Fachtag im Kreis Pinneberg : „Sie zerstört häufig Existenzen”: Awo-Suchtberater klären über Glücksspielsucht auf

Glücksspielsucht komme in allen gesellschaftlichen Schichten vor, sagen die Suchtexperten der Awo. Allerdings sind 80 Prozent der Betroffenenen Männer.
Glücksspielsucht komme in allen gesellschaftlichen Schichten vor, sagen die Suchtexperten der Awo. Allerdings sind 80 Prozent der Betroffenenen Männer.

Die meisten Glücksspielsüchtigen sind männlich. Torben Richter von der Schenefelder Awo kennt zahlreiche Schicksale.

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11. Februar 2020, 14:00 Uhr

Schenefeld | Familienvater Ingo M. aus Schenefeld (Name von der Redaktion geändert) wollte nicht mehr leben. Er war glücksspielsüchtig und verlor seinen Beamtenstatus und sehr viel Geld. „Fälle wie die von Ingo M. gibt es viele“, berichtet Martin Witte von der Fachstelle Glücksspielsucht der Awo.

Die Psycho Sozialdienste der Awo, der Therapiehilfe Verbund und der Kreis Pinneberg veranstalten am Donnerstag, 20. Februar, von 10.30 bis 15.30 Uhr einen Fachtag zur Glücksspielsucht. Veranstaltungsort ist die Kreisverwaltung Pinneberg, Kurt-Wagner-Straße 11 in Elmshorn. Das Motto der Veranstaltung lautet „Verzockt in Schleswig-Holstein?“

Existenzgefährdend

Witte und Torben Richter, Sprecher des AWO-Fachbeirats Sucht, wissen um die Gefahren der Glücksspielsucht. Beide Experten kennen zahlreiche Schicksale wie das von dem Familienvater M. Deshalb seien Veranstaltungen wie der Fachtag Glücksspielsucht notwendig. „Die Glücksspielsucht zerstört häufig Existenzen“, weiß Richter.

Torben Richter  (links) und Martin Witte von der Awo sind als Experten beim Fachtag Glücksspielsucht präsent.
Frauke Heiderhoff
Torben Richter (links) und Martin Witte von der Awo sind als Experten beim Fachtag Glücksspielsucht präsent.
 

Sie hätten deshalb den suizidal gefährdeten M. an das Personal der Fachklinik Nord vermittelt. „Er hat sehr von der vier Monate währenden Therapie profitiert und er hat realisiert, wie wichtig eine Selbsthilfegruppe für ihn ist“, erläutert Witte. M. habe es geschafft, seine Sucht zu bekämpfen und spielfrei zu sein. Mit seiner Gruppe treffe er sich noch heute.

Fachtag Glücksspielsucht: Tagesordnung

10.30 Uhr Eintreffen
10.45 Uhr Einführung Torben Richter, Sprecher Fachbeirat Sucht 11Uhr Prävalenz und Politik Vortrag von Patrick Sperber, Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein
12.15 Uhr Psychodynamik der Glücksspielsucht und Behandlungsmethoden, Vortrag von Michael Immelmann Diako Klinik Nordfriesland
14 Uhr Parallele Workshops
15 Uhr Ergebnispräsentation
15.30 Uhr Ende der Veranstaltung


Die Glücksspielsucht trete in allen Gesellschaftsschichten auf, sagen die Experten. 80 Prozent ihrer Klienten verspielten ihr Geld in Spielhallen. Die ermittelten Umsätze auf dem Glücksspielmarkt betrugen 2017 bei den Spielbanken, 6,7 Milliarden Euro, beim Lotto/Toto 7 Milliarden Euro und an den Geldspielautomaten 31 Milliarden Euro.

Wie gerät man überhaupt in eine Glücksspielsucht?

„Wer in die Spielhalle geht, erfährt zeitnah die Ergebnisse seines Spiels“, sagt Witte. Dahinter stecke ein ausgetüfteltes System mit Mitarbeitern wie Werbepsychologen und Grafikdesignern.

Glücksspieler sind meist männlich – zumindest in 70 bis 80 Prozent der Fälle. „Geld spielt bei der Glücksspielsucht eine zentrale Rolle“, erläutert Witte. Deshalb hätten Glücksspieler die höchsten Schulden von allen Süchtigen. Das Gefühl für den Wert des Geldes gehe bei den Betroffenen verloren.

Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige im Kreis sind die Fachstelle Glücksspielsucht der Awo, Martin Witte, Gustavstraße 6a in Halstenbek, Telefon (0 41 01) 60 65 80 und die Fachstelle der Glücksspielsucht der Therapiehilfe, Maria Hoeffgen, Gärtnerstraße 4, Wedel, Telefon (0 41 03) 8 30 75.

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