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Schenefelder auf großer Tour : Pilgermarsch ans Ende der Welt

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Von den Pyrenäen bis zum Kap Finisterre: Margot und Jörg Evers wanderten 700 Kilometer auf dem Jakobsweg.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Sie waren dann mal weg: Jörg und Margot Evers haben ihre Leben in einem kleinen Schenefelder Einfamilienhaus für fünf Wochen unterbrochen und sind auf dem Jakobsweg gewandert. 700 Kilometer lief das Paar von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela und weiter ans Ende der Welt – so die deutsche Übersetzung von Kap Finisterre, dem Endpunkt ihrer Reise. Unterwegs kämpften sie gegen ihre schmerzenden Füße, schliefen in Sälen mit bis zu 160 Pilgern, tranken Rotwein aus einem Brunnen und lagen sich in Santiago vor Freude mit wildfremden Menschen in den Armen.

„Das Ziel war nicht wichtig“, sagt Jörg Evers, „sondern jeden Tag zu gehen.“ Seine Frau sieht das genauso: „Übersetzt für das alltägliche Leben bedeutet dies, immer weiterzumachen“, erläutert Margot Evers. „Der Weg macht einen leer – er befreit von Sorgen, Ängsten, Zweifeln.“ Für den 60-Jährigen hatte diese Reise zudem eine weitere wichtige Bedeutung: „Ich bin damit quasi in den Ruhestand gerutscht“, berichet der ehemalige Kriminalhauptkommissar und Fraktionsvorsitzende der Offensive für Schenefeld.

Auch seine Frau, Masseurin mit eigener Praxis, nahm sich parallel Zeit – und so starteten beide am 16. September. Sie kauften sich ihre Pilgerausweise und wanderten in die Pyrenäen. Dabei nahmen sie dieselbe Strecke, die Hape Kerkeling in seinem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ beschreibt. Über Pamplona, León und Astorga ging es bis nach Santiago und weiter an den Atlantik. „Meine Frau hatte schon lange die Idee, das zu machen“, erzählt Evers.

Der erste Tag sei dabei der schlimmste gewesen: „Es hat genieselt und geregnet“, berichtet er, dazu kamen die Steigungen in den Bergen. „Es war gigantisch schlecht, Schmerzen überall, aber das gehört dazu und ist jetzt vergessen“, so die 48-Jährige.

Interessant seien für ihn vor allem die Landschaften gewesen, so der Kommunalpolitiker. „Erst ging es mehrere Tage nur durch Weinfelder, dann wieder tagelang nur durch Weizenfelder.“ An einer Weinkellerei tranken sie aus einem Weinbrunnen, um sich zu stärken. Unterwegs besuchten sie Messen, ließen keine Kirche aus, aber: „Religiös sind wir nicht“, sagen sie. Beide waren nicht auf der Suche nach Gott, sondern nach Einsamkeit. Zudem wollten sie schauen, ob sie es schaffen, ohne die Annehmlichkeiten des modernen Lebens auszukommen.

Unvergessen bleibt für beide eine Strecke im Nordwesten Spaniens: „Um 14 Uhr erreichten wir die erste Herberge, die war bereits voll. Um 16 Uhr kamen wir an der zweiten Herberge an, auch diese war bereits voll.“ Erst in der dritten Unterkunft und nach 38,5 Kilometern fand das Paar freie Betten. Zum Vergleich: Eine normale Tagesetappe hat eine Länge von etwa 24 Kilometern. Nur das Nötigste hatten die beiden dabei: Kleidung für zwei Tage, einen Schlafsack und Waschzeug. „Sieben bis acht Kilo waren das, mit Verpflegung wog der Rucksack um die zehn Kilo“, erzählt der 60-Jährige.

Die Herbergen, in denen sie schliefen, waren zum Großteil umgebaute Bauernhäuser, so Evers. Die Doppelstockbetten seien dabei höchst verschieden gewesen. Manchmal gab es Trennwände – manchmal nicht. „Wenn man Pech hatte, war der Kopf da, wo der andere die Füße hatte“, erläutert er. Anfangs habe er arge Zweifel gehabt, ob er in den Unterkünften überhaupt schlafen könne, aber seine Bedenken zerstreuten sich schnell: „Ich war abends so müde, ich bin immer um 9 Uhr eingeschlafen.“ Auch was die Toiletten angeht, dürfe man nicht zimperlich sein, sagt Evers.

In Santiago de Compostela nahmen beide ihre „Compostela“ in Empfang – eine Urkunde, die ihnen das Ende des Pilgermarsches bescheinigt. Von dort wanderten sie noch etwa 90 Kilometer bis zum Kap Finisterre. „Das war der größte Moment“, sagt Evers. „Ich komme über den letzten Hügel und sehe den Atlantik.“

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