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Der tote Pfarrer bei der Hochzeit : Susanne Mischke spricht über ihr neues Buch „Alte Sünden“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Morgen Lesung im Juks zu den Krimitagen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Schenefeld | Im Zuge der Schenefelder Krimitage wird Susanne Mischke (57) morgen nach Schenefeld kommen. Die Hannoveranerin wird im Juks aus ihrem Buch „Alte Sünden“ vorlesen, dem siebten Fall um Kommissar Bodo Völxen und sein Team. Außer Krimis und Jugendbüchern schrieb die Autorin auch Drehbücher für die Fernsehserie „Alarm für Kobra 11“. Im Gespräch berichtet sie, warum sie keine Drehbücher mehr schreibt und was den Reiz einer Krimiserie ausmacht.

Frage: Was erwartet den Leser in Ihrem Buch „Alte Sünden?“
Susanne Mischke: Das Buch fängt damit an, dass das Ermittlerpärchen Jule und Fernando heiraten möchte und der Pfarrer nicht erscheint. Nachdem dieser erschlagen in seinem Haus gefunden wurde, gibt es eine Rückblende, wo beschrieben wird, wie Jule und Fernando auf diesen Pfarrer gekommen sind. Es stellt sich raus, dass der Pfarrer als Gefängnisseelsorger in einen ganz alten Fall von Kommissar Völxen verwickelt war, in dem ein Mädchen zu Tode kam. Im Nachhinein kommen Zweifel auf, ob der verurteilte Täter, der mittlerweile im Gefängnis gestorben ist, wirklich der Mörder war. Unter der Hand bittet Kommissar Völxen Jule in dem alten Fall zu recherchieren.

Unter dem Motto „Morden im Norden“ lesen drei Krimiautoren bei den 4. Schenefelder Krimitagen aus ihren Büchern vor. Den Anfang hat Krischan Koch mit seinem Buch „Backfischalarm“ gemacht.  Es folgt Susanne Mischke, die morgen ihren Krimi „Alte Sünden“ vorstellen wird. Zum Abschluss wird Till Raether Ausschnitte aus seinem Hamburg-Roman „Neunauge“ am Freitag, 3. November, zum Besten geben. Alle Veranstaltungen werden im Juks in Schenefeld, Osterbrooksweg25, stattfinden. Der Eintritt kostet für eine Lesung elf Euro, für zwei Lesungen 20 Euro. Karten gibt es in der Stadtbücherei Schenefeld, bei Heymann im „Stadtzentrum“ und im Juks. Der Beginn der Lesung ist jeweils um 19Uhr, der Einlass eine halbe Stunde davor.

Sie sind in Kempten im Allgäu geboren und haben später unter anderem in Darmstadt und Berlin gelebt. Seit 15 Jahren wohnen Sie nun bei Hannover. Wo gefällt es Ihnen am besten?
In der Wedemark im Speckgürtel von Hannover, wo ich jetzt wohne, fühle ich mich sehr wohl. Hier ist es sehr ländlich, ich habe meine Hunde und einen großen Garten. Ich fahre natürlich auch immer gern zurück ins Allgäu, wo meine Eltern immer noch leben, aber im Großen und Ganzen mag ich die norddeutsche Landschaft und diese Ruhe schon gern.

Also sind Sie eher ein Landmensch?
Ich bin zum Landmensch geworden. Das war nicht immer so. Als ich jung war, wollte ich nach Berlin und mitten in Kreuzberg wohnen. Inzwischen habe ich aber gemerkt, dass ich die Stadt zwar mag, aber ich dann auch schrecklich gern wieder draußen auf dem Land bin. Da sitze ich auf meinem Rasenmäher und genieße das Leben. Es ist aber nicht so das platte Land, wo man zwei Stunden in die Stadt fährt, sondern ich kann in 20 Minuten in Hannover sein. Ich kann meine Freunde in der Kneipe treffen und bin nicht völlig abgeschnitten (lacht).

Was macht für Sie den Reiz einer Krimiserie aus?
Abgesehen von den einzelnen Fällen, die jeweils in einem Buch gelöst werden, ist der besondere Reiz die Entwicklung der Figuren über einen sehr langen Zeitraum. Bei den Hannoverkrimis ist das zum Beispiel an dem Ermittlerpärchen Jule und Fernando zu sehen, die in dem aktuellen Band sogar heiraten. Ihre Beziehung konnten die Leser von Band zu Band verfolgen. Am Anfang fielen sie sich noch ein bisschen auf die Nerven, später dann die Annäherung, aber man findet sich trotzdem immer noch unmöglich. Jule hat zwischendurch auch mal andere Liebhaber, aber irgendwann kommen sie dann doch zusammen. Die Leute, Familien und die Beziehungen der Ermittler untereinander entwickeln sich, wie es im normalen Leben eben auch ist. Ich merke das, wenn ich Fragen oder Kommentare von den Lesern bekomme. Es geht fast nie um den Kriminalfall, sondern meistens um das Privatleben der Ermittler. Dass man den Leser an die Figuren bindet, ist natürlich auch so ein bisschen das Erfolgsrezept einer Serie. Das funktioniert allerdings auch umgekehrt. Wenn ich die Ermittler doof finde, dann interessiert mich das nicht.

Lassen Sie sich beim Schreiben auch von der Realität inspirieren?
Ja. Zum Beispiel wurde im vorletzten Krimi bei einem Jagdausflug eine Leiche im Moor gefunden. Das ist natürlich genau die Gegend, wo ich lebe, wo diese Jagden stattfinden und dieses Moor ist. Da konnte ich mir schon sehr gut vorstellen, wie das dann ablaufen würde, weil ich die ganz genau kenne. Ein anderes Beispiel ist der Maschsee, der eigentlich so zentral in der Stadt liegt und den jeder kennt. Gerade am Westufer ist der ziemlich unheimlich, wenn man da abends lang läuft. Dass es mitten in der Stadt noch so einen Ort gibt, wo man sich nachts etwas unwohl fühlt. Davon lasse ich mich gerne inspirieren.

Kommt es vor, dass Sie mal eine Schreibblockade haben?
Jedes Buch hat mal seinen Hänger. Das kenne ich inzwischen auch schon, dass ich denke: Mein Gott, dieser Roman wird nie über Seite 60 hinauskommen. Manchmal muss ich auch dann einen Schritt zurückgehen, wenn ich sehe, dass ich mich in der Handlung verrannt habe. Wenn man das fertige Buch liest, ist das komischerweise wie bei einer Geburt: Man hat diese ganzen Schmerzen und Probleme längst vergessen. Ich erinnere mich dann nicht mehr, an welchen Stellen ich gehangen habe. Und beim nächsten Buch denke ich dann wieder: Ich habe mich noch nie so schwer getan, wie bei diesem Buch. Obwohl ich jetzt schon ein alter Hase bin, geht mir das immer wieder so.

Haben Sie einen bestimmten Ort, von dem Sie sich inspirieren lassen?
Wenn es beim Schreiben gar nicht mehr voran geht, gehe ich gerne mit meinen Hunden im Moor spazieren, um den Kopf frei zu kriegen. Oder manchmal – das darf man als Frau ja eigentlich gar nicht sagen – putze ich. Dann denke ich: Heute ist kein Schreibtag, heute ist Hausputz angesagt. Gerade bei so Tätigkeiten, wo man nicht denken muss, wie putzen, stelle ich dann fest, dass mir neue Gedanken kommen.

Was lesen Sie selbst gerne für Bücher?
Eigentlich alles querbeet. Im Augenblick habe ich eine Phase, wo ich so zum Frauenroman tendiere. Ich glaube, dass ich mich gerne mal in so eine heile Welt zurückziehe, weil es in der Welt gerade so wüst zu geht. Manchmal überlege ich, ob das auch ein Trend für mich wäre, weil ich mir vorstellen kann, dass es anderen Lesern ähnlich geht wie mir. Je wüster die Welt draußen wird, desto weniger braucht man doch noch den knallharten Krimi. Das sind aber im Moment nur Gedankenspiele. Wenn ich gerade an einem Buch schreibe, versuche ich, kein Buch desselben Genres zu lesen, weil mich das sonst beeinflusst. Wenn das Buch schlecht ist, bin ich genervt und wenn es gut ist, deprimiert es mich. Dann denke ich: So gut wird deins nie. Da bleibe ich lieber in einem anderen Genre. Man gerät dann auch nicht in die Gefahr, etwas zu kopieren.

Liest man Bücher anders als Schriftsteller?
Ein bisschen schon. Man durchschaut natürlich einige Tricks der Autoren, wo der normale Leser vermutlich etwas unbedarfter liest. Gerade bei Kriminalromanen habe ich beim Lesen auch immer ein analytisches Auge drauf. Es ist aber nicht so, dass das einem die Lektüre verdirbt. Bei einigen Büchern, wie zum Beispiel Wohlfühlbüchern weiß aber auch jeder normale Leser, dass die Protagonisten sich am Ende kriegen werden. Ich achte als Autor vielleicht auch ein bisschen mehr auf die Sprache. Manchmal erwische ich Bücher, die zwar Bestseller sind, wo ich mich aber wundere, was das für eine grausame Sprache ist. Anscheinend scheint die Sprache jedoch viele Leute gar nicht zu stören. Es gibt auch Bücher, die sind relativ handlungsarm und die ich nur wegen der schönen Sprache lese.

Sie haben auch Drehbücher für Alarm für Cobra 11 geschrieben. Was ist das besondere am Schreiben eines Drehbuches?
Das fällt noch unter Jugendsünden. Gerade bei einer Fernsehserie hat man ein wahnsinnig enges Korsett. Vor allem bei so einer Action-Serie muss man auf die Minute genau einplanen, wann der Stunt ist. Wenn der Stunt dann mehr Zeit in Anspruch nimmt als geplant, dann wird bei den Dialogen gekürzt. Die Regie wütet da dann ganz wüst noch im Skript. Es ist kein wirklich schönes Schreiben, weil viel zu viele Leute mitreden und man kaum Freiheiten hat. Das war eine nette Erfahrung, aber auf Dauer muss ich das nicht haben. Ich bin dann als Autorin doch eher eine Einzelkämpferin.

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