Über Politische Ziele : Schenefelder Dieter Spincke (OfS) im Interview: „Offene Debatte statt Ideologie“

Dieter Spincke will weiter politisch tätig sein – voraussichtlich im Finanzausschuss.

Dieter Spincke will weiter politisch tätig sein – voraussichtlich im Finanzausschuss.

Das Ex-Ratsmitglied aus Schenefeld gehört nicht mehr der Ratsversammlung an. Seine politische Laufbahn ist damit allerdings nicht vorbei.

shz.de von
06. Juni 2018, 13:00 Uhr

Schenefeld | Dieter Spincke war in den vergangenen Jahren eine der prägenden Figuren der Offensive für Schenefeld (OfS). In der neuen Legislaturperiode gehört er aber nicht mehr der Ratsversammlung an. Seine politische Laufbahn ist damit allerdings nicht vorbei. Im Interview erklärt Spincke unter anderem, wie er sich in Zukunft in der OfS einbringen wird.

Frage: Tut es Ihnen leid, dass Sie nicht mehr der Ratsversammlung angehören?
Dieter Spincke: Ja. Ich hätte gern noch eine weitere Legislaturperiode in der Ratsversammlung mitgearbeitet. Dann wäre auf jeden Fall Schluss gewesen. Ich war aber nach dem Wahlsonntag zugegebenermaßen ziemlich bedient. Mit einem solchen Ergebnis und den großen Zuwächsen für die Grünen habe ich nicht gerechnet. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Resultat für die Stadt gut ist. Der Rat hat auf alle Fälle viel fachliche Qualität verloren.

Zur Person

Dieter Spincke (70) ist seit zehn Jahren politisch aktiv und engagiert sich in der Offensive für Schenefeld. Der Ratsversammlung gehörte der gelernte Bankkaufmann von 2013 bis 2018 an. Spincke wohnt seit 1977 in Schenefeld, ist verheiratet und hat vier Kinder.


Sind Sie weiterhin politisch aktiv, obwohl Sie nicht mehr der Ratsversammlung angehören?
Ja. Ich werde mich als Mitglied eines Ausschusses weiter politisch engagieren. Vermutlich werde ich dem Finanzausschuss angehören.
 

Was hat Ihnen an der Arbeit in der Ratsversammlung Freude bereitet?
Ich konnte vor Ort etwas gestalten. Wir waren zwar nur eine kleine Fraktion, haben aber trotz allem einiges bewegt. Schön finde ich, dass ich durch die Politik einige nette Menschen getroffen habe, die ich sonst nicht kennengelernt hätte – und zwar parteiübergreifend. Die Kommunalpolitik war mir vorher auch ziemlich fremd gewesen. Ich wusste nicht, was die Politik vor Ort alles bewegen kann. Gerade in einer Stadt wie Schenefeld. Das sähe in einer Hamburger Bezirksversammlung ganz anders aus.

Was hat Sie gestört?
Die Ideologie darf nicht im Vordergrund stehen. Das war leider manchmal bei den Grünen der Fall. Auch die Debatte über eigene Stadtwerke in Schenefeld konnte ich nicht nachvollziehen. Dafür hat Schenefeld gar nicht die Voraussetzungen und das Risiko wäre deshalb viel zu groß. Ich finde es darüber hinaus schade, dass sich in der Ratsversammlung meistens nur wenige Politiker äußern und der Rest schweigt. Dabei findet man nur durch Diskussionen die besten Lösungen. Schön wäre auch, wenn sich mehr jüngere Menschen in der Politik engagieren und die Chance nutzen, ihre Zukunft zu gestalten. Der Altersschnitt ist in den meisten Gremien ziemlich hoch.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?
Ich war schon immer politisch und historisch interessiert und fand teilweise nicht gut, wie mit den Menschen umgesprungen wird. Die großen Parteien wären mit mir aber vermutlich nicht glücklich geworden, da ich jemand bin, der offen seine Meinung sagt und diese auch vertritt. Als ich von der Wählergemeinschaft angesprochen wurde, passte es allerdings. An der Kommunalpolitik gefällt mir, dass es dort allen Beteiligten um das Wohl der Stadt und damit um Inhalte geht. Das ist auf Landes- und Bundesebene nicht immer der Fall.

Welche Themen waren Ihnen besonders wichtig?
Da gibt es nichts Bestimmtes. Für mich stand immer das Wohl der Bürger im Vordergrund. Einer meiner Schwerpunkte sind die Finanzen. Ich kann die Umstellung von Kameralistik auf Doppik nicht nachvollziehen. Dadurch werden die Verwaltungen der Kommunen unnötig belastet. Es macht aus meiner Sicht beispielsweise keinen Sinn, den Wert einer Straße zu ermitteln und diese als Vermögen aufzuführen. Ihre Straßen können Kommunen doch sowieso nicht verkaufen. Früher waren die Haushalte aus meiner Sicht übersichtlicher.

Vor welchen Herausforderungen steht Schenefeld in den kommenden Jahren?
Die finanzielle Situation der Stadt wird sicherlich eines der zentralen Themen in den kommenden Jahren sein. Schenefeld steht zwar im Vergleich zu anderen Kommunen relativ gut da, muss aber einige Investitionen schultern. Negativ wird sich auf Dauer auswirken, dass es im Vergleich zu Gemeinden wie Halstenbek und Rellingen zu wenig Gewerbebetriebe gibt und die Gewerbesteuereinnahmen deshalb zu niedrig sind. Die Stadt muss also neue Betriebe nach Schenefeld locken. Das Problem ist, dass es schwer werden dürfte, dafür geeignete Flächen zu finden.

Dieter Spincke persönlich

Lokalpolitik bedeutet… sich um die Bürger und die Stadt zu kümmern.

Ich entspanne mich, indem… ich lese und Sport treibe.

Meine größte Stärke ist… ,dass ich Fehler und Schwächen schnell erkenne.

Meine größte Schwäche ist… meine Ungeduld und dass ich dazu neige, andere zu unterbrechen.

Auf eine einsame Insel würde ich mitnehmen… meine Frau und etwas zum Lesen.

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