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Schenefelder Tageblatt

23. Oktober 2017 | 14:33 Uhr

MenschMobil : So geht Inklusion im Reisebus

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Die Stiftung MenschMobil bietet auch für behinderte Menschen Ausflugsfahrten an. Der Schenefelder Seniorenbeirat organisiert eine Tagestour.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Schenefeld | Dienstagmorgen, 10.34 Uhr vor dem Schenefelder Rathaus: Friederike Pavenstedt fährt mit ihrem E-Rolli auf die Rampe. Bodo Offenborn drückt auf den Knopf und schon schwebt Pavenstedt mit ihrem Rollstuhl nach oben. Rein in den Bus, der nur wenig später in Richtung Nordseeküste aufbricht. „Ohne dieses Angebot hätte ich keine Chance, an einem Ausflug teilzunehmen“, sagt die Rollstuhlfahrerin, die sich in Schenefeld als Vorsitzende der AG Barrierefreiheit um die Belange von behinderten Menschen kümmert.

Inklusion im Reisebus: Das geht. Wie, das zeigt die gemeinnützige Stiftung MenschMobil seit fast vier Jahren. Busfahren, für Bodo Offenborn ein Teil seines Lebens. 42 Jahre hat er bei der VHH gearbeitet, war unter anderem Betriebsleiter in Quickborn. Dass es in Reisebussen keine Plätze für Rollstuhlfahrer gibt, wurde ihm drastisch vor Augen geführt. „Da fuhr der Linienbus hinter dem Reisebus her, um zwei Rollstuhlfahrer zu transportieren“, erinnert er sich.

Offenborn wollte an diesen Zuständen etwas ändern. Doch seine Idee, Reisebusse so umzubauen und auszustatten, dass behinderte und nicht behinderte Menschen gemeinsam auf Reisen gehen können, stieß bei Busunternehmen auf taube Ohren. „Die sprachen sogar ganz offen davon, dass das nicht ihre Klientel sei“, sagt Offenborn.

Der heute 67-Jährige machte behinderte Menschen zu seiner Kientel und gründete gemeinsam mit Giesela Iffland die gemeinnützige Stiftung MenschMobil mit Sitz in Norderstedt. Sie schafften einen gebrauchten Reisebus an und bauten ihn für 80 000 Euro um. „Wir haben eine behindertengerechte Toilette“, sagt Offenborn und führt gleich anschließend den Clou der Ausstattung vor: einen Fahrgastlift, der durch den ganzen Bus führt. Die Reisenden können so problemlos die Toilette erreichen und umgesetzt werden. Das WC ist so groß, dass eine Begleitperson unterstützend helfen kann. „Wenn wir die Sitze ausbauen, können wir bis zu elf E-Rollis transportieren“, sagt Offenborn, der offiziell seit zwei Jahren Rentner ist.

Auf dem Markt gibt es nur wenige Anbieter – aber die Nachfrage steigt. Das bekommt die Stiftung zu spüren. 2010 war der Reisebus an 76 Tagen im Einsatz. 2013 schon an 145 Tagen. Auch die Buchungslage für dieses Jahr ist gut. „Wir bieten auch mehrtägige Fahrten an“, sagt der Stiftungsgründer.

Dass Menschen mit Handicap aufgrund ihrer Behinderung auf etwas verzichten müssen, mag Offenborn nicht akzeptieren. 2010 transportiere er 160 Rollstuhlfahrer. 2013 waren es schon 502. Für die Stiftung arbeiten drei Mitarbeiter. „Alle ehrenamtlich. Wir können noch viel Unterstützung und Spenden gebrauchen.“

In Schenefeld starteten gestern Morgen behinderte und nicht behinderte Menschen gemeinsam ihren Ausflug. Der Schenefelder Seniorenbeirat hat die Tour organisiert, MenschMobil gebucht – bereits zum zweiten Mal. Alle Plätze sind besetzt. Eckhard Vogelgesang, Vorsitzender des Gremiums in Schenefeld, war von dem Angebot begeistert. „Wir kümmern uns auch um behinderte Menschen.“ Unterstützung gibt es von der Stadt, von der AG Barrierefreiheit und diesmal auch von der Politik. Die BfB spendete 200 Euro für diese Tagestour.

Vogelgesang geht es auch darum, MenschMobil noch bekannter zu machen – damit mehr Menschen mit Behinderung auf Reisen gehen können – so wie die Schenefelder.

Die gemeinnützige Stiftung MenschMobil wurde 2008 gegründet. Ihren Sitz hat sie in Norderstedt. Sie wird von einer Treuhand verwaltet. Ziel der Stiftung ist es, humanitäre Aufgaben zu unterstützen und soziales Engagement mit Tier- und Umweltschutz verbinden. Kontakt: www.menschmobilstiftung.eu, Telefefon: 040-32595966.
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