XFEL Schenefeld : Science Center kostet 14 Millionen

Rechts vom Hauptgebäude soll das neue Besucherzentrum entstehen.
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Rechts vom Hauptgebäude soll das neue Besucherzentrum entstehen.

Gutachten vorgestellt: Besucherzentrum auf XFEL-Gelände in Schenefeld könnte pro Jahr 150.000 Gäste anlocken.

shz.de von
07. Mai 2015, 10:00 Uhr

Schenefeld | Spitzenforschung zum Anfassen: Bis zu 150.000 Besucher könnte ein Science Center auf dem XFEL-Forschungscampus pro Jahr nach  Schenefeld locken. Das ist das Ergebnis der Machbarkeitsstudie, die am Dienstagabend vorgestellt wurde. Doch die Kosten sind enorm. 14Millionen Euro müssten investiert werden, um die Anlage mit Freizeit- und Eventcharakter zu realisieren.  

Die Gutachter haben aber auch eine abgespeckte Variante – ein reines Besucherzentrum – untersucht. 60.000 Gäste pro Jahr werden bei dieser Lösung erwartet. Die Kosten würden bei zirka sechs Millionen Euro liegen. Weder das größere Science Center noch das Besucherzentrum könnten wirtschaftlich betrieben werden. Das jährliche Defizit läge bei bis zu 45.0000 Euro.

Trotzdem: Gutachter Andreas Konrath spricht von einer einmaligen Chance, da es in der Metropolregion Hamburg bisher kein vergleichbares Science Center oder Besucherzentrum gebe. Es sei eine „lohnende Investition, da erhebliche positive Effekte für die Region erwartet werden können“, betont Konrath. Die Finanzierung ist bisher unklar.  „Wir müssen Partner finden“, sagt XFEL-Geschäftsführerin Claudia Burger. Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof spricht von einem Zentrum mit überregionaler Strahlkraft, einem Besuchermagneten für die ganze Region. Die Großforschungsanlage XFEL – der Superlaser kann 27.000 Röntgenblitze pro Sekunde erzeugen – wird zurzeit gebaut. Kosten: 1,1 Milliarden Euro. Ab 2017 werden in Schenefeld Wissenschaftler aus der ganzen Welt arbeiten.  

Fazit: Die Chancen stehen gut

Sechs Millionen Euro für ein Besucherzentrum. Gar 14 Millionen Euro für ein großes Science Center. Die Zahlen schrecken weder XFEL-Geschäftsführerin Claudia Burger noch Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. „Wir stehen noch ganz am Anfang des Projekts. Wir haben viele Möglichkeiten und ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen können“, sagt Burger. Küchenhof spricht von einem „Besuchermagneten für die ganze Region“. Das neue Zentrum biete „eine herausragende Gelegenheit zum Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit“. Die jetzt vorgestellte Machbarkeitsstudie hat die beiden Frauen bestärkt. Fazit: Die Chancen stehen gut. 

Es ist der zweite Versuch, auf dem XFEL-Forschungsgelände an der Holzkoppel ein Besucherzentrum zu realisieren. 2011 war es aus Kostengründen gestrichen worden. Das Geld wird auch diesmal eine entscheidende Rolle spielen. Die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg, Institute und die Wirtschaft sollen mit ins Finanzierungsboot geholt werden. Zumal auch der laufende Betrieb des Zentrums ein Defizit von bis zu 450.000 Euro im Jahr verursacht. Laut Gutachter Andreas Konrath kein überraschendes Ergebnis: „Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ergibt ein typisches Bild, da solche Zentren in der Regel nicht kostendeckend betrieben werden können.“

Den Standort Schenefeld bezeichnet er als gut. Die Metropolregion zeichne eine hohe Kaufkraft aus. Im Einzugsgebiet – bis zu 120 Minuten Anfahrtszeit – leben 6,5Millionen Einwohner, machen 7,8 Millionen Menschen Urlaub, gehen 690.000 Jungen und Mädchen zur Schule. Ein Science Center oder Besucherzentrum im Herzen einer weltweit einmaligen Forschungsanlage: Für Konrath eine Trumpfkarte, die stechen kann. Er spricht von einer „einmaligen Chance, ein Science Center in  Schenefeld zurealisieren“. 

Die Kleinstadt wird profitieren, davon ist  Küchenhof überzeugt. „Durch das Zentrum kann XFEL in Schenefeld integriert werden. Das wird sich positiv auf die Stadt auswirken.“ Für Schenefelds Schulen sei dies eine große Chance. Im Blick hat sie auch die 60.000 bis 150.000 Besucher im Jahr, die ein solches Zentrum laut Gutachten anlocken wird. Die werden ihr Geld auch in Schenefeld lassen, im „Stadtzentrum“, in den Restaurants, im Hotel oder der Pension.

Die Schwächen des Standorts benennt die Expertise aber auch. Die Anbindung an das XFEL-Gelände ist vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht. Zudem fehlten Komplementärangebote. „Das kann noch verbessert werden“, sagt Konrath. Besucherzentrum oder Science Center? Auch eine Zwischenlösung sei möglich, betont Küchenhof. 

Einen Zeitplan gibt es noch nicht. Alles hängt an der Finanzierung. „Wir  hoffen, dass die Konzepte auf fruchtbaren Boden fallen und wir die notwendige Unterstützung finden“, sagt Burger. Sie verfolgt das Ziel, das Zentrum innerhalb von fünf Jahren zu bauen. „XFEL ist eine Forschungsanlage für die Region. Mit dem Zentrum geben wir auch etwas zurück“, sagt die XFEL-Geschäftsführerin. Es sollen vor allem junge Menschen für die Wissenschaft begeistert werden. Seit 2013 träumt Schenefeld von einem Science Center - jetzt wird endlich an der Realisierung gearbeitet.

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