Parkplätze wichtiger als Anwohner?

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Nach der umstrittenen Aldi-Entscheidung: Betroffene hoffen, dass Versprechen eingehalten werden / Scharfe Kritik von BfB und Grünen

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30. Mai 2015, 16:50 Uhr

Verloren: Nach der Entscheidung für den Aldi-Neubau direkt vor ihren Wohnhäusern (siehe Grafik, Variante I) stürmten die Anwohner nach draußen – enttäuscht, verbittert, erregt. Doch nur wenige Minuten später richtete sich der Blick schon wieder nach vorn. „Wir müssen aufpassen, dass die Versprechungen, die Aldi gemacht hat, auch eingehalten werden“, sagte Anwohner Jens Kaufmann. „Wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen“, ergänzte eine Nachbarin. Ein Rechtsanwalt solle hinzugezogen werden. Die Anwohner fürchten die Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Keine Frage: In dem monatelangen Gezerre um den richtigen Standort für den Discounter an der Friedrich-Ebert-Allee hat Aldi Zugeständnisse gemacht. Der Abstand zur Wohnbebauung soll auf fünf Meter erhöht werden. Das Gebäude ist nur noch 3,60 Meter hoch. Die Lärmschutzwand soll 2,50  Meter hoch sein. Aldi will geräuscharmes Pflaster für die Parkplätze verwenden. Laut Gutachter sollen sich die Lärmemissionen sogar verringern. „Den vorgelegten Gutachten schenken wir keinen Glauben“, sagt Nicole Benneke, Sprecherin der Anwohner.

Die Bagger werden anrollen, aber wohl erst im Herbst 2016. „Wir nehmen die Kritik der Bürger ernst und werden im weiteren Verfahren die Interessen der Anwohner berücksichtigen“, verspricht Schenefelds Stadtplaner Ulf Dallmann.

CDU, SPD und OfS stimmten für die Variante I, Grüne und BfB argumentierten für Variante II. Zwei Optionen: Für Grünen-Ratsherr Herbert van Gerpen keine Frage. In diesem Fall „müssen die Wünsche der Bürger“ berücksichtigt werden. Sie wurden es nicht. Fraktionskollege Mathias Schmitz kritisierte, dass das Stadtbild durch den großen Parkplatz an der Straße zerstört werde. Dass Aldi-Argument, dass bei der Variante II zu viele Parkplätze wegfallen würden, ließ Schmitz nicht gelten. „Nirgendwo in Schenefeld sind die Parkplätze 2,80 Meter breit.“ Beim Aldi-Bau vor neun Jahren habe sich die Politik bewusst für den Standort im vorderen Bereich entschieden.

BfB-Chef Manfred Pfitzner kritisierte die „riesige Parkplatzstraße“, die jetzt entstehen wird. Er warf der CDU vor, die Bürger sprichwörtlich im Regen stehen zu lassen. Die Partei habe eine „miese Panikmache“ betrieben. Der Aldi-Profit sei wichtiger als die Interessen der Bürger. Die SPD habe die Anwohner regelrecht vorgeführt, den Anliegern fälschlicherweise Mut gemacht. SPD und OfS begründeten ihre Entscheidung mit keinem Wort. CDU-Ratsherr Holm Becker sagte, dass es darum gegangen sei, das „Vernünftigste für die Anwohner herauszuholen“. Auch eine Wohnbebauung oder anderes Gewerbe wäre in dem Mischgebiet möglich gewesen.

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