Integration : Spielend Deutsch lernen in Schenefeld

Bettina Zimmerer (Tisch Mitte) und Pepita Bodino (am Tisch rechts) freuen sich über die Zusammenkunft von Geflüchteten und Ehrenamtlichen bei den Spieleabenden im Haus am Turm.
Bettina Zimmerer (Tisch Mitte) und Pepita Bodino (am Tisch rechts) freuen sich über die Zusammenkunft von Geflüchteten und Ehrenamtlichen bei den Spieleabenden im Haus am Turm.

40 Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Generationen treffen sich einmal im Monat zum geselligen Abend.

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16. Mai 2018, 14:10 Uhr

Schenefeld | Das Geschicklichkeitsspiel Jenga-Turm, aber auch klassische Spiele wie Schach und „Mensch ärgere Dich nicht“ sind bei den Spieleabenden in der Schenefelder Paulskirchengemeinde beliebt. Geflüchtete Menschen und ehrenamtliche Helfer finden sich jeden ersten Freitag im Monat von 19 bis 22 Uhr in der Bauernstube in der Kirchenstraße 2 (Haus am Turm) ein. Ziel ist es, sich gesellig bei den Spieleabenden zu vergnügen und gleichzeitig die Sprachkenntnisse aufzubessern. „Wir alle sind berufstätig und froh, dieses Angebot in unserer Gemeinde veranstalten zu können“, sagt die ehrenamtliche Helferin Bettina Zimmerer. Mit Pepita Bodino initiiert sie die Veranstaltung in der Gemeinde.

Vikar Christian Ehrens hatte die Veranstaltung ursprünglich im Februar 2016 ins Leben gerufen. Als Ehrens sein Vikariat beendete, bildete sich ein Team heraus, welches zu den sehr gut angenommenen Spieleabenden weiterhin einlud. Den Schenefelder Geflüchteten bieten die geselligen Treffen die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen und die jeweiligen Kenntnisse in der deutschen Sprache zu intensivieren. „Die Abende sind eine Chance, ungezwungen in Kontakt zu kommen“, erläutert Zimmerer.

Zwischen zehn und 40 Mitspieler

Zehn ehrenamtliche Helfer gehören zum festen Organisationsteam. „Wir veranstalten das Gesellschaftsspiel-Angebot mit Büfett, weil wir Mitglieder dieser Gemeinde sind und weil uns etwas daran liegt, das Angebot von Herrn Ehrens zu erhalten“, erläutert Bodino. Die Anzahl der Mitwirkenden variiert stark. Es sind in der Regel zwischen zehn und 40 Personen. Weniger Menschen kommen beispielsweise während der Ramadan-Zeit vorbei.

Die Teilnahme ist spontan und nicht mit einer Anmeldung verbunden. „Jeder ist eingeladen, dabei zu sein“, erläutert Bodino. „Der Austausch zwischen den Kulturen und den Generationen macht den Charme des Spieleabends aus“, sagt Bodino. Die Teilnehmer tauschen sich aus, wie Feste gefeiert werden, aber auch wie unterschiedliche Speisen landestypisch zubereitet werden.

Die Teilnahme ist kostenlos – so wird niemand ausgeschlossen

Die Neuankömmlinge schauten mit unterschiedlicher Motivation vorbei. Einige verfolgten das Ziel, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und anzuwenden, sagt Zimmer. Anderen wiederum ginge es schlichtweg darum, unter Menschen zu kommen und ihre Unterkunft zu verlassen. Der Vorteil der Veranstaltung in Schenefeld liegt auch darin, dass es sich um einen kostenfreien Spieleabend handelt. „Niemand muss überlegen, ob er sich das Angebot leisten kann“, erläutert Zimmerer.

Die Ehrenamtler bezeichnen den geselligen Abend als „einen Baustein von vielen“ im Zuge der Integration. Die Teilnehmer haben während des Treffens häufig das Bedürfnis, „einfach mal Spaß zu haben“. Doch es werden mitunter auch Alltagsprobleme thematisiert. „Die Frage nach einer Wohnung und Arbeitsanstellungen bewegt die Menschen“, sagt Bodino.

Die Geflüchteten hätten den Wunsch, selbstständiger zu werden. Die Spielabend-Teilnehmer sind nach der Erfahrung der Ehrenamtlichen daran interessiert, sich zu integrieren. „Die Menschen sind offen, möchten sich einbringen und ein Teil dieser Gesellschaft sein“, bilanziert Zimmerer. Wie ihr Orga-Team hat sie die Neuankömmlinge als engagiert erlebt, beispielsweise bei Aktionen wie „Schenefeld räumt auf“.

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