YouTube mit 79 Jahren : Schenefelds Kulturengel dreht jetzt YouTube-Videos

Hanna-Maria Engel präsentiert Bücher ihrer Lieblingsschriftsteller Johann Wolfgang von Goethe und Theodor Fontane.
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Hanna-Maria Engel präsentiert Bücher ihrer Lieblingsschriftsteller Johann Wolfgang von Goethe und Theodor Fontane.

Literaturfan Hanna-Maria Engel ist nun im Internet mit aufgenommenen Live-Vorlesungen vertreten.

shz.de von
30. Januar 2018, 16:30 Uhr

schenefeld | Sie bildete Schauspieler aus, hielt Lesungen vor 700 Interessierten und erhielt den Ehrenpreis der Stadt Schenefeld. Die Rede ist von der literaturbegeisterten Hanna-Maria Engel. Sie hat viele Erfolge verbucht. Nun widmet sich die Schenefelderin im Alter von 79 Jahren den neuen Medien. Die Lesungen des „Kulturengels“ sind nun auf YouTube zu sehen. 

Nachdem ihr algerischer Haushaltshelfer Mohammed Feghouli im vergangenen Jahr die Live-DVDs im Regal entdeckt hatte, sei ihm die Idee gekommen. „Er war überzeugt davon, dass meine Werke veröffentlicht werden müssen und nahm sich der Sache an“, sagt Engel. So fanden binnen weniger Monate mehr als 30 ihrer Live-Vorlesungen mit YouTube den Weg ins Internet.

In ihrem früheren Atelier war sie als Schauspiellehrerin tätig. Schülerinnen wie Ingrid Hüffel konnten viel von ihr lernen. Hüffel war in der Hamburger Kriminalserie Polizeiruf 110 vertreten. „Wir stehen noch heute in engem Kontakt. Trotz des hohen Alters kommt Ingrid vorbei und wir üben. Denn das kann man nie genug“, erzählt Engel mit strahlenden Augen.

Die Schenefelderin liest sehr viel. An die 10 000 Bücher besitzt sie. Unter all den Autoren schätzt sie einen Schriftsteller ganz besonders: Theodor Fontane. Seit der Schulzeit befasse sie sich durchgehend mit seinen Werken. „Fontane ist der beste Menschenbeobachter. Er versteht die Menschen ganz und gar“, so Engel. Er wird auf ihrer Bestenliste jedoch dicht verfolgt von Heinrich Heine, Johann Wolfgang von Goethe und dem russischen Schriftsteller Anton Pawlowitsch Tschechow. „Bücher sind mein Leben. Wer nicht liest, bleibt dumm“, urteilt Engel.

Engels Leidenschaft waren schon immer schauspielerische Lesungen. Stellt man den Vergleich zu Theateraufführungen her, fühlt sie sich in diesem Metier um einiges besser aufgehoben. „Dort kann ich sehr viele Figuren darstellen, das ist im Theater leider anders. Da hat man diesen Spielraum nicht. Zumal viele Schauspieler sich vor Regisseuren beugen und nur wenig Einspruchrecht haben“, erklärt sie.

Eine Zeit lang war Engel krank, nicht fit genug für Lesungen. Doch nun steht eine Reha an und dann soll es endlich wieder losgehen. Zumal sie im Kopf schon einen Schritt weiter ist. Trotz ihres hohen Alters hat sie viele Pläne.

Auch analog möchte die Schenefelderin wieder Lesungen veranstalten. Außerdem will sie auf öffentlichen Plattformen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. „Es sollen noch zehn bis fünfzehn meiner DVDs geschnitten und auf YouTube veröffentlicht werden“, berichtet sie stolz. Als Schauspielerin der Literatur ist dies jedoch eine Herausforderung. „Ein Maler wird nach dem Leben bekannt, ein Schauspieler lebt im Moment“, erklärt sie. Das Internet biete jedoch eine gute Möglichkeit, um auch der Nachwelt etwas zu hinterlassen.

Zu guter Letzt hat Engel auch noch einen Lebenstraum: Sie wünscht sich ein Studio, in dem sie all ihre Lieblingsbücher einlesen kann.

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