Schenefeld : Schlagabtausch um Cannabis

Verbieten oder  legalisieren? Andreas Gerhold von der Piratenpartei aus Hamburg  (von links), Lehrer Joachim Lewis und Professor Rainer Thomasius (UKE) lieferten sich mit dem Publikum im Forum eine emotionale Cannabis-Debatte.
Verbieten oder legalisieren? Andreas Gerhold von der Piratenpartei aus Hamburg (von links), Lehrer Joachim Lewis und Professor Rainer Thomasius (UKE) lieferten sich mit dem Publikum im Forum eine emotionale Cannabis-Debatte.

Soll die Droge Cannabis legalisiert werden? Auf Einladung des Gymnasiums Schenefeld wurde im Forum kontrovers diskutiert. Professor Rainer Thomasius warnte nachdrücklich vor einer Freigabe und wies auf die zum Teil verheerenden Folgen des Cannabis-Genusses hin. Andreas Gerhold von der Hamburger Piratenpartei hielt argumentativ dagegen.

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12. März 2014, 12:00 Uhr

Länder wie Spanien, Holland und die Schweiz sowie der US-Bundesstaat Colorado haben Cannabis längst entkriminalisiert. 120 Strafrechtsprofessoren riefen die Bundestagsabgeordneten im vergangenen Jahr auf, das Betäubungsmittelgesetz zu überprüfen und den Konsum von Cannabis zu legalisieren. Professor Rainer Thomasius vom Universitätsklinikum Hamburg (UKE) und Andreas Gerhold von der Piratenpartei Hamburg legten im Schenefelder Forum vor gut 90 Besuchern am Montagabend Pro- und Contra-Argumente dar. Der seit Jahren für die Suchtprävention am Gymnasium Schenefeld zuständige Lehrer Joachim Lewis leitete die Veranstaltung.

Der Kinder- und Jugendpsychiater Thomasius vertrat eine klare Position gegen die Legalisierung. Seine Argumentation stützte er auf ein breites theoretisches Fundament. Er sprach über Auswirkungen von Cannabismissbrauch im Jugendalter. Der Professor erläuterte Faktoren wie Abhängigkeitsentwicklung, Beeinträchtigung von Wahrnehmungs- und Entwicklungsfähigkeit und die Fahrtauglichkeit sowie psychosoziale Auswirkungen.

Thomasius betonte, dass Jugendliche in der Pubertät für die Droge besonders anfällig sind. „Mit dem Konsum von Cannabis sinkt der Intelligenzquotient. Denn je stärker der Konsum, desto mehr graue Hirnmasse wird zerstört.“ Viele Betroffene würden schizophren und blieben ein Leben lang auf fremde Hilfe angewiesen. „Obama redet großen Unsinn, wenn er sagt, dass Cannabis wie Alkohol wirkt“, so der Professor. Auch in neurobiologischer Hinsicht wirke Cannabis viel komplexer als Alkohol auf das Gehirn ein. Thomasius kam unter Bezugnahme auf regionale Quellen zum Ergebnis, dass sich eine wenig restriktive Haltung gegenüber Jugendlichen – wie beispielsweise in Tschechien – ungünstig auf den Konsum auswirke.

Die Gegenposition vertrat Gerhold. Die Eigenverantwortung des Bürgers müsse an erster Stelle stehen. Zu den Theorien des Professors gebe es gegenteilige Studien. Das Verbot helfe, einen illegalen Markt zu schaffen. „Jugendlicher Konsumentenschutz kann so nicht gewährleistet werden“, so der Pirat. Ein regulärer Markt für Cannabis sorge dafür, dass mehr Geld für Therapien und Verbraucherschutz bereit stünden.

An der regen Diskussion beteiligten sich Schüler und Lehrer. Schüler Max wollte von Thomasius wissen, ob es nicht möglich sei, Kiffen und Leistungsdenken zu vereinbaren. „Oder handelt es sich dabei lediglich um einen Mythos?“, fragte Max. Thomasius bejahte zwar eine geringe Chance auf einen solchen Lebensstil, verwies aber darauf, dass vielen seiner akademischen Patienten aus „wohlsituierten Kreisen“ dies nicht gelungen sei. „Sie sind im fatalen Kreislauf gefangen“, so der Professor.

Lehrerin Sabine Kohn zeigte sich gegenüber Gerholds Standpunkt empört: „Wenn sie die Legalisierung einführen, stürzen sich Dealer noch mehr auf Kinder und Jugendliche.“ Auch ein Polizist konnte die Sichtweise des Piraten nicht nachvollziehen, gab an, „sprachlos“ zu sein. Die Polizeikontrolle habe in jedem Fall abschreckende Wirkung. Lehrer Lewis berichtete von persönlichen Erfahrungen, von zwei ehemaligen Schülern, die er im Kampf gegen die Droge „verloren“ habe. Ein Jugendlicher landete in der Psychiatrie.

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