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Kunstkreis Schenefeld : Martin Musiol liest aus seinem Buch „Kopfsteinpflaster Susannenstraße“

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Der Künstler und Autor Martin Musiol hat beim Kunstkreis Schenefeld sein Buch „Kopfsteinpflaster Susannenstraße“ präsentiert. 25Jahre lang war dort sein Zuhause.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Schenefeld | Das Hamburger Schanzenviertel gilt als Struwwelpeter unter den Hamburger Stadtteilen. Es entwickelte sich vom Arbeiterviertel zum  Studenten- und Gastarbeiterbezirk, war zwischenzeitlich Drogenhandelszentrum und ist nun zur Partymeile mit den teuersten Mieten der Stadt geworden. Dabei gilt das Viertel politisch als extrem links. 25 Jahre war es das Zuhause von Martin Musiol. Seine Erlebnisse hat er in drei Büchern niedergeschrieben. Aus seinem aktuellen Werk „Kopfsteinpflaster Susannenstraße“ las der mittlerweile in Pinneberg lebende, ehemalige Chemie- und Biologielehrer am Freitagabend beim Kunstkreis Schenefeld.

Mörder, Chansons und Geschichten

„Wir haben erstmals eine Lesung mit Musik und Ausstellung. Das Dreierlei ist eine echte Premiere für uns“, sagte Ursula Wientapper, Vorsitzende des Kunstkreises Schenefeld. „Willkommen zum Dreiklang in einem Raum zur gleichen Zeit“, griff Musiol das Bild auf. Sein Sohn Marvin eröffnete den Abend mit „A Poem on the Undergroung Wall“ von Simon and Garfunkel. „Ich denke, das passt gut zur Susannenstraße wegen der ganzen Graffitis“, sagte Marvin Musiol, der im Laufe des Abends zudem französische Chansons zum Besten gab.

„Ein Künstler, der seine Bilder erklärt, geht gar nicht“, sagte Musiol. Tat es aber dennoch. „Wenn Ihr kein Bild findet, dass ins Wohnzimmer passt, kann ich das verstehen. Dafür habe ich auch nie gemalt“, sagte der Wahl-Pinneberger. Bei seinem Werken stehen Menschen und deren Emotionen im Vordergrund. „Die Bilder sollen Spannung mitteilen. Das kann auch ich im Wohnzimmer auf Dauer nicht aushalten“, gestand er.

Ein Faktencheck zu jedem Kapitel

Vor allem eine Serie mit Porträts berühmter Persönlichkeiten wie  John Lennon, US-Präsident John F. Kennedy und  Schauspielerin Sharon Tate, Ehefrau des polnischen Schocker-Regisseurs Roman Polanski. Schnell war klar, was diese vereint: Alle wurden ermordet. Hinter den Porträts hatte Musiol ein zweites Gesicht gezeichnet: Mark David Chapman, Lee Harvey Oswald und Charles Manson – ihre jeweiligen Mörder oder im Fall Tate den Auslöser für ihre Ermordung. „Da kann ich verstehen, wenn man sowas nicht im Wohnzimmer haben will“, sagt Musiol.

Dann berichtete er von dem Ort, der 25 Jahre sein Wohnzimmer war: der Susannenstraße. „Die Geschichten und die Personen sind teilweise erfunden, aber es gibt zu jedem Kapitel einen Faktencheck“, sagte Musiol. Er berichtete von der Cholera, Schanzenfesten, den ehemaligen RAF-Mitgliedern, die dort radikalisiert wurden, und dem Wandel der Straße, die 1860 gebaut worden war. „In den mehr als 150 Jahren ist viel passiert. Die Idee war, die Geschichte der Straße zu untersuchen“, erläuterte Musiol sein Buch „Kopfsteinplaster Susannenstraße“. Besonders stolz war er auf die Geschichte einer ehemaligen Jüdin, die bei einer Familie versteckt worden war und die NS-Diktatur überlebt hatte. „Ich habe die Frau im Altenheim getroffen. Das war wir persönlich sehr, sehr wichtig, diese Geschichte gefunden zu haben“, so Musiol. Aktuell arbeite er an einer Familienchronik. „Ich will lebendig erzählen, wie ich Familiengeheimnisse entdeckt habe“, so Musiol. Ob daraus ein Buch werde, wisse er noch nicht: „Es ist sehr intim und erstmal nur für die Familie gedacht.“

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