Brand in Seniorenresidenz : Schenefelds Wehr gedenkt der Toten

Die Betroffenheit ist immer noch spürbar: Beim Brand im Pflegeheim Rüpcke konnte die Wehr mehrere Menschen retten. Drei Bewohner starben in den Flammen.
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Die Betroffenheit ist immer noch spürbar: Beim Brand im Pflegeheim Rüpcke konnte die Wehr mehrere Menschen retten. Drei Bewohner starben in den Flammen.

Neues Drehleiterfahrzeug wurde offiziell übergeben. Das Feuerdrama in der Seniorenresidenz Rüpcke überschattet jedoch die Zeremonie.

shz.de von
04. Juni 2014, 10:00 Uhr

Schenfeld | Es ist ein Freudentag, an dem keine Freude aufkommen mag. Schenefelds Wehrführer Michael Schulz hat seine Kameraden an der Feuerwache antreten lassen. Das neue Drehleiterfahrzeug steht auf dem Hof. Es blitzt und blinkt in der Sonne. An diesem Abend wird es offiziell übergeben. Doch mit ihren Gedanken sind die Einsatzkräfte immer noch beim Feuerdrama in der Seniorenresidenz Rüpcke. Es wird ganz still auf dem Hof. „Gedenken wir der drei verstorbenen Damen. Es ist uns nicht gelungen, die drei Frauen da rechtzeitig rauszuholen“, sagt Schulz.

Drei Tote, 13 Verletzte. Feuer in einem Pflegeheim mit 98 Bewohnern und 70 Mitarbeitern: Am vergangenen Freitag mussten die Schenefelder einen der schwierigsten Einsätze der vergangenen Jahre meistern. Das hat Spuren hinterlassen. Bürgermeisterin Christiane Küchenhof spricht den Kameraden nicht nur ihren Dank aus. Sie spricht ihnen auch Mut zu. „Sie haben Menschen gerettet. Niemand kann ermessen, was sie gesehen und erlebt haben.“ Küchenhof betonte, dass sich die Einsatzkräfte nicht nur fachlich, sondern auch menschlich in vorbildhafter Weise verhalten haben. „Sie waren für die Menschen da. Sie haben geredet. Sie haben getröstet.“ Küchenhof selbst gehört zu den betroffenen Angehörigen. Ihre Oma lebt in der Seniorenresidenz – genau unter der Wohnung, in der das verheerende Feuer ausbrach. Sie wurde nicht verletzt.

Die Drehleiter: „Mit ihrer Hilfe konnten wir drei Menschen aus dem brennenden Abschnitt retten“, sagt Helge Kudenholdt. Er saß auf dem ersten Wagen, der am Freitagnachmittag das Pflegeheim erreichte. „Die Alarmierung war ein Brandmeldeeinlauf, wie wir ihn wohl mehr als ein Dutzend mal im Jahr erleben.“ Meistens Fehlalarm. Doch schon auf der Fahrt zum Pflegeheim wird über Funk bestätigt, dass es brennt. Das ganze Ausmaß der Feuerkatastrophe wird sofort klar. „Als wir die erste Tür öffneten, kam uns dicker schwarzer Qualm entgegen.“ Am Ende sind 163 Einsatzkräfte vor Ort, um zu helfen. Drei Tote, darunter eine verbrannte Leiche: Feuerwehrleute haben sie geborgen. Nicht nur die Bewohner, auch Einsatzkräfte müssen psychologisch betreut werden. „Das ist schon vor Ort passiert. Wer Hilfe braucht, bekommt sie“, sagt Kudenholdt. Gespräche, um das Erlebte zu verarbeiten, seien wichtig. Ein Schenefelder Feuerwehrmann war mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung vorsorglich im Krankenhaus untersucht worden. Entwarnung: Er konnte die Klinik wieder verlassen.

Es mutet fast ein bisschen wie die Ironie des Schicksals an. Das Feuerdrama war der letzte Einsatz für die alte Drehleiter, die jetzt nach 21 Jahren ersetzt wurde. Die Nagelneue stand zwar schon seit Tagen auf dem Hof, die Schulung der Kollegen war aber noch nicht abgeschlossen. Die alte Drehleiter rückte aus. Auch sie steht an diesem Abend auf dem Hof. Sie wird jetzt meistbietend verkauft.

Drei Menschen mussten sterben. Drei konnten – auch dank der Drehleiter – von der Feuerwehr gerettet werden. 600.000 Euro hat die Stadt in das neue Fahrzeug investiert. In Schenefeld bezweifelt niemand mehr, dass jeder Euro gut angelegt ist.

Die neue Drehleiter für die Schenefelder Feuerwehr hat 600.000 Euro gekostet, 50.000 Euro weniger als eingeplant. Das neue Gerät  wird vor allem für die Personenrettung aus Höhen und Tiefen sowie zur Überwindung von Hindernissen eingesetzt. Die Feuerwehr nutzt sie aber auch, um aus der Höhe Löscharbeiten vorzunehmen und einen Rettungsweg anbieten zu können. Ein Vorteil: die Gelenktechnik. Die Feuerwehr benötigt für den Einsatz der Leiter weniger Platz. Auch die Umwelt profitiert. Im Atego-Fahrgestell von Mercedes arbeitet ein Motor nach neuester Euro-6 Abgas-Norm. Die Schenefelder Drehleiter ist die erste, die nach dieser strengsten Verordnung ausgeliefert wurde.
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