Schenefeld : Projekt „Total sozial“ - Anmeldezahlen übersteigen Plätze

16 Schüler der Gemeinschaftsschule verbrachten eine Stunde pro Woche bei einem Bewohner der Seniorenresidenz, um mit ihm zu spielen, zu reden oder spazieren zu gehen.
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16 Schüler der Gemeinschaftsschule verbrachten eine Stunde pro Woche bei einem Bewohner der Seniorenresidenz, um mit ihm zu spielen, zu reden oder spazieren zu gehen.

16 Schüler erhalten Urkunden für ehrenamtliches Engagement bei der Seniorenresidenz Rüpcke.

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29. Januar 2015, 12:00 Uhr

Schenefeld | Ein halbes Jahr lang, jeweils für eine Stunde in der Woche am Nachmittag, hat Sascha (10) in der Seniorenresidenz vorbeigeschaut. Dort las er den Menschen im Alter von durchschnittlich 88 Jahren vor, spielte mit ihnen Gesellschaftsspiele und begleitete sie zur Musiktherapie. „Ich könnte mir schon vorstellen, später einmal einen Beruf zu ergreifen, der mit alten Menschen zu tun hat“, sagt der Schüler der Schenefelder Gemeinschaftsschule (GGS). Es bringe ihm „Spaß, alten Menschen zu helfen“.

Gemeinsam mit 15 weiteren Schülern engagierte sich Sascha im Zuge des nun schon seit vier Jahren bestehenden GGS-Projekts „Total sozial“. Bürgermeisterin Christiane Küchenhof belohnte die Teilnehmer gestern mit einer Urkunde für ihren Einsatz im Seniorenheim Inge Rüpcke. Küchenhof ist die Vorsitzende des Rats für Kriminalprävention, der das Projekt entwickelte. „Es ist toll, dass junge Menschen sich um ihre älteren Mitbürger kümmern“, lobte die Bürgermeisterin. Soziales Engagement sei nicht nur bedeutend für die Gesellschaft, sondern präsentiere die Jugendlichen zudem bei ihrem späteren Arbeitgeber in einem positiven Licht.

Konrektorin Stefanie Wahl freute sich darüber, wie häufig sich zwischen jüngeren und älteren Menschen Konstellationen ergäben, die einfach „optimal“ passten. Franziska (11) schaute etwa immer „sehr gerne bei Frau Zimmermann“ vorbei. Irgendwann rannte sie dann nach oben ins Zimmer und musste erfahren, dass die liebenswerte ältere Dame verstorben war. „Die Mädchen haben furchtbar geweint“, sagt Wahl. Sie seien aber sofort bereit gewesen, die Verantwortung für einen weiteren älteren Menschen zu übernehmen. Die Senioren erzählen den Schülern gerne aus ihrer eigenen Kindheit, berichten ihnen, welche Spiele sie auf der Straße gespielt haben und wie der Schulalltag vor vielen Jahrzehnten aussah.

„Die Erfahrungen, die die Schüler sammeln, sind einmalig“, brachte es Schulleiterin Ina Baumert auf den Punkt. Gerade in der heutigen Zeit seien die Familien kleiner geworden. Zahlreiche Schüler hätten sonst keinerlei Kontakt zu Senioren. Die Mädchen und Jungen verlören ihre Hemmschwelle vor älteren Menschen. „Kinder wie Erwachsene gehen aus den Treffen häufig sehr glücklich hervor“, ergänzt Konrektorin Wahl. Sie gab das Konzept von „Total sozial“ auf Anfrage bereits an Kollegen anderer Schulen weiter.

Spielen, spazieren gehen, Gesellschaft leisten – mit solchen Aktivitäten unterstützten die Schüler die älteren Menschen. In diesem Jahr schauten an fünf Tagen in der Woche jeweils vier Kinder vorbei. Jedes Mal übersteigt die Zahl der Anmeldungen die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze laut Wahl um ein Vielfaches. Häufig schauten auch die Eltern in der Schule vorbei, um sich für die Projektteilnahme ihres Kindes einzusetzen. Es soll in diesem Jahr wieder so geregelt werden, dass im Sommer Schüler zum Zug kommen, die auf der Warteliste stehen. Seit Beginn der Aktion „Total sozial“ haben sich bereits 120 Schüler für ihre älteren Mitmenschen eingesetzt.

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