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„Das ist eine gigantische Aufgabe“ : Robert Habeck spricht in Schenefeld über die Energiewende

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Schleswig-Holsteins Umwelt- und Energiewendeminister setzt auf die Kommunen.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2016 | 13:00 Uhr

Schenefeld | Draußen, auf dem Parkplatz vor dem Rathaus, stand sein Dienstwagen – mit Verbrennungsmotor. Drinnen, im Ratssaal, entwarf er die Vision der Elektromobilität. „In zehn Jahren werden 70 bis 80 Prozent der Neuzulassungen E-Mobile sein. Mein Nachfolger wird dann mit dem Elektroauto zu Ihnen kommen.“ Schleswig-Holsteins Umwelt- und Energiewendeminister Robert Habeck in Schenefeld: Eloquent, fachkundig und leidenschaftlich warb er dafür, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu gehen, die nächste Phase der Energiewende einzuläuten. „Wir müssen den Mut aufbringen, voranzugehen.“

Der 46 Jahre alte Grünen-Politiker kam an – auch bei den Zuhörern, die im heimischen Schrank ein andersfarbiges Parteibuch stehen haben. Der Energiewendeminister und Schenefeld als Energieeffiziente Kommune: Diese Kombination passte. Die Stadt hatte ihn eingeladen, um über die Kommunen als „Vorreiter der Energiewende“ zu sprechen. Den Städten und Gemeinden wies Habeck eine große Bedeutung zu, wenn es darum gehe, Stadtteile zu planen, vor Ort Quartiere zu entwickeln, Wärmeversorgungssysteme aufzubauen, Energieeffizienz mitzudenken und umzusetzen. So wie Schenefeld.

Ausstieg aus den fossilen Energieträgern. Den Kohlendioxidausstoß bis 2050 um mindestens 80 Prozent verringern: Habeck sprach von einer gigantischen Aufgabe. „Und wir haben noch 90 Prozent des Weges vor uns, den wir in 35 Jahren zurücklegen müssen.“ Der Minister schloss auch nicht aus, dass man sich am Ende vielleicht „ehrlich machen müsse, und sagt, das schaffen wir nicht“.

Aufgeben ist seine Sache aber nicht: Habeck glaubt, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien gelingen kann. „Wenn die Mehrheit der Menschen es will, wird die Energiewende gelingen.“ Die Politik dürfe nichts von oben verordnen, der gesellschaftliche Konsens sei das Entscheidende. „Es bringt nichts, wenn wir Windräder nur unter Polizeischutz aufstellen können“, sagte Habeck und spielte damit auch auf die massiven Proteste und Auseinandersetzungen zwischen Staat und Bürgern beim Bau der Atomkraftwerke an. „Ich bin Mitglied der Endlager-Kommission für den Atommüll. Das Lager, das wir suchen, ist für eine Million Jahre gedacht.“ Ein Raunen ging durch den Ratssaal. Verantwortliches Handeln und Atomenergie: Für Habeck nicht vereinbar.

Die Energiewende politisch vorantreiben: Habeck nannte Beispiele, wie das funktionieren könne. In Dänemark würden bereits 50 Prozent der Wärme aus erneuerbarer Energie entstehen. In Deutschland seien es neun Prozent. Dänemark habe beschlossen, dass kaputte Ölheizungen nicht durch neue ersetzt werden dürfen. In Norwegen sollen ab 2025 Verbrennungsmotoren für Autos nicht mehr zugelassen werden.

Den Weg, den Schenefeld eingeschlagen hat, bezeichnete der Minister als vorbildlich. „Wir werden nicht die Welt retten. Aber wir wollen unseren Teil beitragen und hoffen darauf, viele Nachahmer zu finden“, betonte Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof – und sprach dem Kieler Energiewendeminister damit wohl aus dem Herzen.

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