zur Navigation springen

„Von großer Dankbarkeit erfüllt“ : Pastor in Schenefeld geht mit 65 Jahren in Rente

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Pastor Paul Otterstein geht in den Ruhestand. 21 Jahre lang hat er sich für die Paulskirchengemeinde engagiert.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 12:30 Uhr

Schenefeld | Sein Blick geht zum Himmel, zu den dunklen, Regen verkündenden Wolken. An das norddeutsche Schmuddelwetter musste er sich gewöhnen. „Ich habe lange im Sonnenstaat gelebt, in Kalifornien.“ Er lacht. Die USA: Hier wurde er geboren, ist er aufgewachsen, hat er studiert und als Pastor gearbeitet. Schenefeld, die Paulskirchengemeinde: Hier hat er sein privates und berufliches Glück gefunden. Hier ist er sesshaft geworden, hat eine Familie gegründet. 21 Jahre lang hat sich Paul Otterstein in Schenefeld als Seelsorger engagiert. Mit 65 Jahren wird er am Sonntag feierlich in den Ruhestand verabschiedet. „Ich bin von großer Dankbarkeit erfüllt“, sagt der Pastor.

Die Liebe hat ihn nach Deutschland geführt. Seine Frau Kerstin heiratete er 1992. „Wir hatten uns im November auf einer Pastorenkonferenz in den USA kennen gelernt. Im Mai war Hochzeit“, sagt Otterstein. Er ließ sein Leben in den USA hinter sich – und landete mit seiner Frau in Schenefeld. Gemeinsam übernahmen sie die Paulskirchengemeinde – bis zum heutigen Tag. Die deutsche Sprache zu lernen, bezeichnet er rückblickend als eine der größten Bereicherungen in seinem Leben. „Dadurch habe ich viel über mich selbst gelernt.“

Die Paulsgemeinde ist ihm richtig ans Herz gewachsen. „Wir sind eine sehr junge Gemeinde.“ Die Arbeit mit Jugendlichen war immer ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Mehr als 1000 Konfirmanden hat er unterrichtet, Wege zu Gott, Wege ins Leben aufgezeigt. „Mir war es wichtig, für die Jugendlichen einen Anfang zu schaffen, auf dem sie aufbauen können“, betont der Pastor.

Otterstein ist ein Familienmensch. Seine drei Kinder sind zweisprachig aufgewachsen. Sein Akzent ist noch schwach zu hören. In den Ferien ging es immer für vier Wochen in die USA. „Das war für uns fast ein zweiter Wohnsitz.“ Was er in Deutschland vermisst hat? „Mein Lieblingsmüsli. Das habe ich mir aber besorgt.“

Pastor Paul Otterstein wird am Sonntag, 11. Oktober, von Propst Thomas Drope von seinen Aufgaben entpflichtet. Gleichzeitig feier er sein 40-jähriges Ordinationsjubiläum (Einsegnung als Pastor). Der Gottesdienst in der Paulskirche, Gorch-Fock-Straße, beginnt um 11 Uhr.

Pastor als Beruf: Nein, eine Berufung war es für Otterstein nicht, obwohl er aus einer sehr kirchennahen Familie stammt, ein gläubiger Mensch war. Der Gottesdienst am Sonntag war Pflicht und Treffpunkt zugleich. „Eines habe ich mit Martin Luther gemeinsam: Auch mein Vater wollte, dass ich Anwalt werde“, erzählt der 65-Jährige. Er hatte damals auch angefangen, Jura zu studieren, wechselte nach drei Jahren zur Theologie. „Die Gewissheit, das Richtige zu tun, kam aber erst während meines Vikariats.“ Sie ist bis heute geblieben.

Der Gottesdienst ist für Otterstein immer noch der Mittelpunkt des Gemeindelebens. Er hat immer Wert darauf gelegt, ihn lebendig zu gestalten, nicht in Ritualen zu ersticken. Zehn Jahre lang hat er seine Predigten ausschließlich auf Deutsch gehalten – bis zum ersten Adventssonntag im Jahr 2004. Dann konnte er wieder in seiner Heimatsprache predigen. Otterstein hatte die internationale Gemeinde ins Leben gerufen. Der Gottesdienst mit anschließender „coffee hour“ wurde in Hamburgs Westen zur Anlaufstelle für Menschen aus aller Herren Länder. „Nie ist ein englischsprachiger Gottesdienst ausgefallen“, betont Otterstein.

Ob es ihm schwer fällt, loszulassen? Er überlegt einen Moment. „Ich freue mich darauf, mehr Zeit zu haben“, lautet die Antwort. Doch Paul Otterstein wird weiter da sein für seine Gemeinde, mithelfen, aushelfen, einspringen – wenn es nötig ist.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen