Gesundheit : Springbrunnen für die Schenefelder Problem-Kita

Die Kita Biene Sonnenstrahl ist nach modernsten Vorgaben errichtet worden, was die Energieeffizienz angeht.
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Die Kita Biene Sonnenstrahl ist nach modernsten Vorgaben errichtet worden, was die Energieeffizienz angeht.

Energie-Experte Willy Kanow vermutet Problem mit der Luftfeuchtigkeit und schlägt Lösung gegen trockene Luft vor.

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08. März 2017, 00:00 Uhr

Seit Monaten leiden viele Kinder und Erzieher der Kita Biene Sonnenstrahl in Schenefeld unter gesundheitlichen Problemen wie trockener Haut, tränenden Augen, Bindehautentzündung, Kopfschmerzen und Husten (wir berichteten). Bisher hat die Stadt Schenefeld keine Ursache ausfindig machen können. Im Verdacht stand von Beginn an die Lüftungsanlage. Energie-Experte Willy Kanow hat sich nun des Themas angenommen – und möglicherweise eine Lösung gefunden. Aus seiner Sicht sei die Lüftungsanlage nicht die Ursache für eine zu niedrige Raumluftfeuchtigkeit. Ohne zusätzliche Raumluftbefeuchtung sei das gewünschte Raumklima über den Jahresverlauf nicht zu erreichen.

Der Schenefelder engagiert sich seit Jahren für die Energiewende, bietet dazu auch Workshops im Rathaus an. Der Diplom-Ingenieur hat sich in der Vergangenheit auch intensiv mit Energiesparhäusern auseinandergesetzt. Probleme mit dem Raumklima seien in der Branche bekannt. Die Kita Biene Sonnenstrahl ist nach modernsten Vorgaben errichtet worden, was die Energieeffizienz angeht. Gemeinsam mit seinem Pfiffikus-Team hat Kanow nun nach einer Lösung für das Problem in der Kita gesucht.

Außentemperatur ist das Problem

Kanow hat Messungen vor Ort durchgeführt und dann Berechnungen angestellt. Sein Ergebnis: Sobald die Außentemperatur unter sieben Grad sinkt, könne die Lüftungsanlage die Luftfeuchtigkeit nur bis zu höchstens 30 Prozent steigern. Ideal wären 40 Prozent. „Das ist physikalisch gegeben.“ Ohne eine zusätzliche Befeuchtung käme die Kita nicht aus. „Die Berechnungen belegen das“, so Kanow. Seine Lösung: Zimmerspringbrunnen zur Raumluftfeuchteerhöhung. Diese gebe es auch mit Wandbefestigungen, um die Spielfläche nicht zu verkleinern. Kanow hat die Stadt über seine Lösung bereits in Kenntnis gesetzt.

Bauamtsleiter Andreas Bothing sagte gestern zu dem neuen Vorstoß: „Mit der Lösung beschäftige ich mich nicht. Mir geht es nicht darum, eine bestimmte Luftfeuchtigkeit zu haben, sondern herauszufinden, ob es eine Ursache für das Unwohlsein der Kinder gibt.“ Es gehe darum, andere Einflussfaktoren zu untersuchen. Kanow liefere „keine neuen Erkenntnisse“. Das Problem in der Kita sei „weitaus komplexer“ als Kanows „Erklärungsversuch“.

Stadt hat Gutachter beauftragt

Die Stadt hat selbst vor drei Wochen einen Gutachter in die Kita geschickt, um die Ursache für die gesundheitlichen Probleme zu finden. Zu den ersten Ergebnissen will sich Bothing zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.

Der erste Prüfungsbericht hat laut Informationen unserer Zeitung bisher keine Ursache für die Beschwerden geliefert. Gemessen wurden flüchtige, organische Verbindungen in der Luft, beispielsweise verursacht durch Ausdünstungen von Gegenständen. Laut Bericht gehen von den gemessenen Konzentrationen aber keine Gesundheitsbeträchtigungen aus.

Einen Haken hat Kanows Lösung mit den Brunnen allerdings: Laut Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung, bleibt wie auch bei Luftbefeuchtern das Problem, dass das Wasser längere Zeit steht. Deshalb sei die Installation aus Sicht des Gesundheitsamtes aus „hygienischen Gründen fragwürdig“. Kanow glaubt, dass der Durchsatz hoch genug ist, um das Wasser frisch zu halten.

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