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„Erotische Sprengkraft“ im Forum : Mit Kommentar: Akkordeon und Saxophon spielen im Forum

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Akkordeonstar Martynas und das Signum Saxophonquartett spielen am 19. Juli im Forum Werke von Ravel und Piazzolla.

Schenefeld | „Meister der klingenden Masken“, „erotische Sprengkraft“, „jedes Stück perfekt“, ein „komponierter Orgasmus“: Den Zuschauern in Schenefeld wird in diesem Jahr ein bombastisches Programm geboten. Das machte Frank Siebert, Chefdramaturg des Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF), während der Präsentation des Programms gestern im Schenefelder Casino deutlich. Er kam aus dem Lob für die Musiker, die am 19. Juli ab 20 Uhr im Forum, Achter de Weiden, auftreten, gar nicht mehr heraus.

Akkordeonspieler Martynas Levickis kommt aus Litauen.
Akkordeonspieler Martynas Levickis kommt aus Litauen. Foto: SHMF/Gediminas Žilinskas

Der Franzose Joseph-Maurice Ravel (1875-1937) stehe als Komponist im Mittelpunkt des gesamten Festivals. Unter dem Titel „Tango & Ravel“ werden in Schenefeld aber auch Werke des Komponisten Astor Piazzolla (1921-1992) dargeboten. Der Argentinier gilt als Begründer des Tango Nuevo, einer Weiterentwicklung des traditionellen Tango Argentino. Zwei Werke Ravels werden mit Piazzolla’schen Tangos kombiniert. Eine enorme Herausforderung bedeute es, mittels vierer Saxophone Ravels schillernde Klangfarbenwelt erstehen zu lassen. Meister solcher Spezialeffekte sind laut Veranstalter die Musiker des Signum Saxophonquartetts. Mit ihren Instrumenten erzielten sie immer wieder „verblüffende Klangwirkungen“. Gleiches gelte auch für den litauischen Akkordeonstar Martynas. Sein Instrument sieht er als „cooles“ Experimentierfeld, auf dem man schlicht alles spielen könne. Das sieht auch Siebert so. Mit vier Saxophonen sei es möglich, „fast das ganze Spektrum klassischer Musik abzudecken“.

Er habe das Quartett mehrfach erlebt. „Der Saal hat getobt“, so der Chefdramaturg. „Es wird grandios“, verspricht er. Ravel sei ein „Meister der Inszenierung“ gewesen. Er habe sich nicht gescheut, Musik zu kreieren, die „poliert“ erscheine. „Er liebte die Künstlichkeit. Und Kunst hat ja nie etwas mit der Natur zu tun, sondern wird immer auf eine andere Ebene gehoben“, so Siebert. Deshalb werde Ravel auch der „Meister der klingenden Masken“ genannt. Sein bekannter „Bolero“ habe eine „enorme erotische Sprengkraft“. „Im Grunde ist der ,Bolereo’ nichts anderes als ein komponierter Orgasmus.“

Begeistert zeigte sich Siebert auch von dem Argentinier Piazzolla. Er sei heute schon ein Synonym für einen Tangokomponisten. Auch wenn die Zuschauer keine flotte Sohle aufs Parkett des Forums legen können: „Unser Gehirn, unsere Seele soll tanzen“, sagt Siebert. Bei beiden Komponisten handle es sich um ein „Substrat der Kunst“. „Alles Überflüssige ist raus. Wir werden das Parfüm erleben.“ Das Programm sei anspruchsvoll und deshalb auch anstrengend, befand der Dramaturg. „Aber Kunst darf auch fordern“, sagte er.

Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (Zweite v. l.) und Frank Siebert (Dritter v. l.), verantwortlich für die künstlerische Planung, stellten das Programm gemeinsam mit weiteren Verantwortlichen und Sponsoren vor.
Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (Zweite v. l.) und Frank Siebert (Dritter v. l.), verantwortlich für die künstlerische Planung, stellten das Programm gemeinsam mit weiteren Verantwortlichen und Sponsoren vor. Foto: Tanja Plock

Anstrengend dürfte es auch werden, für den Auftritt noch Karten zu bekommen. Gestern Nachmittag gab es gerade noch 18 von über 430 Tickets. Das liegt zum einen daran, dass Mitglieder des Fördervereins Vorkaufsrecht haben. Zum anderen gibt es vor dem öffentlichen Vorverkauf im Handel seit dem 24. Februar die Möglichkeit, online Karten zu reservieren. Auf die Nachfrage, warum es diese Option gibt, sagte Siebert, man wolle auch Klassik-Fans deutschlandweit die Chance geben, Karten zu kaufen. Wer schnell ist, bekommt Tickets für je 35 Euro beim A.Beig-Verlag in Pinneberg, Damm 9-19, und bei Heymann im „Stadtzentrum“ in Schenefeld.

Kommentar: Ein Festival ohne Karten

Das Schleswig-Holstein Musik Festival ist jedes Jahr ein großer Genuss für Klassik-Fans. Und jedes Jahr sind die Karten so früh weg, dass kaum noch Tickets im öffentlichen Verkauf landen. Die Argumentation, dass man auch Klassik-Begeisterten aus anderen Teilen der Republik über die vorherige Online-Reservierung die Möglichkeit geben will, Karten zu erwerben, ist nicht überzeugend. Denn  das Festival soll doch gerade für die norddeutsche Bevölkerung auf dem Land und in kleineren Städten sein, die sonst nicht in den Genuss kommt, solch Hochkultur zu erleben. Schade nur, wenn die leer ausgeht. Zudem wird der  Handel  geschwächt, wenn dort kaum noch Karten verfügbar sind. (Tanja Plock)

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erstellt am 05.Apr.2017 | 13:15 Uhr

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