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Schenefelder Tageblatt

20. August 2017 | 02:47 Uhr

Friedhof : Schenefelds Friedhofs-Beben

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Der Bürgerentscheid konterkariert eine repräsentative Umfrage vom Mai 2012. Das Thema wird nach 40 Jahren zu den Akten gelegt.

Schenfeld | Mathias Schmitz betrat am Sonntag gegen 19.15 Uhr den Ratssaal. Ein kurzer Blick auf den roten Balken genügte ihm. Mehr als 70 Prozent gegen einen Friedhof zeigte das Zwischenergebnis des Bürgerentscheids. „Jetzt brauchen wir nie, nie, nie, nie wieder über den Bau eines Friedhofs sprechen“, sagte der Grünen-Fraktionschef. Er verließ das Rathaus noch bevor das Endergebnis feststand. Zufrieden. Die Grünen hatten sich im Vorfeld gegen den Bau eines Friedhofs ausgesprochen.

Das Friedhofs-Beben: 4481 Schenefelder (72,3 Prozent) sagten Nein zu einem vollwertigen Friedhof in ihrer Stadt. Nur 1718 Schenefelder (27,3 Prozent) stimmten mit Ja. Niemand hatte mit einem derart klaren Votum gerechnet. Noch kurz bevor die ersten Ergebnisse aus den Wahllokalen gemeldet wurden, wurde im Ratssaal nur darüber diskutiert, ob bei diesem Bürgerentscheid das Quorum für einen Friedhof – mindestens 2812 Ja-Stimmen – erreicht wird. „Ich hatte erwartet, dass vor allem die Befürworter eines Friedhofs wählen gehen, die Gegner eher zu Hause bleiben“, sagte SPD-Fraktionschef Nils Wieruch. Er irrte – wie so viele, die in dieser Frage mit einem ganz knappen Wahlausgang gerechnet hatten.

Der Bürgerentscheid ist rechtlich nur für die kommenden zwei Jahre bindend – doch mit diesem Nein dürfte sich das Thema, das die Stadt seit 40 Jahren bewegt, endgültig erledigt haben. „Das ist das schöne an diesem Ergebnis. Es ist so eindeutig, dass nicht weiter diskutiert werden muss“, sagte Grünen-Ratsherr Hans-Gerhard Schwarz. Bürgervorsteherin Gudrun Bichowski (SPD) zeigte sich enttäuscht. Sie hatte sich – im Gegensatz zu ihrer Fraktion – für eine letzte Ruhestätte in ihrer Heimatstadt ausgesprochen. Sie wollte hier beerdigt werden. Auch die höchste Repräsentantin der Stadt suchte nach Erklärungen – und erinnerte sich sofort an die Friedhofsumfrage, die die Stadt im Mai 2012 im Zuge der Landtagswahl durchgeführt hatte. „Die hätten wir uns wirklich sparen können.“

Der Bürgerentscheid: Er konterkariert das Ergebnis der Umfrage, die repräsentativ sein sollte. Zur Erinnerung: Vor fast genau zwei Jahren nahmen 477 Schenefelder an der stichprobenartigen Erhebung teil. 298 stimmten damals mit Ja, 178 mit Nein. Im Juni 2012 beschloss der Hauptausschuss darauf hin, dass ein Friedhof in Schenefeld gebaut wird. Er glaubte den Mehrheitswillen der Bürger hinter sich.

„Die Fraktionen, aber auch die Bürger haben sich diesmal viel intensiver mit dem Thema auseinander gesetzt“, betonte Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. Die Verwaltung habe sich schon 2012 für einen Bürgerentscheid stark gemacht. Die OfS hatte ihn schließlich in diesem Jahr politisch auf den Weg gebracht.

Geld gegen Emotionen: Vor allem darum ging es beim dritten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt Schenefeld. „Wirtschaftliche Gründe haben den Ausschlag gegeben“, glaubt BfB-Fraktionschef und Friedhofsgegner Manfred Pfitzner. „Die Bürger haben sich dafür entschieden, das Geld für andere Dinge auszugeben.“ Bis zu 100.000 Euro Defizit im Jahr hätte der Bau und der Betrieb einer letzten Ruhestätte die Stadt gekostet – nach vorsichtigen Schätzungen. Allen war klar, dass sich ein Friedhof unter den heutigen Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich betreiben lässt. Und die Emotionen: Die blieben auf der Strecke. Trauer braucht eine Heimat, hatte CDU-Ratsherr Holm Becker argumentiert. Schenefelds Tote und Trauernde bleiben heimatlos. Die Bürger haben es so entschieden.

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erstellt am 27.Mai.2014 | 10:00 Uhr

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