Parksünder immer aggressiver

Gefährliches Knöllchen: Immer mehr Parksünder zeigen ein aggressives Verhalten. Foto: pt
Gefährliches Knöllchen: Immer mehr Parksünder zeigen ein aggressives Verhalten. Foto: pt

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22. Juli 2013, 11:54 Uhr

Schenefeld | Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes wird eine Stunde lang quer durch die Stadt verfolgt. Die "Knöllchen"-Schreiber werden verbal auf das Übelste beschimpft, angefasst, auch mal geschubst. Axel Hedergott, Chef des Ordnungsamtes, wurde mehrfach bedroht. "Das alles macht uns Angst", sagt Hedergott. Er schlägt Alarm. "Die Aggressivität von Parksündern ist erschreckend. Viele lassen jeden Respekt vermissen", bilanziert der Amtsleiter. Die Zahl der "Übergriffe" auf Mitarbeiter habe zugenommen.

Seit 2010 ist Schenefelds "Knöllchen-Polizei" fast täglich im Stadtgebiet unterwegs, überwacht den ruhenden Verkehr. Im vergangenen Jahr wurden 3261 Verstöße festgestellt. Die Einnahmen für die Stadt lagen bei 74 039 Euro. Abzocke der Bürger: Mit diesem Vorwurf wird das Rathaus immer wieder konfrontiert.

"Wir machen keine Jagd auf Parksünder", betont Bürgermeisterin Christiane Küchenhof zum wiederholten Male. Aber die Straßenverkehrsordnung gelte auch in Schenefeld. Immer wieder werden Feuerwehrzufahrten versperrt, Behindertenparkplätze ohne Berechtigung genutzt, Fahrzeuge entgegen der Fahrtrichtung abgestellt, am besten noch halb auf dem Radweg. Da schreitet die Stadt rigoros ein.

Auch Küchenhof wird immer wieder mit renitenten Parksündern konfrontiert. Ehrenamtlich Tätige üben offen Druck aus, drohen damit, ihren Job hinzuschmeißen, wenn die Verwarnung nicht zurückgenommen wird. Per Mail wird die Bürgermeisterin aufgefordert, sich um andere Aufgaben zu kümmern, und die Bürger nicht mit Bußgeldern zu belästigen. Ertappte glauben, dass sie dem Strafzettel entkommen können, weil sie seit 40 Jahren ordentlich ihre Steuern bezahlen. Vergeblich: "Es gibt keine Ausnahmen. Alle Bürger werden gleich behandelt", sagt die Bürgermeisterin.

Im Umkreis des Rathauses herrschte im Jahr 2011 aufgrund des Anbaus am "Stadtzentrum" ein regelrechtes Parkplatzchaos. Die Parkmöglichkeiten wurden zeitlich befristet. Daran will Küchenhof auch nach der inzwischen erfolgten Fertigstellung des Anbaus festhalten. "Sonst stehen hier ganz schnell wieder die Pendler und Mitarbeiter des Stadtzentrums."

Im ersten Halbjahr 2013 hat die Stadt 935 schriftliche Verwarnungen und 299 Bußgeldbescheide erteilt sowie 119 Vollstreckungsersuchen beantragt. Die Einnahmen für die Stadt lagen bis zum 9. Juli bei 38 777 Euro. Hedergott beklagt ein zunehmend fehlendes Unrechtsbewusstsein: "Der Fehler wird nicht bei sich selbst gesucht. Die Schuld wird der Stadt in die Schuhe geschoben." Immer mehr Parksünder gehen inzwischen lieber tageweise ins Gefängnis, als ihren Strafzettel zu zahlen. Allein in den ersten drei Monaten 2013 hat die Stadt 20 Erzwingungs haft anträge gestellt. 2012 waren es insgesamt 54.

Küchenhof und Hedergott appellieren an die Bürger, sich an die Straßenverkehrsordnung zu halten. Sie stellen sich aber auch schützend vor ihre Mitarbeiter. Verbale und körperliche Gewalt sei nicht hinnehmbar. "Bisher haben wir von Anzeigen abgesehen. Das ist für uns die letzte Option", sagt Küchenhof.

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