Nach 38 Jahren in Schenefeld : Schulleiterin des Schulzentrums Achter de Weiden geht in den Ruhestand

„Schenefeld ist eine  sehr bildungszugewandte Stadt“, sagt Ina Baumert.
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„Schenefeld ist eine sehr bildungszugewandte Stadt“, sagt Ina Baumert.

Ina Baumert war 38 Jahre am Schulzentrum Achter de Weiden tätig. Mit 65 Jahren geht die Chefin der Gemeinschaftsschule in Ruhestand.

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07. Juli 2015, 12:30 Uhr

Schenefeld | 38 Jahre lang hat Ina Baumert als Lehrerin am Schulzentrum Achter de Weiden in Schenefeld gearbeitet. Sie war Leiterin der Hauptschule  und ist seit fünf Jahren Chefin der Gemeinschaftsschule. Mit 65 Jahren geht sie zum Ende des Schuljahrs in den Ruhestand.

Es klopft. Die Sekretärin will wissen, wann der Unterricht nach den Sommerferien beginnt. „Zweite Stunde“, sagt Ina Baumert. Sie wird dann nicht mehr in diesem Büro sitzen. Baumert, die „ewige Schulleiterin“, geht mit 65 Jahren in den Ruhestand. Das Schulzentrum Achter de Weiden verliert eine Institution, die Stadt eine engagierte und couragierte Rektorin.

38    Jahre hat sie hier gearbeitet – ein halbes Leben. Als Lehrerin, als Leiterin der Hauptschule, als Leiterin der Gemeinschaftsschule. „Das ist schon irgendwie meine Schule, eine Art Zuhause für mich. Das werde ich vermissen, ganz sicher.“

Ein bisschen Wehmut schwingt in ihrer Stimme mit. Baumert, das ist die Frau mit der klaren Ansprache, mit den klaren Ansagen, mit dem klaren Plan, wie Schule organisiert werden soll. „Man muss die Dinge beim Namen nennen, positiv wie negativ – sonst ändert man nichts.“ Mit ihrer Meinung hat sie nie hinterm Berg gehalten.

1977 kam sie nach Schenefeld

Studiert hat sie in Hamburg. 1977 kam sie nach Schenefeld. Die Hauptschule wurde gerade gegründet. 1987 wurde sie stellvertretende Schulleiterin, wenig später kommissarische Leiterin und im Januar 1989 schließlich zur Chefin der Hauptschule ernannt. Von der Kollegin zur Vorgesetzten: Damals kein einfacher Rollenwechsel für Baumert. Ein Kollege ließ sich sofort versetzen. „Unter einer Frau wollte er nicht arbeiten.“ Heute kann die Pädagogin darüber lachen.

Schenefelds Hauptschule glich damals einer Zwergenschule. 1977 mit 330 Jungen und Mädchen gestartet, zählte die Einrichtung 1987 nur noch 91 Schüler, wenig später waren es 85. Die Schule zu stabilisieren, wurde Baumerts wichtigste Aufgabe. Drogen und Alkohol: Sie kämpfte gemeinsam mit ihren Kollegen gegen den schlechten Ruf der Hauptschule und der Hauptschüler. „An dem hatten auch viele Politiker ihren Anteil“, stellt Baumert rückblickend fest. Der Hauptschulabschluss galt nichts mehr in diesem Land. Realschule und Gymnasium waren direkt nebenan. Konsequenz: Dort meldeten Eltern ihre Kinder an.

Die Rettung brachten keine pädagogischen Konzepte, sondern der Bauboom in Schenefeld Mitte der 90er Jahre. Bald zählte Baumert wieder 260 Schüler. Ihre Schule war die erste im Kreis Pinneberg, die inklusiv gearbeitet hat, an der Förderschüler am regulären Unterricht teilnahmen. „Wir hatten schon 1977 einen Fahrstuhl“, sagt Baumert.

Wie alles anders kam

Das Aus für ihre Schule nach 33 Jahren wurde im Kieler Bildungsministerium beschlossen. Real- und Hauptschulen sollten zusammengelegt werden. Baumert hätte 2010 zurücktreten müssen ins zweite Glied, da der Leiter der größeren Realschule Chef der Schenefelder Gemeinschaftsschule werden sollte. Das wollte sich Baumert mit 61 Jahren nicht mehr antun, lieber in den Vorruhestand gehen. Gedanklich war sie schon weg. Es kam anders. Stadt und Eltern intervenierten in Kiel – für Baumert. Die Chefin der kleinen Schule wurde im August 2010 Leiterin der neuen, großen Gemeinschaftsschule. Eine Herkulesaufgabe. Sie musste zwei Schulen unter einen Organisations-Hut bringen, Vorurteile und Berührungsängste abbauen. „Bei Schülern und Lehrern“, betont Baumert. Die vergangenen fünf Jahre: Ohne Frage die spannendsten und aufregendsten für sie. Die Entscheidung hat sie nie bereut. „Der Prozess ist jetzt abgeschlossen. Die Identifikation mit der Gemeinschaftsschule ist groß.“ 35 Kollegen unterrichten zurzeit 440 Schüler.

Den Spaß an Schule hat sich Baumert immer bewahrt, trotz der vielen Umwälzungen und Vorgaben aus Kiel. Die Veränderungen hat sie als massiv empfunden. „Die Anspruchshaltung ist heutzutage enorm. Der Druck von Elternseite hat zugenommen und die Anforderungen an Lehrer werden immer größer.“ Die Konsequenzen hat die Chefin täglich vor Augen. Ausgebrannte Kollegen, jenseits der Belastungsgrenzen. „Wir können nicht die Erziehung im Elternhaus ersetzen. Wir vermitteln Wissen.“

Am 16. Juli wird die Rektorin offiziell verabschiedet. Sie geht mit dem berühmten lachenden und weinenden Auge. „Jetzt kann ich endlich außerhalb der Ferien Urlaub machen.“ Auf Sylt, ihrer Lieblingsinsel, wird sie öfter spazieren gehen. Sie wird mehr Zeit für ihre Familie – und ihren acht Jahre alten Hund haben. Doch nur die Füße hochlegen, das passt nicht zu Baumert. Sie will sich auch als Pensionärin einbringen. „Vielleicht gebe ich Kurse an der Volkshochschule oder unterrichte Flüchtlinge in Deutsch.“ Lehrerin bleibt Lehrerin.

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