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Mit Kommentar: Theater an der Gemeinschaftsschule : Prävention zum Thema Übergriffe: Wo hört der Spaß auf?

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Dieses schwierige Thema behandelt das Theaterstück ,,EinTritt ins Glück“, das in der Gemeinschaftsschule Achter de Weiden in Schenefeld gezeigt worden ist.

Schenefeld | Erste Flirtversuche, durchgetanzte Nächte und Pickel: Die Pubertät ist eine Zeit voller Veränderungen und Unsicherheit. Hinzu kommen dann häufig noch die ersten sexuellen Erfahrungen, bei denen eine gesunde Beziehung zum eigenen Körper entscheidend ist. Auf diesem schwierigen Terrain kommt es unter Jugendlichen nicht selten zu Übergriffen und Grenzverletzungen. Was ist noch Flirten? Wo beginnt der Missbrauch? Wie gehe ich damit um?

Dieses schwierige Thema behandelt das Theaterstück ,,EinTritt ins Glück“, das gestern in der Gemeinschaftsschule Achter de Weiden in Schenefeld gezeigt worden ist. Der Verein Wendepunkt aus Elmshorn hat die Aktion gemeinsam mit der Präventionsbeautragten der Schule, Carola Prochnow, möglich gemacht. Vier Schauspieler von der Theaterpädagogischen Werkstatt in Osnabrück zeigten, was passiert, wenn aus Spaß Ernst wird.

,,EinTritt ins Glück“ handelt von den vier Jugendlichen Paul, Ole, Alex und Sarran. Sarran und Ole lernen sich im Chat kennen und verlieben sich ineinander. Beide sind der Meinung, für das erste Mal sollte man „auf den Richtigen“ warten. Alex und Paul sehen das Ganze lockerer. Die Vorstellungen des Quartetts unterscheiden sich deutlich. Von: „Hauptsache, ich krieg’ eine zum Poppen“ bis „Es muss kribbeln im Bauch“. Als Paul schließlich von Alex abgewiesen wird, vergreift er sich an Sarran und zwingt diese zum Sex. Er droht damit, allen zu sagen, sie hätte es auch gewollt, sollte sie jemandem von der Vergewaltigung erzählen. Sarran zieht sich daraufhin zurück und fühlt sich schuldig.

Waren beeindruckt von der schauspielerischen Leistung: Leon C. (von links), Leon F., Josie und Lara.
Waren beeindruckt von der schauspielerischen Leistung: Leon C. (von links), Leon F., Josie und Lara. Foto: Tanja Plock
 

Die Theatertruppe führt das Stück seit fünf Jahren regelmäßig vor Schülern der Klassen 7 bis 10 auf. Im Anschluss gibt es in den einzelnen Klassen Workshops, bei denen die Schauspieler gemeinsam mit den Schülern das Gesehene reflektieren – so auch in Schenefeld.

Die Jugendlichen zeigten sich beeindruckt von der Darstellung. „Ich fand es spannend und gut gemacht“, sagte Leon C. (14). „Ich finde es wichtig, dass diese Themen angesprochen werden.“ Sein Kumpel Leon F. (14) ergänzte: „Es war nicht langweilig. Man konnte sich das gut vorstellen.“ Josie (13) und Lara (14) fanden es gut, dass solch ein Stück in ihrer Klasse gezeigt und die Wichtigkeit des Themas deutlich wurde.

Dirk Jacobsen, Kira Ziegler und Dennis Blauert vom Wendepunkt Elmshorn stellten sich und den Verein, der sich für Respekt und Gewaltfreiheit in Erziehung, Partnerschaft und Sexualität einsetzt, nach der Aufführung vor. Es gebe auch ein Beratungsangebot in Schenefeld, betonten sie, an das sich betroffene Jugendliche wenden können.

Kommentar: Nicht mehr zeitgemäß

Die Idee, sexuellen Missbrauch zum Thema eines sozialkritischen Theaterstücks zu machen, ist genial und kam bei den Jugendlichen  gut an. Auch die Präsentation der Schauspieler war überzeugend. Jedoch passt das Stück, so wie es ist, nicht mehr in die heutige Zeit. Eine Lovestory im Chat-Room ohne Fotos gab es zur Jahrtausendwende – heute geben Apps wie „Tinder“ den Ton beim Flirten an. Auch bei Sprache und Musik hätten die Verantwortlichen aktuellere Beispiele wählen und sich an der Jugend von heute orientieren sollen. Zudem wären etwas weniger Klischees (Mädchen stylen sich den ganzen Tag und Jungs gucken Pornos) näher an der Realität gewesen. (Tanja Plock)

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erstellt am 02.Jun.2017 | 16:00 Uhr

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