„Sturköpfe müssen umdenken“

Der EDV-Spezialist Stefan Friedrich  kämpft für ein grünes Schenefeld.
Der EDV-Spezialist Stefan Friedrich kämpft für ein grünes Schenefeld.

Nabu-Mitglied Stefan Friedrich über Baumfällungen, Grüne in der Politik, die Düpenau und seinen Lieblingsort in der Stadt

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11. Juni 2015, 16:00 Uhr

Nach drei Jahre hat Stefan Friedrich den Chefposten der Nabu-Gruppe Schenefeld-Halstenbek niedergelegt. Ein Nachfolger wird gesucht. Seit 40 Jahren lebt er in Schenefeld – richtig gern tut er dies aber nicht mehr.

Frage: Herr Friedrich, ist Naturschutz in Schenefeld ein schwieriges Geschäft?
Friedrich: Das ist es leider überall auf der Welt. Aber mit Einsatz kann man auch Erfolge erzielen. Es lohnt sich, zu kämpfen. In der Schenefelder Politik und Verwaltung ist es nicht anders als in anderen Städten. Es gibt einige Sturköpfe, die umdenken müssen. Hier haben wir in Schenefeld einiges erreicht.

Baumfällungen im Wald an der Bogenstraße haben wieder für Ärger gesorgt. War das Vorgehen der Stadt wirklich so schlimm, wie es vor allem die Grünen öffentlich kritisierten?
Auf jeden Fall. Wir sind durch die Fällungen 2013 im renaturierten Bereich an der Düpenau ja einiges gewohnt, aber dass die Stadt aus diesem Vorfall nichts gelernt hat und wieder ohne irgendeine Information wahllos die Kettensäge ansetzt, ist unverständlich. Weit ab von jedem Trampelpfad wurden gesunde Bäume gefällt und bis heute fehlt uns eine befriedigende Erklärung. Klar, weil es sie nicht gibt. Da muss dann die so genannte Verkehrswegesicherungspflicht als Argument herhalten.

Ist die Verkehrswegesicherungspflicht ein Totschlagargument?
Natürlich muss ein Baum gefällt werden, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht. Kein vernünftiger Mensch wird das bezweifeln. Untersuchungen der Bäume durch Fachleute sind wichtig, denn als Laie kann man die Standsicherheit eines Baumes kaum erkennen. Aber in Schenefeld wird nach dem Motto Hopp oder Top gehandelt. Das muss sich ändern. Viele Bäume können mit relativ wenig Aufwand gerettet werden. Andere Kommunen machen es vor, zuletzt die Nachbargemeinde Halstenbek. Die zuständigen Verwaltungsmitarbeiter müssen umdenken. Weg vom „Baum weg – Risiko weg“ hin zu „Was können wir tun, um den Baum zu erhalten?“ Wir haben schon mehrfach das Angebot gemacht, auch mal Kosten zu übernehmen oder Paten dafür zu suchen. Leider scheint die Verwaltung noch nicht so weit zu sein.

Wie wichtig ist es für den Nabu, dass mit der Rückkehr der Grünen auch das Thema Umwelt- und Naturschutz stärker auf die politische Agenda kommt?
Das wurde höchste Zeit, denn in Schenefeld gab es bei den Parteien kaum ausgeprägtes Bewusstsein für Umweltthemen. Wenn sich nicht die Bürgerinitiative „Wohnqualität im Grünen“ dafür eingesetzt hätte, wäre in den letzten Jahren auf dem Gebiet totale Funkstille gewesen. Der Nabu hat in der Vergangenheit die Bedeutung der Politik unterschätzt. Wir haben erkannt, dass man sich zwar die schönsten Umweltmaßnahmen ausdenken kann, beschlossen und veranlasst werden müssen sie aber durch die Politik. Mit den Grünen haben wir einen starken Partner. Ich wünsche mir, dass uns auch die anderen Parteien einmal anhören und sich nicht sofort schmunzelnd abwenden.

Haben Sie das Gefühl, dass die Arbeit des Nabu wertgeschätzt wird?
Mit Einschränkungen: Ja. Seitdem wir Dinge anpacken, verändern, sie öffentlich machen, auch mal Kritik äußern, vor allem aber nicht locker lassen, ist unsere Gruppe auf über 30 Aktive gewachsen. Bei unserer Paradeaktion, den Bachaktionstagen, kommen immer mehr Bürger an die Düpenau, um gemeinsam mit uns an der Renaturierung zu arbeiten. Sie packen richtig mit an, schleppen Steine und freuen sich gemeinsam mit uns über kleine Erfolge. Der Nabu wird inzwischen wahrgenommen. Er hat eine wichtige Beraterfunktion.

Welche Bedeutung hat die Düpenau, für die der Nabu die Patenschaft übernommen hat, für die Stadt?
Die Düpenau ist so etwas wie die grüne Ader der Stadt. Schenefeld nennt sich auch Düpenau-Stadt, der Bach ist symbolisch im Stadtwappen abgebildet. Es ist daher ein Jammer, wie sich der bisherige Zustand darstellt. Ich habe dort schon als Kind gespielt, und daher hat mir die Bachpatenschaft sehr am Herzen gelegen. Der grüne Gürtel an der Düpenau stellt ein unbedingt erhaltenswertes Biotop in dieser mittlerweile dicht bebauten Stadt dar.

Ist Schenefeld für Sie noch eine Stadt im Grünen?
Wenn Schenefeld damit wirbt, hat man immer auch den Klövensteen im Hinterkopf. Nur: Er liegt zwar in der Nähe, gehört aber zu Hamburg. Das sind also ein wenig fremde Federn, mit denen man sich schmückt. In unserer Stadt selbst gibt es grüne Plätze, aber die hat jede Stadt. Künstliche Parkanlagen, Kunstrasenplätze, Verkehrskreisel voller Kies, eine ungeliebte Bürgerwiese mögen zwar grün sein, haben aber für die Natur nur eine sehr geringe Bedeutung. Umso wichtiger ist es, dass die noch grünen Außenbereiche für die Naherholung erhalten werden – auch für den Klimaschutz.

Wo ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz in der Stadt?
Früher hätte ich gar nicht gewusst, wo ich anfangen soll. Durch Bebauung und die katastrophale Verkehrsentwicklung fällt mir jetzt aber nichts Richtiges mehr ein. Mit Einschränkungen vielleicht noch Friedrichshulde und der Düpenauwanderweg, wobei die Betonung auf Einschränkung liegt. Ich versuche, so oft wie möglich mit meiner Familie in unserem Zweitwohnsitz auf dem Land zu sein oder im heimischen Garten Entspannung zu finden, was aber durch den Verkehrslärm leider immer schwieriger wird.

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