Leben nach der Leukämie : Schenefelderin Paula Rüpcke ist wieder stark genug für die Schulbank

Die 17-Jährige ist froh, wieder den Unterricht besuchen zu können. Regelmäßige Kontrollen sind weiterhin notwendig.

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04. Mai 2018, 10:00 Uhr

Schenefeld | Schon auf den ersten Blick ist klar: Der an Blutkrebs erkrankten Paula Rüpcke geht es besser. Ihre Haare wachsen nun wieder. Geflochtene Haarverlängerungen helfen durch die Übergangszeit. Die Schenefelderin strahlt Lebensfreude und Optimismus aus. Ihre Geschichte hat ein Happy End. 

Rückblick: Die 17-Jährige erkrankte vor eineinhalb Jahren an Leukämie, wurde im Universitätsklinikum Eppendorf behandelt. Nur eine Stammzellenspende konnte ihr Leben noch retten. Bei einer Typisierungsaktion wollten ihr mehr als 3000 Menschen helfen. In der weltweiten Datenbank fand sich dann auch die passende Gewebeprobe. Derzeit erhält die Jugendliche noch Antibiotika und Vitamin-D-Tabletten, denn ihr Immunsystem muss sich  wieder aufbauen. „Mir geht’s ganz gut. Es geht langsam alles wieder bergauf“, sagt sie. Regelmäßig muss die Gymnasiastin noch zur Kontrolle.

Weniger Konzentration und Kopfschmerzen

Ihre Kraft reicht aber bereits für den Schulbesuch aus. Eigentlich wäre die 17-Jährige in der elften Klasse. Aber da sie so viel Unterricht verpasst hat, geht sie nun in die zehnte Klasse des Gymnasiums Schenefeld. „Ich kann noch nicht den vollen Unterricht mitmachen“, berichtet die Schülerin. Sie könne sich teilweise noch schwer konzentrieren und leide unter Kopfschmerzen. Sie macht eben so gut mit wie sie kann. Und das akzeptieren auch die Mitschüler und Lehrer, sagt sie. Die Schenefelderin sei zwar noch nicht wieder ganz fit, habe sich aber nach einem normalen Alltag gesehnt. Der Schulbesuch sei zunächst ungewohnt gewesen. „Es sind aber alle total nett. Die Schule unterstützt mich sehr.“ Nach diesem Halbjahr kommt sie in die elfte Klasse, kann diese bei Bedarf aber wiederholen.

Ihre neue Frisur mit den geflochtenen Zöpfen sei ein lang gehegter Wunsch gewesen, berichtet sie. „Das wollte ich immer schon machen. Aber als die Haare noch lang waren, habe ich mich nicht getraut.“ Dass die Haare durch die Chemotherapie ausgefallen sind, war belastend. Nun habe sie sich gewünscht, „endlich wieder einen Zopf machen zu können“.

Chronologie: Ein Schicksal bewegt den Kreis Pinneberg

Februar 2017

Die damals 16-jährige Paula Rüpcke kommt ins Krankenhaus mit Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber. Doch die Diagnose lautet: akute myeloische Leukämie – eine besonders aggressive Form von Blutkrebs. Sie muss sich  mehrerer Chemotherapien unterziehen. Währenddessen wird nach einem passenden Spender gesucht.

April 2017

Das Schicksal der Schenefelderin löst eine Welle an Hilfsbereitschaft aus. Ihre Feuerwehrkameraden organisieren in Zusammenarbeit mit der DKMS schnellstens eine Typisierungsaktion unter dem Motto „Paula braucht Helden.“

Mai 2017

Die Resonanz auf die Aktion ist riesig: 3070 Menschen aus Hamburg und dem Kreis Pinneberg  wollen dem Mädchen helfen und lassen sich in der Feuerwache typisieren. Es folgen gute Nachrichten: Gleich drei potenzielle Spender wurden über die weltweit vernetzten Datenbanken für Stammzellen gefunden.

August 2017

Die Schülerin hat die Transplantation gut überstanden. Bis das körpereigene Abwehrsystem wieder völlig intakt ist, dauert es nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft aber etwa ein Jahr. Sie  ist noch schwach und anfällig für Infektionen.

Dezember 2017

Die junge Frau ist offiziell krebsfrei. Ihr Zustand stabilisiert sich.

April 2018

Die Schenefelderin hat den Krebs besiegt. Sie geht wieder zur Schule.

 

„Ich kann  bis heute nicht realisieren, dass ich das alles durchgemacht habe“, sagt sie rückblickend. „Ich ziehe aber nur Positives daraus. Ich bin dankbar für das, was ich habe. Meine Familie hat mich nie alleingelassen. Und ich habe gelernt, geduldig zu sein. Mit der Zeit kommt alles.“

Aus der Gefahrenzone

Auch Mutter Cathrin Rüpcke  ist froh, dass die Tochter die schwere Krankheit überwunden hat: „Es ist schön, aus der Gefahrenzone zu sein. Und ich bin sehr dankbar für das deutsche Gesundheitssystem.“ Während der monatelangen Behandlung war sie stets an der Seite ihrer Tochter, übernachtete im Krankenhaus.

Nun kehrt der gewöhnliche Alltag für die Familie langsam zurück. Einen besonderen Wunsch erfüllt sich ihre Tochter gerade selbst. Sie macht ihren Führerschein. Außerdem  freut sich die Gymnasiastin, dass nun auch wieder regelmäßige Besuche von Freunden und Feiern am Wochenende möglich sind – eben das Leben eines ganz normalen Teenagers.

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