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Frank Böhrens im Interview : Sport in Schenefeld: „Die Erwartungshaltung steigt“

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Blau-Weiß-Geschäftsführer Frank Böhrens spricht über fehlende Sportstätten und ein Sportentwicklungskonzept für die Stadt.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Schenefeld | Er managt seit fast zehn Jahren den größten Sportverein Schenefelds und einen der größten im Kreis Pinneberg. Frank Böhrens hat als Geschäftsführer der Spielvereinigung Blau-Weiß 96 die Zukunft des Vereins im Blick.

Herr Böhrens, die Stadt Schenefeld wird den Flächennutzungsplan nicht ändern, somit auch keine neuen Sportflächen ausweisen. Was bedeutet das für Blau-Weiß 96?
Es wurde von allen Fraktionen bestätigt, dass ein Sportstättenbedarf vorhanden ist. Die Frage war immer, wo die neue Fläche entstehen soll. Genau das sollte durch den neuen F-Plan beantwortet werden.

Welche Sportstätte schwebt Ihnen denn vor?
Die Fläche sollte multifunktional einsetzbar sein, damit man auf Veränderungen, auf Wünsche und den Bedarf schnell reagieren kann. Es geht nicht nur um einen Fußballplatz.

Sie brauchen eine Fläche. Es gibt keine Fläche. Das ist doch frustrierend, oder?
Das ist keine befriedigende Situation. Aber wir müssen auch anerkennen, dass es aktuell keine Flächen gibt. Die Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht. Es gab freie Flächen direkt angrenzend ans Sport- und Schulzentrum. Die wurden für Wohnbebauung genutzt. Aber vielleicht muss auch keine neue Fläche generiert werden. Wir können eine bestehende Fläche qualitativ verbessern, um sie anders nutzen zu können. Ein leuchtendes Beispiel ist der neue Kunstrasenplatz.

Werfen Sie einen Blick auf die Bürgerwiese, die von den Bürgern bisher nicht angenommen wird?
Das war in der Tat die letzte ausgewiesene Sportflächestätte. Wir sind froh über jede Fläche, die wir zur Verfügung gestellt bekommen.

Beim Sportforum im „Stadtzentrum“ saßen Politik und Vereinsvertreter an einem Tisch. Was haben Sie aus der Diskussion mitgenommen?
Schenefeld braucht ein Sportentwicklungskonzept. Einen Leitfaden, der auch für die Politik die Entscheidungen leichter macht.

Wie könnte Blau-Weiß 96 denn von so einem Sportentwicklungsplan profitieren?
Es geht nicht nur um Blau-Weiß. Eine solche Expertise wird von neutralen Experten erstellt. Alle Angebote – von den Schulen, den Vereinen, aber auch gewerbliche – kommen auf den Prüfstand. Auch das öffentliche „Sportnetz“ wie Wander-, Reit- und Radwege wird betrachtet. Die Bürger werden gefragt, ob sie sich in den bestehenden Angeboten wiederfinden. Auch der nicht-organisierte Sport wird betrachtet. So können ganz neue Ideen und Anregungen entstehen. Wir könnten an neuen Konzepten arbeiten.

Das Entwicklungskonzept weist Ihnen den Weg in die Zukunft?
Genau. Es geht um neue Trends, um eine alternde Gesellschaft, um eine sich verändernde Schullandschaft. Darauf müssen Sportvereine reagieren, Antworten finden, um die Zukunft zu gestalten.

Vor welchen Herausforderungen steht denn die Spielvereinigung Blau-Weiß?
Menschen zu gewinnen, die sich ehrenamtlich engagieren, die Spaß dran haben, für andere da zu sein. Das ist aus meiner Sicht – wie für viele andere Vereine und Institutionen – die größte Herausforderung – und ein gesellschaftliches Thema. Viele Jugendliche erleben eben keine Eltern mehr, die sich ehrenamtlich engagieren.

Ich zahle meinen Beitrag und will „bespaßt“ werden. Setzt sich diese Mentalität im Sportverein mehr und mehr durch?
Die Erwartungshaltung ist viel höher – auch an die Sportstätten. Der Verein wird oft als reiner Dienstleister gesehen – vor allem von der jüngeren Generation. Das Anspruchsdenken ist ein anderes – das stimmt.

Die Menschen werden immer älter – und wollen fit bleiben. Wir tragen Sie dem Rechnung?
Wir haben zahlreiche Angebote im Bereich Gesundheits- und Seniorensport, die sehr gut angenommen werden.

Werden die traditionellen Sportarten weiter gut nachgefragt?
Ja. Aber in den Mannschaftssportarten wird es zunehmend schwieriger, ausreichend Spieler zu finden.

Liegt das an der fortschreitenden Individualisierung im Sport?
Das ist ein Grund. Die Anforderungen an die Kinder und Jugendlichen werden – auch in der Schule – immer größer, der Anteil der persönlichen Freizeit immer geringer. Das ist ein weiterer Grund.

Welchen Anspruch hat Blau-Weiß?
Als größter Sportverein in der Stadt wollen wir für die Schenefelder Bevölkerung ein attraktives Sport- und Bewegungsangebot vorhalten. Das ist auch eine gewisse soziale Verpflichtung.

Welche Funktion hat ein Sportverein wie Blau-Weiß in einer Kleinstadt mit 18.800 Einwohnern?
Wir leben Integration. Uns interessiert nicht, woher jemand kommt, an was er glaubt. Unsere gemeinsame Basis ist der Sport. Bei uns lernen sich die Menschen positiv kennen. Sie haben gemeinsame Ziele. Das hilft dabei, Verständnis für den anderen zu entwickeln. Uns ist es auch wichtig, Menschen, die sich den Sportverein nicht leisten können, Sport zu ermöglichen. Das ist unsere soziale Aufgabe, die wir gern erfüllen.

Blau-Weiß engagiert sich stark in der Städtepartnerschaft mit Luninez. Oft bleiben Sie auf einem Teil Kosten sitzen. Wünschten Sie sich mehr Unterstützung von Seite der Politik und der Stadt?
Mehr Unterstützung würde dem ehrenamtlichen Engagement unserer Mitglieder Rechnung tragen. Es wäre ein Stück Anerkennung ihrer Arbeit. Eine finanzielle Absicherung unserer Aktivitäten wäre in der Tat wünschenswert.

Was wünschen Sie sich für Blau-Weiß?
Vieles wird heutzutage für selbstverständlich genommen. Oft wird vergessen, dass unsere Abteilungsleitungen, unsere Trainer und Betreuer ehrenamtlich arbeiten, ihre Freizeit investieren. Ich wünsche mir, dass wir diese Struktur der ehrenamtlich Tätigen auch in Zukunft aufrecht erhalten können.

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