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Sprachprojekt an der Gorch-Fock-Schule : Mit Video: Schenefelder Kids rappen zu Goethe und Schiller

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Der Weimarer Musiker „Doppel-U“ verbindet klassische Literatur mit Hip Hop an der Gorch-Fock-Schule in Schenefeld.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2017 | 10:00 Uhr

Schenefeld | Balladen und Gedichte von Goethe und Schiller dürften den meisten Schülern nicht einmal ein müdes Lächeln aufs Gesicht zaubern. Doch wenn Rapper „Doppel-U“ den „Zauberlehrling“ oder das „Punschlied“ performt, sind die Mädchen und Jungen gleich Feuer und Flamme. So auch gestern Morgen in der Gorch-Fock-Schule in Schenefeld. Die dritten und vierten Klassen durften den Vormittag über am Projekt „Rap macht Schule“ teilnehmen. Bereits zum sechsten Mal war der Rapper aus Weimar in Schenefeld zu Gast.

Weltweit ist „Doppel-U“ unterwegs. Zuletzt habe er Workshops in den USA gegeben. Seit dem Jahr 2005 tourt er durch die Grundschulen der Republik und arbeitet mit Kindern und Lehrern. „Damals war ich einer der Ersten“, erzählt der 34-Jährige. „Das war eine Revolution an den Schulen.“ Heute gebe es mehrere Projekte dieser Art. „Aber an Goethe und Schiller hat sich bis jetzt keiner sonst herangetraut.“ Durch die Musik werde ein scheinbar trockenes Thema mit positiven Emotionen besetzt. Dadurch könnten sich die Schüler das Gedicht zum einen länger merken. Zum anderen hätten sie später mehr Spaß an der Literatur. „Das ist für die Schüler ein nachhaltiges Erlebnis. Die Noten werden später ein bis zwei Stufen besser“, sagt der Rapper. So schaffen auch Drittklässler den „Zauberlehrling“ locker. Das hat auch Lehrerin Anne Schulte festgestellt. „Das ist hoch motivierend“, sagt sie. Das Lernen mache so viel mehr Spaß. „Das ist wie eine Competition. Keiner kriegt mit, wie anstrengend das ist, weil sie es gern machen“, ergänzt „Doppel-U“. Für ihn ist das Projekt eine „Lebensaufgabe“, sagt er selbst.„Ich treffe die Leute nach zehn Jahren wieder und die wissen noch ganz genau, welche Texte wir hatten.“ Hip Hop sei die „größte Jugendkultur der Welt“ und deshalb besonders gut geeignet, um Literatur den Jüngsten nahzubringen. Die Texte von Goethe und Schiller werden aber nicht verändert. Mal lasse er einen Vers weg, der Wortlaut bleibe aber erhalten. Der Rapper will mit dem Projekt Respekt, Toleranz und die Bedeutung von Teamarbeit vermitteln.

Auch in Schenefeld ist das Eis nach wenigen Sekunden gebrochen. Mit seiner lockeren Art begibt sich der Rapper von Anfang an auf Augenhöhe mit den Grundschülern. „Doppel-U“ macht Späßchen und Sprüche. Es wird ausgiebig gelacht und gekichert. Dann verteilt er Karten mit den Gedichten „Gefunden“ von Johann Wolfgang von Goethe und „Punschlied“ von Johann Christoph Friedrich von Schiller. Gedichte haben dieselben Merkmale wie Rap-Texte, beschreibt der Musiker. Rhythmus und Reime kommen bei beiden vor. Dann geht’s los im Vier-Vierteltakt. „Die Mimik bestimmt die Klangfarbe. Beim Rappen ist das sehr wichtig.“ Nun geht es an den Text: „Ich ging im Walde, so vor mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.“ Schon nach wenigen Minuten rappen alle Kinder in der Aula mit, wippen mit dem Kopf und haben sichtlich Spaß.

Am Ende ist der Funke ganz übergesprungen und es gibt kein Halten mehr. Der ganze Raum ist erfüllt von Kinderstimmen, die begeistert Goethes Text rappen. Unglaublich – aber wahr.

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