Betonriese verharrt im Tiefschlaf : Stoffzentrum in Schenefeld ist gescheitert

Im Juli 2013 präsentierte fabfab-Geschäftsführer Nils Haack die Pläne für ein Stoffzentrum. Es sollte in das ehemalige Spar-Gebäude am Osterbrooksweg ziehen.
1 von 2
Im Juli 2013 präsentierte fabfab-Geschäftsführer Nils Haack die Pläne für ein Stoffzentrum. Es sollte in das ehemalige Spar-Gebäude am Osterbrooksweg ziehen.

Unternehmen fabfab reagiert nicht auf IVG-Angebot. Spar-Verwaltungsgebäude steht weiter leer.

shz.de von
24. Januar 2015, 10:00 Uhr

Schenefeld | Bei diesen Plänen leuchteten im Sommer 2014 die Augen aller Beteiligten. Norddeutschlands größtes „Do-it-Yourself-Center“ rund um die Themen Stoffe, Stricken, Nähen, Basteln und Zubehör sollte in Schenefeld entstehen, am Osterbrooksweg, in dem Betonklotz der ehemaligen Spar-Zentrale. Im Winter 2015 ist der Traum geplatzt. „Das Projekt ist tot“, erklärte Schenefelds Stadtplaner Ulf Dahlmann am Donnerstagabend im Stadtentwicklungsausschuss, nachdem er zuvor mit einem der fabfab-Geschäftsführer telefoniert hatte. Es hätte Probleme bei der Finanzierung gegeben.

Fabfab, Europas größter Online-Stoffhändler mit Wachstumsraten von bis zu 60 Prozent, hatte die Idee für das Stoffzentrum. Seit 2012 sitzt das Unternehmen in Schenefeld. Es wollte weiter expandieren, brauchte dringend Platz. Das ehemalige Verwaltungsgebäude bietet Flächen von 10.000 Quadratmetern. „Wir fanden die Idee gut und wollten sie umsetzten. Wir haben fabfab auch ein Angebot vorgelegt“, betonte gestern Jürgen Herres, Pressesprecher der IVG Immobilien, der die Gebäude am Osterbrooksweg gehören. Doch zu konkreten Verhandlungen über die Mietkonditionen, über die Investitionen in das Gebäude, ist es gar nicht gekommen. Herres: „Der Kontakt wurde von fabfab vorher beendet.“ Fabfab-Geschäftsführer Nils Haack war gestern ebenso wie seine beiden Brüder für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aber auch Herres bestätigt, dass das Stoffzentrum nicht in dem IVG-Gebäude realisiert wird.

Fabfabs Rückzug ist ein herber Rückschlag für den Eigentümer. Die Immobilie steht seit Jahren leer. „Es gibt zurzeit auch kein Alternativkonzept“, räumt Herres ein. Auch die Stadt Schenefeld hatte auf das Vorhaben gesetzt. Der Stoffriese sollte den Betonriesen wachküssen. 100 neue Arbeitsplätze sollten in Schenefeld entstehen. Bis zu 300 Kunden sollte das „Do-it-Yourself-Center“ täglich anlocken. Fabfab wollte zum ersten Mal einen eigenen Store eröffnen. Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof hatte das Vorhaben unterstützt.

Und nun: Fabfab hat bereits am Osterbrooksweg 1000 Quadratmeter Büro- und 5400 Quadratmeter Lagerfläche gemietet. Mehr als 100 Mitarbeiter sind für den Stoffgiganten tätig. Das Geschäft mit mehr als 700.000 Kunden boomt. Will das Unternehmen lieber in den Ausbau des operativen Geschäfts investieren, als in ein Kreativ-Zentrum?

Das Scheitern des fabfab-Deals macht nun aber endgültig den Weg frei für die Stadt, wenn es um den Ankauf des alten Sparparkplatzes geht. Schenefeld möchte die 30.000 Quadratmeter große Fläche von der IVG erwerben und dort langfristig Gewerbe ansiedeln. Die Verhandlungen stocken, weil Parkplätze für das Stoffzentrum benötigt wurden. Jetzt kann die Stadt zuschlagen.

Das Unternehmen fabfab wurde 2003 als Online-Kaufhaus von drei Pinneberger Brüdern gegründet. Heute ist laut eigener Aussage Europas führendes E-Commerce-Unternehmen für textile Meterware und Zubehör. Mit Online-Präsenzen ist es unter anderem in Großbritannien, Schweden, Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark, Portugal, Polen, Tschechien, Finnland und den Niederlanden vertreten. 2012 wurde der Firmensitz von Halstenbek nach Schenefeld an den Osterbrooksweg verlegt.
zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen