Unterkunft für Besuch aus Luninez gesucht : Profi-Musikerinnen brauchen Schlafplätze in Schenefeld

Die Organisatoren Thomas Stamer (links), Arno Holzhauer und Erika Kassel hoffen auf weitere Gastfamilien.
Die Organisatoren Thomas Stamer (links), Arno Holzhauer und Erika Kassel hoffen auf weitere Gastfamilien.

Das Lehrerorchester und 30 Kinder aus Luninez kommen bald nach Schenefeld. Konzert am 18. August.

shz.de von
28. Juni 2018, 14:40 Uhr

Schenefeld | Als am 26. April 1986 im Atomkraftwerk Tschernobyl die tödliche Kettenreaktion einsetzt, die Geschichte geschrieben hat, feiern beim Stadtfest in Luninez – etwa 200 Kilometer entfernt – die Menschen im Freien. Verseuchter Regen, der auf die weißrussische Stadt regnet, wird schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben – nicht nur in Luninez. Wie viele Menschen durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bislang starben, ist umstritten. Fest steht, dass die Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle stark zugenommen hat und dass viele Todesopfer zu beklagen sind.

Das Unglück hat die Welt erschüttert: Im Kernkraftwerk wird infolge von mehreren Explosionen die über tausend Tonnen schwere Abdeckplatte des Reaktorkerns abgesprengt. Das Dach des ganzen Gebäudes reißt auf. Der Meiler liegt nun offen da. Radioaktives Material fliegt hunderte Meter in die Luft, brennende Brocken lösen weitere Brände aus. Das Dach brennt. Kurz danach fällt die Notstromversorgung aus. Die Mitarbeiter verlassen in Panik das Areal. Rund um das einst explodierte Kernkraftwerk sind noch immer riesige Gebiete radioaktiv so stark belastet, dass sie bis heute nicht bewohnbar sind.

Freundschaften und Städtepartnerschaft gewachsen

Hervorgerufen durch das Tschernobyl-Unglück startete im Januar 1992 der erste Hilfskonvoi von Schenefeld nach Luninez, der eine Reihe von weiteren Aktionen auslöste. Seitdem sind viele enge Freundschaften und eine Städtepartnerschaft entstanden.

Das Lehrerorchester aus Luninez besucht Schenefeld.
Musikschule Luninez
Das Lehrerorchester aus Luninez besucht Schenefeld.
 

Nun steht der nächste Besuch aus Weißrussland an: 30  Kinder werden zu einem Erholungsaufenthalt nach St.  Peter Ording eingeladen. Vom 20. Juli bis zum 10. August sind die Mädchen und Jungen in Schleswig-Holstein zu Besuch. Danach bringen die Organisatoren die Kinder zurück nach Weißrussland und nehmen von dort das Lehrerorchester der Musikschule Luninez wieder mit nach Schenefeld. Von den 26  Frauen sind bisher 18 untergebracht. Deshalb braucht die Arbeitsgruppe Luninez, bestehend aus Thomas Stamer, Arno Holzhauer und Erika Kassel, dringend Freiwillige, die bereit sind, Musikerinnen bei sich zu Hause aufzunehmen. Es geht um den Zeitraum zwischen dem 13. und den 20. August.

Kommunikation sei kein Problem

Potenzielle Gastfamilien oder Alleinstehende müssen nicht befürchten, dass sie Russisch können müssen. Einige der Frauen sprechen sogar Deutsch. Die meisten Musikerinnen beherrschen die englische Sprache. Die Kommunikation sei heute kein Problem mehr, sind sich die Organisatoren einig. Immer wieder betont Kassel die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen aus Weißrussland. „Es geht uns um die zwischenmenschlichen Beziehungen“, sagt Kassel. Viele Menschen seien voreingenommen oder zumindest zurückhaltend gegenüber Weißrussland und Russland, glaubt auch Holzhauer. Erst durch den persönlichen Kontakt könnten diese letztlich ganz abgebaut werden.

Am Samstag, 18. August, ist ein großes Konzert im Forum geplant. Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten. Beginn ist um 18 Uhr. Stahmer betont im Gespräch mit unserer Zeitung die „unfassbar hohe Qualität“ der musikalischen Beiträge. „Dieses Orchester braucht sich nicht zu verstecken“, sagt Stahmer.

Holzhauer nimmt die Anmeldungen von weiteren Gastfamilien entgegen. Er ist erreichbar unter Telefon (040) 8 30 67 19.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen