Schenefeld : Streit um das Energie-Gutachten

 In der Kritik: Das Gutachten zur energetischen Sanierung des Schenefelder Schulzentrums.
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In der Kritik: Das Gutachten zur energetischen Sanierung des Schenefelder Schulzentrums.

Ziehmann (Grüne) vermutet E.on-Einflussnahme. Bürgermeisterin widerspricht.

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15. Januar 2015, 16:00 Uhr

Schenefeld | Die energetische Sanierung des Schulzentrums: In diesem Jahr sollen im Rahmen des Projektes „Energieeffiziente Musterkommune“ gut eine Million Euro investiert werden. Das hatte der Rat im Dezember beschlossen. Grundlage war das Energiegutachten, das die Politik haben wollte – und bekam. Doch genau an dieser Expertise entzündet sich jetzt ein Streit. Vor allem die Grünen üben massive Kritik an dem Gutachten.

Thesen seien einfach in den Raum gestellt worden, die weder faktisch untermauert noch gutachterlich belegt seien, monierte Fraktionschef Mathias Schmitz. Sein Kollege Jochen Ziehmann, Vorsitzender des Energieausschusses, hält das Gutachten sogar in weiten Teilen für wertlos. „Zahlen sind falsch. Und entscheidende Fragen, zum Beispiel warum der Stromverbrauch am Schulzentrum so hoch ist, wurden gar nicht gestellt“, moniert der Grünen-Ratsherr.

Und Ziehmann geht sogar noch einen Schritt weiter. Er vermutet, dass der Energieriese E.on – er finanziert zum Teil das Projekt Energieeffiziente Musterkommune – Einfluss genommen hat. „E.on hat kein Interesse daran, dass die Stadt selbst Energie erzeugt“, betont Ziehmann. Hintergrund: Die Gutachter hatten von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Schulzentrums abgeraten und auch alle anderen Möglichkeiten der Wärmeversorgung des Schulzentrums (Pelletkessel, Solarthermie, Gaskessel mit Biogas) verworfen. „Dass sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach nicht rechnet, wie die Gutachter behaupten, ist falsch“, sagt Ziehmann. Die Gutachter plädieren dafür, die jetzige Versorgung durch die Wärmeversorgung Schenefeld auch in Zukunft weiterzuführen. An der Wärmeversorgung Schenefeld ist E.on beteiligt. Und auch in der Arbeitsgruppe „Musterkommune“ sitzt ein Vertreter des Energieriesen. „Energiepolitik wird von der Politik gemacht, nicht von E.on“, mahnt Ziehmann. Er hatte schon bei der Erarbeitung eines Energie-Leitbildes für Schenefeld eine Einflussnahme des Unternehmens vermutet.

E.on zahlt und bestimmt? Für Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof ein völlig haltloser Vorwurf. „Eine Einflussnahme von E.on auf Entscheidungen der Stadtverwaltung weise ich auf das Schärfste zurück.“ Das Gutachten sei im Energieausschuss vorgestellt, diskutiert und der Auftrag beschlossen worden. Laut Küchenhof standen drei Büros zur Auswahl. Das Erfahrenste in dem Bereich energetische Schulsanierung habe den Auftrag von der Stadt erhalten. „Wenn die Politik mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, dann kann sie weitere Untersuchungen beschließen.“

Zweifel am Sinn

Zufrieden? So richtig zufrieden ist auch die CDU nicht. Sie warnt davor, die Kellerdecken im Schulzentrum zu dämmen, wie es das Gutachten für dieses Jahr vorschlägt – und wie es von der Politik auch beschlossen wurde. Das allein würde 800.000 Euro kosten. Die CDU hat Zweifel am energetischen Sinn des Vorhabens.

Die Grünen wollen jetzt die Notbremse ziehen. Sie fordern, dass alle Bau-, Investitions- und Planungsaufträge für die energetische Sanierung des Schulzentrums erst nach Zustimmung durch den Bauausschuss vergeben und ausgeführt werden dürfen. Und sie verweisen wieder auf das Gutachten. Manche Aussagen des Büros hätten sich im Nachhinein als fehlerhaft, unplausibel, nicht nachvollziehbar oder unvollständig herausgestellt. „Wir wollen viel Geld ausgeben. Wir müssen hundertprozentig wissen, dass wir es für die richtigen Maßnahmen ausgeben“, sagt Ziehmann.

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