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Schenefelder Tageblatt

21. September 2017 | 17:57 Uhr

Schenefeld : Mordversuch an 90 Jahre alter Birke

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Der Täter schlägt immer wieder zu. Corina Bülow hat Strafanzeige erstattet. Eine Belohnung in Höhe von 500 Euro wurde ausgesetzt.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Schenefeld | Neun Löcher. Zwölf Millimeter im Durchmesser. Bis aufs Kernholz der 90 Jahre alten Birke gebohrt. Und dann mit einer klebrigen, gelartigen, stinkenden Flüssigkeit gefüllt. Das Urteil des Baumexperten Thomas Bellmann ist glasklar: „Der Wirkstoff wird die weitere Entwicklung beeinflussen. Denkbar ist ein Totalausfall des Baumes.“ Der Mitarbeiter des Pinneberger Unternehmens Baumpflege Thomsen schätzt den Schaden auf bis zu 7000 Euro. Die stinkende Substanz, die gelblich aus den Löchern hervorquoll und den Stamm herunterlief, wird jetzt in einem Labor analysiert.

Der Säureanschlag: keine Einzeltat. „Jemand versucht, meinen Baum zu töten“, sagt Corina Bülow. Die alte Birke steht auf ihrem Grundstück an der Friedrich-Ebert-Allee, direkt an dem öffentlichen Fußweg, der hinüber führt zur Mittelstraße.

Vor zwei Jahren schlug der unheimliche Täter zum ersten Mal zu. Am Stamm wurden Teile der Rinde entfernt, eine weiße Flüssigkeit darüber geschüttet. Bülow zeigt auf den Zaun, der ihr Grundstück umgibt. „Hier sind noch Spuren zu sehen.“ Wenig später wurden mehrere Kupfernägel in den Baum geschlagen – und jetzt der Säureanschlag.

Bülow hat reagiert. Sie hat bei der Polizei Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. Zudem hat sie eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt. Sie hofft auf Hinweise – aus der Nachbarschaft. Von Hundebesitzern, die hier gern spazieren gehen. Seit gestern Morgen hängt ein großes Schild am Zaun, direkt vor der attackierten Birke. „Ich stehe seit 90 Jahren hier. Ich habe viele Stürme überstanden. Nun haben Menschen beschlossen, mich zu töten“ – ist dort zu lesen. „Ich musste handeln, konnte nachts nicht mehr schlafen“, sagt Bülow. Der Säureanschlag habe sie und ihren Mann schockiert.

Der Baumbesitzerin geht es vor allem um die Sicherheit. „In den Nachbargärten spielen Kinder. Jungen und Mädchen nutzen den Weg. Dahinten ist die Kita Bogenstraße.“ Sie zeigt auf das Gebäude, das in der Ferne zu erkennen ist. Auch die Gorch-Fock-Grundschule ist nicht weit weg. Sie mag sich gar nicht ausmalen, was alles passieren kann, wenn von der 25 Meter hohen Birke etwas abbricht. „Der Täter gefährdet Menschen“, betont sie. Laut Gutachten ist die Verkehrssicherheit des Baumes noch gewährleistet. Doch auch Bellmann weiß nicht, was die Säure bewirkt. Zurzeit wird der Baum wöchentlich kontrolliert.

Das Motiv für den Mordversuch? Bülow schaut zu Bellmann hinüber. Der hat immer wieder mit solchen Fällen zu tun. „Es geht um die Verschattung. Um den Pollenflug, der Allergiker stört, und um den Dreck“, sagt der Experte. Besonders unbeliebt: die Birke. Bülow hat die Stadt über die Vorfälle informiert. Sie wollte sogar Kameras aufstellen, um den Täter zu überführen – und die Birke zu schützen. Doch da es sich um einen öffentlichen Weg handelt, war das rechtlich nicht möglich. Sie hat alle Nachbarn befragt, ob sie etwas Verdächtiges bemerkt haben. Bisher ohne Erfolg.

Das Grundstück mit den vielen alten Bäumen gehörte früher ihrem Opa. „Hier stand der Kolonialwarenladen zur Zeit der Pulverfabrik“, erzählt Bülow. Ihre Bäume liebt sie, steckt viel Geld in die Pflege. Sie guckt hoch in die Krone der Birke.„Ich glaube, ich werde den Baum verlieren.“ Dann hätte der „Mörder“ sein Ziel erreicht.

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