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Schenefelder Tageblatt

18. Oktober 2017 | 20:46 Uhr

Nabu-Chef: "Jetzt erst recht"

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Schenefeld | Seit gut einem Jahr ist Stefan Friedrich Chef der Nabu-Gruppe Schenefeld-Halstenbek. 18 Mitglieder engagieren sich aktiv für den Natur- und Umweltschutz in der Stadt. Der Kahlschlag an der Düpenau - 434 Bäume und zahlreiche Hecken und Sträucher wurden gefällt - hat den 38-Jährigen geschockt. Das Verhältnis zur Stadt ist belastet. Doch Friedrich arbeitet für eine umweltpolitische Wende. Frage: Herr Friedrich, ist die Wut über den Kahlschlag inzwischen verraucht? Friedrich: Es hat lange gedauert, aber die Wut hat sich jetzt in enorme Motivation verwandelt, weiter für ein grünes Schenefeld zu kämpfen. Die Enttäuschung bleibt aber. Die Nabu-Gruppe hat offen von Auflösung gesprochen. Wollten Sie auch hinschmeißen? Aufgeben war für mich nie ein Thema. Mit so starkem Gegenwind habe ich jedoch nicht gerechnet, was mich jedoch nicht abschreckt. Aber es stimmt, viele ältere Mitstreiter, die seit Jahrzehnten für den Naturschutz in Schenefeld kämpfen, wollten nach diesem neuerlichen Nackenschlag aufgeben. Ich konnte sie zum Glück überzeugen, dass es sich lohnt, gerade jetzt weiter zu kämpfen. Sonst hätte es das Aus für den Nabu in Schenefeld bedeutet. Die Stadt verweist auf ein Baumgutachten. Die Forstbehörde spricht von einem ordnungsgemäßen Vorgang. Sie von einer Katastrophe für den Naturschutz. Haben Stadt und Nabu völlig unterschiedliche Sichtweisen beim Thema Natur- und Umweltschutz? Es scheint so. Bagger und Kettenfahrzeuge mögen in einem Wirtschaftswald normal sein, aber nicht in einem Renaturierungsgebiet mit Amphibienbestand. Das ist völlig unverhältnismäßig. Wenn der Nabu vorab informiert worden wäre, hätten Sie den Kahlschlag verhindern können? Wenn wir eine Aktion in diesem Ausmaß und mit so einer radikalen Vorgehensweise nicht verhindern könnten, hätten wir keine Daseinsberechtigung. Welchen Stellenwert genießt Ihrer Meinung nach Umwelt- und Naturschutz in Schenefeld? Sie haben keine große Bedeutung. Die Politiker interessierten sich bisher nicht dafür, dass Schenefeld bleibt womit es wirbt - die Stadt im Grünen. Das wird sich hoffentlich bald ändern. Die im Rat vertretenen Parteien haben zu dem Kahlschlag fast alle geschwiegen. Hat Sie das überrascht? Überhaupt nicht. Bei Umweltschutzthemen hat sich die Politik bisher immer rausgehalten. Ich habe das Gefühl, viele Stadtvertreter interessieren sich nicht für Naturschutz. Die Bürgermeisterin hat eine bessere Kommunikation zugesichert. Reicht das aus? Definitiv nicht. Uns wurde in der Vergangenheit viel zugesichert. Die Stadt ist bemüht, das erkennen wir an. Wir werden mündliche Aussagen nicht mehr akzeptieren. Wir wollen alles schriftlich haben, unseren Betreuungsvertrag erweitern und verfeinern. Wir wollen gemeinsam mit der Stadt ein Leitbild und einen Grünpflegplan erstellen. Fakt ist: Es fehlt im Rathaus an Fachleuten im Bereich Umwelt- und Naturschutz. Was wünschen Sie sich für die Zukunft in puncto Umwelt- und Naturschutz? Wünsche habe ich gar keine. Denn die müssen bekanntlich nicht in Erfüllung gehen. Ich habe aber Ziele, die ich hartnäckig verfolgen werde. Schenefeld ist im Wandel. Der Nabu möchte gemeinsam mit den Bürgern und der Stadt dafür sorgen, dass die Richtung geändert wird, dass Schenefeld wirklich zu einer lebenswerten Stadt im Grünen wird. Unsere Gruppe ist - leider auch durch die Kahlschlagaktion - größer und stärker geworden. Wir sind bereit und die Bürger können bei der Wahl ebenfalls das Ruder in die richtige Richtung drehen. Frischer Wind in der Politik kann sicher nicht schaden.

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