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Zeitzeugen erinnern sich : Mit Video: Als die Bomben auf Schenefeld fielen

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Seltene Fotos von der Entschärfung in den 1970er-Jahren aufgetaucht.

Schenefeld | Ein lauter Knall – und ein Haus wurde dem Erdboden gleichgemacht. Als die Bomben während des Zweiten Weltkriegs Städte und Dörfer in Schutt und Asche legten, blieb auch Schenefeld nicht verschont. Im Frühjahr 1941 fielen die ersten Bomben auf die Düpenaustadt – bis zum April 1945. Wer eine Chance dazu hatte, suchte Schutz im Luftschutzbunker oder in Kellern. Davon gab es laut Chronik mehrere in Schenefeld. Gegenüber der Stephanskirche im Dorf fanden beispielsweise 100 Personen Platz. Auch private Keller wurden umgerüstet.

Einige der Bomben stellten sich als Blindgänger heraus – und blieben liegen. Einige tauchten erst nach Jahrzehnten wieder auf. In der Schenefelder Siedlung wurde eine Bombe bei Baggerarbeiten im Frühjahr 1972 freigelegt. Kürzlich sind in Manfred Klaibers Privatarchiv seltene Bilder von dieser Räumung aufgetaucht.

Der Schenefelder war damals als Polizist vor Ort. „Es gab noch viele freie Flächen an der Grenze zu Halstenbek“, erinnert er sich. „Ein Trecker war über die Bombe rübergefahren, sie ging aber nicht in die Luft.“ Sofort wurde der Bombenentsorgungstrupp aus Kiel herbeigerufen. „Die haben alles abgesichert, fixiert und die Bombe später entsorgt“ berichtet Klaiber. „Das war ein sehr seltener Fund. Granaten haben wir öfter gefunden.“ Beim Aufräumen seien ihm seine Privatfotos kürzlich wieder in die Hände gefallen. Er informierte Hobby-Historiker Gerhard Manthei. Der war Feuer und Flamme. „Die Fotos sind historisch bedeutsam für Schenefeld“, sagt er. Deshalb sollen sie der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

Der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Eckhard Vogelgesang, blickt mit gemischten Gefühlen auf die Schwarz-Weiß-Fotos vom Bombenfund. Er wurde im Jahr 1938 geboren und verbindet sehr persönliche Geschichten mit dem Zweiten Weltkrieg. So sei 1944 eine Luftdruckmine in der Straße Borgfelde im Dorf explodiert. „Durch den Druck ist ein Haus zusammengefallen. Unsere Fenster waren kaputt, die Dachpfannen weggeflogen.“ Mit seiner Familie habe er im Luftschutzkeller gehockt. Allerdings klemmte die Tür. So zwängte sich der Sechsjährige durchs Fenster, um Hilfe zu holen. 20 Franzosen, die als Kriegsgefangene für die Bauern arbeiteten, räumten da bereits den Schutt des zusammengefallenen Hauses beiseite. „Sie haben zwei Frauen gerettet“, erinnert sich Vogelgesang Auch seiner Familie kamen sie zur Hilfe.

Sie wollen die Geschichte lebendig halten: Manfred Klaiber (v. l.), Gerhard Manthei und Eckhard Vogelgesang.
Sie wollen die Geschichte lebendig halten: Manfred Klaiber (v. l.), Gerhard Manthei und Eckhard Vogelgesang. Foto: Plock
 

Mit den Franzosen verbindet er noch eine weitere Begebenheit. Anfang April 1945 – vier Wochen vor Kriegsende – hatte sein Vater drei Franzosen eingekleidet, damit sie unerkannt ohne Sträflingskleidung in die Heimat fliehen konnten. Zwei Jahre später bekam die Familie als Dank dafür ein nagelneues Fahrrad für seine Schwester. Daran hing ein Zettel, auf dem stand schlicht: „Merci“.

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erstellt am 09.Dez.2016 | 13:00 Uhr

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