Blau-Weiß 96 Schenefeld : „Sport ist ein wichtiger Standortfaktor“

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Im Interview spricht Blau-Weiß-96-Geschäftsführer Frank Böhrens von den Herausforderungen in den kommenden Jahren, insbesondere eine gute Infrastruktur für Sportvereine.

shz.de von
22. März 2017, 10:00 Uhr

Schenefeld | Frank Böhrens ist Geschäftsführer von Blau-Weiß 96 Schenefeld. Im Gespräch mit shz.de erklärt Böhrens unter anderem, warum es für die Vereine so wichtig ist, dass die Infrastruktur stimmt, und weshalb es nicht nur Blau-Weiß nutzt, wenn der Verein den Zuschlag für die Räume im Untergeschoss des Schul- und Sportzentrums Achter de Weiden erhält.

Wie sieht Ihre Arbeit als Geschäftsführer aus?
Frank Böhrens: Kontakte zu Institutionen wie der Stadt und den Verbänden pflegen, Netzwerke knüpfen, Strukturen aufbauen, Entscheidungsgrundlagen für den ehrenamtlichen Vorstand vorbereiten, die Ehrenamtler unterstützen, Perspektiven aufzeigen, auf die Bedürfnisse der Mitglieder eingehen – ich decke ein sehr umfangreiches Spektrum ab.
 

Was für Bedürfnisse haben die Sportler?
Die Ansprüche sind sehr hoch. Die meisten wollen mehrmals in der Woche Sport treiben und erwarten, dass die Voraussetzungen dafür da sind. Früher gab es viele passive Mitglieder, die aus Verbundenheit zum Verein Beiträge entrichteten. Heute zahlen fast nur noch die, die selbst aktiv sind. Die Verbundenheit ist nicht mehr so groß. Der Verein wird eher als Dienstleister angesehen, den man bezahlt und von dem man eine Leistung erwartet.


Vor welchen Herausforderungen steht Blau-Weiß in den kommenden Jahren?

In zehn bis 15 Jahren wird uns eine ganze Generation von Ehrenamtlichen wegbrechen, die das Vereinsleben seit Jahrzehnten prägen. Es wird schwer, Ersatz zu finden. Die Jüngeren haben mit dem Ehrenamt häufig nur wenig am Hut, weil sie das freiwillige Engagement nicht mehr von ihren Eltern vorgelebt bekommen. Diesem Problem müssen wir uns stellen, schließlich will Blau-Weiß auch in Zukunft ein verlässliches und bezahlbares Sportangebot vorhalten. Wenn wir überhaupt jemanden dazu bringen wollen, sich zu engagieren, müssen die Voraussetzungen stimmen. Jeder bringt sich am liebsten dort ein, wo er sich wohl fühlt und wo man ihn wertschätzt. Deshalb haben wir zum Beispiel eine Willkommenskultur für unsere Trainer eingeführt und bieten unter anderem Sonderschulungen wie Erste-Hilfe-Kurse an. Die Trainer sollen spüren, dass sie uns wichtig sind.

Welche Voraussetzungen müssen noch erfüllt sein?
Die Infrastruktur ist entscheidend. In Schenefeld gibt es mit Blau-Weiß nur einen größeren Verein. Deshalb ist klar, dass wir auch ein umfangreiches Angebot vorhalten müssen und unsere Bedürfnisse regelmäßig an die Politik herantragen. Da geht es nicht unbedingt nur um Geld, sondern auch um Flächen. Manchmal verlaufen die Diskussionen leider sehr zäh und man hat das Gefühl, nur ein Bittsteller zu sein. Dabei sollte sich jeder bewusst sein, dass Sport für die Kommunen ein immer wichtigerer Standortfaktor wird. Die Menschen gehen vor allem dort hin, wo die Bedingungen stimmen. So ist beispielsweise ein Fußballverein mit Kunstrasen beliebter als einer mit Grandplatz. Damit wir über konkurrenzfähige Rahmenbedingungen verfügen, sind wir auf das Wohlwollen der Politik angewiesen. Die kann nicht nur dem Verein helfen, sondern auch das Ehrenamt stützen. Das gelingt aber nur durch Taten.
 

Der Verein will das Untergeschoss im Schul- und Sportzentrum Achter de Weiden übernehmen. Wie weit sind die Planungen?
Die Räume gehörten früher schon einmal dem Verein, konnten aber nicht mehr gehalten werden. Unser Ziel ist, sie wieder für den Sport nutzbar zu machen und einen Festsaal sowie ein Bistro vorzuhalten. Ansonsten sind vor allem Bewegungsräume geplant. Wir wollen einen siebenstelligen Betrag in die Hand nehmen und damit auch in das Schul- und Sportzentrum investieren, um das Vorhaben umzusetzen. Es ist allerdings einiges zu tun. Die Räume wurden schließlich seit den 1970-ern nicht mehr angefasst und der Sanierungsbedarf ist groß. Von dem Projekt könnten die Stadt, Blau-Weiß sowie andere Vereine und Organisationen in Schenefeld profitieren.

Noch fehlt die Zustimmung der Politik. Glauben Sie, dass diese kommen wird?
Ich bin grundsätzlich immer optimistisch. Es wäre schön, wenn schnell eine Entscheidung fällt. Die Flächen sind aufgrund eines Wasserschadens nun seit fast einem Jahr nicht mehr nutzbar. Deswegen trainieren zum Beispiel unsere Tänzer in Waldenau. Ich gehe aber davon aus, dass bald Klarheit herrscht.

Bis wann könnte alles fertig sein?
Meine Hoffnung ist, dass nach der Zustimmung der Politik die Delegierten des Vereins noch vor den Sommerferien den Weg für das Projekt freigeben. Dann könnten im Herbst die Bauarbeiten beginnen und spätestens im Sommer 2018 alles fertig sein.

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