kurz. Gebaut wird immer schnell. Die Infrastruktur spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Besonders für die Radfahrer sollte mehr getan werden. Der öffentliche Personennahverkehr muss sich ebenfalls verbessern. Weil Schenefeld keinen Schienenanschluss hat, wird in kaum einer anderen Umlandkommune so viel Auto gefahren. Deshalb braucht Schenefeld eine S-Bahn-Anbindung Richtung Altona. Eine Stadtbahn wäre noch besser. Diese Lösung ist aber leider unrealistisch.


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