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Kunstkreis in Schenefeld : Perspektiven einer jungen Malerin

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Sonderausstellung für Nora Twest (16) in Schenefeld. Auch Fotografien dienen ihr als Vorlagen. „Zu Hause sind alle Wände voll“.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Schenefeld | Nora Twest war merklich aufgeregt. Sie fummelte an ihrem Manuskript herum und immer wieder strich sie nervös mit der Hand über ihre Haare. Ein Menschenauflauf umwogte sie und immer noch strömten mehr Leute in die kleine Galerie des Kunstkreises im Stadtzentrum. Die Vernissage von Noras Ausstellung stand bevor. Die 16-jährige selbst sollte die Einführungsansprache halten. Kunstkreis-Chefin Ursula Wientapper beschränkte sich auf wenige Begrüßungsworte.

In der Galerie im Stadtzentrum fördert der Kunstkreis seine Nachwuchskünstler. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 16 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Nora Twest ist jüngstes Kunstkreis-Mitglied. Ihre Bilder sind bis zum 28. Mai zu sehen.

Als die junge Malerin dann das Wort ergriff, war alle Aufregung verflogen. Souverän und sehr amüsant schilderte sie ihren künstlerischen Werdegang und die Entstehungsgeschichte ihres Projekts „Menschen aus einer anderen Perspektive“, dessen Ergebnisse bis zum 28. Mai zu sehen sind. Zusätzlich würzte Nora ihren Vortrag mit lustigen Anekdoten zu fast jedem ausgestellten Bild.

Eines davon hatte sie bereits im Alter von zwölf Jahren mit Acrylfarben auf Papier gebannt. Drei Männer essen Fisch, und zwar an einem Klapptisch auf der Straße. Zu sehen sind die Haare der Herren, in einem Fall auch eine Glatze, dann ihre Schultern, die Hände, die Teller vor ihnen. Noras Großmutter Ingrid Peters, von der Malerin liebevoll Momi genannt, hatte das Motiv beim Hamburger Hafengeburtstag entdeckt und von der Straßenüberführung zwischen S-Bahnhof und Landungsbrücken herab ein Foto geknipst. „Das muss ich malen“, war Noras Reaktion bei dessen Anblick. Damals war sie schon zwei Jahre lang Schülerin von Marianne Elliott-Schmitz im Kunsthaus.

Von da an war Nora auf Motivjagd. Es ging um „Menschen von oben“. Treppenhäuser boten ihr die nötigen Perspektiven oder auch Wanderungen an steilen Küsten. Manche Rolltreppe fuhr sie so lange rauf und runter, bis sie das perfekte Bild vor Augen hatte. Ein andermal fehlte ihr im Treiben auf einer Straße unter ihr ein Radfahrer. Also wartete sie geduldig auf der Fußgängerbrücke, bis ihr einer unter die Linse radelte. Zu Hause oder im Malunterricht wurde aus dem Foto dann das Gemälde, immer häufiger auch auf Leinwand.

Aber Nora fotografiert nicht nur von oben herab. In London machte sie sich einen Spaß daraus, die Kehrseiten der Leute aufzunehmen, die vor ihr spazierten. Auf einem der Tische lag ein pralles Album mit den Ergebnissen.

Was tut sie mit all den Bildern? Zu Hause sind alle Wände voll, verrieten ihre Eltern. „Ich verkaufe sie auch ganz gerne“, fügte Nora geschäftstüchtig hinzu. Die stolze Oma „Momi“ hatte jedenfalls all ihre Freundinnen in der Galerie versammelt. Noras Klassenkameraden aus der Waldenauer Schülerschule outeten sich ebenfalls als Fans. Lynn Wieckmann war dabei, ebenso Florian Abromeit, der sich inzwischen von Nora das Malen beibringen lässt.

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