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Schenefelder Tageblatt

19. August 2017 | 02:14 Uhr

Interview : "Schenefeld braucht eine Mitte"

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Stadtplanung, Friedhof, Bürgerbegehren, Leitbild und Energie-City: Bürgermeisterin Christiane Küchenhof im Gespräch.

Frau Küchenhof, das Kita-Fiasko an der Lindenallee hat die Stadt monatelang in Atem gehalten. Ziehen Sie aus dem Desaster Lehren für die Zukunft?
Christiane Küchenhof: Es gibt einen Grundsatzbeschluss der Politik, dass die Stadt keine Bauvorhaben auf fremden Grund und Boden finanziell unterstützt oder absichert. Davon sind wir bei dem Waldorfkindergarten abgewichen. Aus den jetzt gemachten Erfahrungen hat sich dieser Grundsatzbeschluss bestätigt.

Betreuungsplätze sind ein wichtiger Standortfaktor. Welches Ziel verfolgt die Stadt in diesem Bereich?
Küchenhof: Wir haben das Ziel, familienfreundliche Stadt zu sein. Das ist uns bisher gut gelungen. In unseren Anstrengungen dürfen wir aber nicht nachlassen. Im Krippenbereich verzeichnen wir einen steigenden Bedarf. Wir setzen weiter auch auf Tagesmütter, weil sie sehr flexible Betreuungszeiten anbieten und auf die Wünsche der Eltern reagieren können.

Werden Sie noch einen weiteren Kindergarten bauen?
Küchenhof: Ja, sofern der Bedarf festgestellt wird. Wir haben parallel zu allen anderen Bemühungen einen Förderantrag auf eine eigene städtische Kita gestellt.

Der geplante Friedhof wurde politisch erneut für ein Jahr auf Eis gelegt. Warum tut sich die Stadt seit Jahrzehnten so schwer, zu einer Entscheidung zu kommen?
Küchenhof: Weil sowohl die Pro- als auch die Contra-Argumente ihre Berechtigung haben. Vor allem viele ältere Menschen wünschen sich, in Schenefeld beerdigt zu werden. Demgegenüber stehen die Kosten. Ein Friedhof ist ein Zuschussgeschäft. Die Politik muss sorgfältig abwägen. Fest steht: Ein Friedhof muss heutzutage verschiedene Bestattungsformen anbieten.

Können Sie verstehen, dass Bürger vom Thema Friedhof längst dauer-genervt sind?
Küchenhof: Ja, absolut. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, einen Bürgerentscheid auf den Weg zu bringen, um ein klares Votum der Schenefelder zu erhalten. Das hat die Politik seinerzeit abgelehnt.

Ein Stadtkern für Schenefeld: Das ist das entscheidende Zukunftsprojekt für die kommenden Jahre. Welche Wünsche und Hoffnungen verbinden Sie damit?

Küchenhof: Der Stadtkern soll das Energiezentrum von Schenefeld werden – mit allen Dienstleistungs- und Service-Einrichtungen. So brauchen wir zum Beispiel dringend mehr und größere Sitzungsräume, die dann barrierefrei sein müssen.

Auch beim Stadtkern verfestigt sich der Eindruck, dass es nicht so recht voran geht. Fehlt die Initialzündung?

Küchenhof: Nein. Wir werden jetzt starten. Die Verwaltung hat bereits Ideen und Konzepte entwickelt, die wir vorstellen werden. Der Kauf des Postgebäudes war ein Meilenstein. Wir können jetzt ganz anders agieren. Auch in der Politik gibt es konkrete Vorstellungen. Wichtig ist, bei diesem zentralen Projekt auch die Bürger mit einzubeziehen. Die Stadt hat keine Mitte. Die möchte ich gern entstehen lassen.

In welchem Zeitrahmen bewegen wir uns?
Küchenhof: Die Umsetzung sollte in den nächsten fünf bis zehn Jahren erfolgen. Im Februar tagt erstmals die eigens eingerichtete Arbeitsgruppe. Dann geht es auch darum, einen Fahrplan festzulegen.

In diesem Jahr wird das erarbeitete Leitbild verabschiedet. Haben die Bürger etwas davon?

Küchenhof: Ja. Die Bürger bekommen eine Richtschnur an die Hand, wie sich Schenefeld entwickeln soll. Das Leitbild ist auch interessant für Menschen, die sich über Schenefeld informieren wollen, einen Zuzug erwägen. Sie sehen, dass sich die Stadt Gedanken darüber macht, wie sie in Zukunft aufgestellt sein möchte. Das Leitbild wird aber auch Einfluss auf die Entscheidungen der Politik und das Handeln der Verwaltung haben. Das Leitbild bietet allen Verantwortlichen Orientierung.

Die Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplans wurde am Ende doch von der Politik abgeschmettert. Was bedeutet das für die Entwicklung der Stadt?

Küchenhof: Wir können uns nur in den bisher festgesetzten Grenzen bewegen. Zusätzliche Flächen für eine Entwicklung stehen nicht zur Verfügung. Ich hätte mir gewünscht, dass der Stadt rund um das XFEL-Gelände noch Entwicklungsmöglichkeiten für Gewerbeansiedlungen gegeben werden. Das ist zurzeit nicht der Fall.

Der Rechtsstreit um das anhängige Bürgerbegehren zum Erhalt des Landschaftsplans wird in diesem Jahr entschieden. Die Bürgerinitiative wirft der Stadt ein Spiel auf Zeit vor, um einen Bürgerentscheid am Tag der Europawahl zu verhindern. Nehmen Sie den BI-Mitstreitern diese Angst doch mal.

Küchenhof: Ich weiß überhaupt nicht, worauf sich diese Angst gründet. Die Unterstellung der BI ist schlichtweg falsch. Wenn es zu einem Bürgerentscheid kommt, dann wird die Stadt alles dafür tun, dass er am Tag der Europawahl stattfindet. Das spart Kosten, so sind zum Beispiel alle Wahllokale mit Wahlvorständen besetzt. Im Übrigen setze ich darauf, dass die Ratsversammlung dem Bürgerbegehren abhilft und eine Entscheidung im Sinne der Bürgerinitiative trifft.

Sie haben beschlossen, dass die 2538 Stimmen jetzt doch ausgezählt werden, obwohl die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens noch gar nicht geklärt ist. War das ein Entgegenkommen an die BI?

Küchenhof: Ja, das war es indirekt auch. Weitere Diskussionen bringen uns nicht weiter. Ich habe so entschieden, auch wenn die Reihenfolge eigentlich falsch ist und als erstes das Verwaltungsgericht über die Zulässigkeit hätte entscheiden müssen.

Schenefeld ist Deutschlands energieeffiziente Musterkommune. Fürchten Sie nicht, dass Sie am Ende des dreijährigen Projektes ein ganzes Maßnahmenbündel vorliegen haben, das sie dann aber nicht finanzieren können?

Küchenhof: Nein, überhaupt nicht. Die Schenefelder Politik hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sie sehr realistisch an die Umsetzung von Projekten herangeht. Das sieht man auch daran, dass es keinen Investitionsstau beispielsweise an den Schulen oder öffentlichen Gebäuden gibt. Außerdem können wir auch mit kleinen Schritten große Fortschritte machen.

Sie haben sich persönlich sehr stark dafür eingesetzt, 2014 wieder ein SHMF-Konzert in die Stadt zu holen. Warum?
Küchenhof: Nach dem Rückzug des Kulturvereins hat auch die Stadt überlegt, was sie zur Bespielung des Forums beitragen kann. Das Schleswig-Holstein Musik Festival ist ein kultureller Leuchtturm.

Was wünschen Sie sich 2014 für die Stadt Schenefeld?
Küchenhof: Ich wünsche mir weiterhin eine gute Zusammenarbeit zwischen der Politik und den Mitarbeitern der Verwaltung. Ich wünsche mir, dass es von Seiten einiger Bürger weniger Misstrauen gegenüber der Verwaltung gibt. Wir haben nichts zu verbergen, und wir verbergen nichts. Ich stelle schon fest, dass es immer wieder ungerechtfertigte Vorwürfe und Unterstellungen gibt. Das fördert nicht die Motivation der Mitarbeiter.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 16:00 Uhr

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