Projekt für Grundschüler : Mitmachzirkus in Schenefeld: An der Gorch-Fock-Schule heißt es jetzt „Manege frei“

Artist Adriano Maatz brachte seine Jungs zu Höchstleistungen: Die Schüler bewunderten den starken Mann und machten teamorientiert und diszipliniert mit.
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Artist Adriano Maatz brachte seine Jungs zu Höchstleistungen: Die Schüler bewunderten den starken Mann und machten teamorientiert und diszipliniert mit.

Der Zirkus Zaretti studiert mit Schenefelder Kindern verschiedene Nummern ein. Vor allem schüchterne Kinder profitieren.

shz.de von
31. Mai 2018, 12:30 Uhr

Schenefeld | Unglaublich, was sich derzeit nachmittags auf dem Schulhof der Gorch-Fock-Schule abspielt: Trapezkünstlerinnen fliegen durch die Luft, Artisten zeigen Stärke und Akrobatik, Fakire liegen auf Nagelbrettern oder gehen durch Glasscherben. Clowns machen Quatsch – und nie das, was sie sollen. Ganz im Gegensatz zu den Pferden und Ziegen, die unter Anleitung junger Nachwuchsdompteure souverän ihre Kunststücke zeigen.

Morgens das erste mal geübt, abends schon in der Vorstellung

Der Zirkus Zaretti ist in der Stadt. Doch anders als im normalen Zirkus, sucht sich die achtköpfige Familie Maatz ihre Artisten, Clowns und Dompteure jeden Tag neu. Zaretti ist ein Mitmachzirkus, der an Schulen Projektwochen anbietet. Mit den Schülern werden täglich Zirkusvorstellungen eingeübt und präsentiert. Wer eine dieser Vorstellungen gesehen hat, kann nicht glauben, dass die Nummern erst vor wenigen Stunden erlernt wurden. Denn das Prinzip der Zirkusprojektwoche geht so: Morgens und mittags lernen die Grundschüler für ihre Auftritte und am frühen Abend wird das Ganze dann den Eltern, Großeltern und allen anderen Interessierten gezeigt. Die jungen Akteure wechseln täglich, damit auch jedes der 363 Kinder einmal seinen Auftritt hat.

„Wir haben langjährige Erfahrung und ein Konzept, das gut funktioniert“, sagt Zirkusdirektor Philipp Maatz, der seit 28 Jahren, immer im Vierjahrestakt, in die Gorch-Fock-Schule kommt und seinen Zirkus in der vierten Generation führt: „Wir wissen, wie wir Kinder zu Teamplayern machen. Ohne Zusammenarbeit und Disziplin läuft im Zirkus gar nichts.“ Aber auch ein klein wenig Talent könne bei den schwierigen Nummern nicht schaden.

Kinder werden zu Akrobaten

Besonders Schwiegersohn Adriano Maatz, Artist, Feuerschlucker und starker Mann in Personalunion, erkennt junge Talente sofort. Er traut den Kindern generell etwas zu und bleibt immer als mentale und körperliche Stütze im Hintergrund. Und er schafft es, selbst einen sehr schüchternen Jungen innerhalb eines Vormittages in einen Akrobaten zu verwandeln, der selbstbewusst seine Show präsentiert, die Arme hochreißt, laut „Hey!“ ruft und hoch erhobenen Hauptes die Manege verlässt. Auch die Prinzessinnen der Lüfte wurden von Adriano gecoacht. Die Schülerinnen zeigen Kunststücke am Trapez, lassen sich von dem fliegenden Artisten vom Boden der Manege aufheben und schweben, nur durch seine Hände gehalten, Richtung Manegehimmel. Oder sie lassen sich in luftiger Höhe am Trapez plötzlich nach hinten fallen – als hätten sie bisher nichts anderes gemacht in ihrem Leben.

Freitagvormittag ist eine Gala-Vorstellung für die umliegenden Kitas geplant. Ansonsten gibt es am Donnerstag und Freitag um 17 Uhr eine Vorstellung an der Gorch-Fock-Grundschule, Gorch-Fock-Straße 51-53. Das Projekt wird vom Schulverein unterstützt.

Die stellvertretende Schulleiterin Vera Schuldt hat die positiven Nachwirkungen einer Zirkusprojektwoche schon bei einigen Schülern erlebt: „Besonders die schüchternen Kinder machen danach oft einen Schritt nach vorn. Sie sind stolz auf die eigene Leistung und entwickeln mehr Selbstbewusstsein.“ Auch den wilderen Schülern tue es gut, sich für die Gruppe in Disziplin zu üben – wenn sie nicht still halten, könnte der gesamte Ablauf der Show gefährdet werden. „Eine gute Übung“, so Schuldt.

Traditionell lädt das Kollegium der Gorch-Fock-Schule die Artistenfamilie zum Essen ein. „Jeder kocht in seiner heimischen Küche ein paar Spezialitäten und bringt sie dann mit in die Schule“, sagt Lehrerin Simone Mitscherling.

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