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Pflanzen für ein prima Klima : Schenefeld: Zyperngras für bessere Luft in Kita

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach langer Recherche soll nun besonderes Zyperngras die Luft in der Kita Biene Sonnenstrahl verbessern.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Schenefeld | Ende gut, alles gut? Zumindest sieht es danach aus. In der Kita Biene Sonnenstrahl in Schenefeld stehen seit vier Wochen 35 „Prima-Klima-Pflanzen“ in den Räumen. Leiterin Morna Fiedler und Willy Kanow, der die Kita bei der Auswahl beraten hat, freuen sich, dass die Luft bereits spürbar besser geworden ist. Gestern präsentierten sie die Lösung für ein Problem, das die Kita seit langer Zeit rumtreibt.

Rückblick: Im Februar schlugen die Kitaleitung und die Eltern Alarm. Ständig hätten die Kinder und Erzieher Probleme mit der Haut und den Atemwegen. Trockene Stellen am Körper, Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Kopfschmerzen, Husten und bronchiale Beschwerden traten vermehrt auf. Der Verdacht keimte auf, dass dies mit der zu trockenen Luft zusammenhängt. Die Stadt hatte versucht, das Problem zu beheben, jedoch ohne Erfolg. Aus Sicht der beauftragten Gutachter war die Luftfeuchtigkeit ausreichend und nicht zu beanstanden. Letztlich stimmte die Verwaltung aber trotzdem dem mit Kanow erarbeiteten Vorschlag zu, besondere Pflanzen anzuschaffen und dies finanziell zu unterstützen.

Kanow hat sich intensiv mit Passivbauweise wie bei der Kita auseinandergesetzt. Aus seiner Sicht ist die zu trockene Luft dem Umstand geschuldet, dass das Gebäude nach außen so gut abgeschottet ist und kein Luftaustausch stattfindet. Dies sei ein grundsätzliches Problem bei diesen Häusern und hätte auch bei der Kita-Planung beachtet werden müssen.

Bis die Pflanzen da waren, behalf sich die Kita–Leiterin mit Luftbefeuchtern. Damit die nicht zu Bakterienschleudern werden, mussten aber täglich das Wasser gewechselt und die Geräte gereinigt werden. „Sie können sich vorstellen, was das für ein Aufwand ist“, sagte Fiedler. Nun sind die Pflanzen da. Insgesamt betragen die Kosten für eine bessere Luft 7000 Euro. Und die sei deutlich besser, sagt sie. „Die Mitarbeiter und die Kinder sind happy. Sie waren erst skeptisch, ob Pflanzen da wirklich helfen können“, gibt die Leiterin zu. Letztlich habe sie aber das Ergebnis überzeugt. Die Politik habe signalisiert, dass die Kosten übernommen werden. Fiedler hofft nun auf eine positive Rückmeldung aus dem Rathaus.

Derzeit bringen die Pflanzen noch nicht die volle Leistung. Wenn sie ausgewachsen sind (etwa 1,80 Meter), können sie pro Stunde fünf Liter Feuchtigkeit pro Stunde in die Räume abgeben, erläuterte Kanow. Im Vorfeld war genau ermittelt worden, wie viele Pflanzen notwendig sind. 35 Cyperus Pflanzen zieren jetzt die Räume. Sie wurden speziell dafür gezüchtet. Die Firma Hydro Böttle in Schenefeld übernahm die Bepflanzung.

Rechtzeitig zum Beginn der Heizperiode – in diesem Zeitraum waren die Beschwerden besonders schlimm – bekommt die Einrichtung damit ein biotechnisches Luftbefeuchtungssystem, basierend auf der Photosynthese. Bei diesem Prozess wandeln Pflanzen klimafreundlich mit Sonnenlicht Wasser und Kohlenstoffdioxid (CO2) in Zucker und Sauerstoff um. Dabei werden laut Kanow auch neue Wassermoleküle gebildet, die an die Umgebung abgegeben werden. Die relative Luftfeuchte und der Sauerstoffgehalt nehmen zu und verbessern so das Raumklima.

Doch bis dahin war reichlich Recherche notwendig: Experten der Universität Hamburg rieten der Kita-Leitung zu Zyperngras als gut geeignet für eine zusätzliche Luftbefeuchtung. Als Pflanzenlieferant kam die Firma Radtke Biotechnik für diesen Themenbereich in Frage. Also kontaktierten Kanow und Fiedler das Unternehmen. Dort habe ihnen Diplombiologe Manfred Radtke bestätigt, dass die pflanzliche Transpiration die hygienischste Lösung sei. Er empfahl Hochleistungsverdunster wie Cyperus „Prima-Klima-Pflanzen“. „Wir sind zuversichtlich, dass die rechnerisch angestrebte Erhöhung der Luftfeuchte um etwa 15 Prozent erreicht wird“, sagte Kanow.

Ordnungsamtsleiter Axel Hedergott wollte sich gestern nicht dazu äußern, ob die Stadt die gesamten Kosten übernimmt. Der Vorgang sei noch nicht abgeschlossen. Die Kita werde anschließend informiert, so Hedergott.

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