Ihr Traum von Hawaii wird wahr : Marion Hahn aus Schenefeld startet beim Ironman

Fährt allen davon: Die 60-jährige Marion Hahn beim Training. Das hat sich am 5. Juli ausgezahlt.
Fährt allen davon: Die 60-jährige Marion Hahn beim Training. Das hat sich am 5. Juli ausgezahlt.

Die 60-jährige Marion Hahn hat sich in Frankfurt für die Ironman Weltmeisterschaft qualifiziert. Das Ziel: 14 Stunden unterbieten.

shz.de von
25. Juli 2015, 10:00 Uhr

Schenefeld/Hawaii | „Annelie“ hat es Marion Hahn nicht leicht gemacht. Das Hoch sorgt am Sonntag, 5. Juli, für Temperaturen um die 40 Grad. Während andere Menschen Abkühlung suchen oder sich faul im Schatten tummeln, tritt die 60-Jährige bei einem der härstesten Wettkämpfe Deutschlands an: dem Ironman in Frankfurt. Sie legt an diesem Tag 3,8 Kilometer im Wasser, 180 Kilometer auf dem Fahrrad und 42 Kilometer laufend zurück – in knapp 14 Stunden. Es wird nicht ihre Bestzeit – bei ihrer ersten Teilnahme im Jahr 2013 brauchte sie 12,45 Stunden –, dennoch kommt sie als Dritte ins Ziel. Aber es reicht nicht.

„Um sich für die Ironman Weltmeisterschaft zu qualifizieren, hätte ich in meiner Altersgruppe – 60 bis 64 Jahre – als Erste einlaufen müssen“, sagt sie. Die Siegerin ruft ihr zwar schon im Ziel zu, dass sie nicht teilnehmen wird, aber da gibt es noch eine Zweitplatzierte. Am nächsten Tag während der Siegerehrung hat Marion Hahn gedanklich mit der Teilnahme am Ausdauerwettkampf am anderen Ende der Welt, der als einer der schwierigsten gilt, abgeschlossen. Doch es kommt anders.

Die Zweitplatzierte wird einmal aufgerufen. Zweimal. „In diesem Moment habe ich meine Geldbörse bereitgehalten, weil ich wusste, dass die Startgebühr gleich nach der Nominierung entrichtet werden muss.“ Auch beim dritten Aufruf meldet sich niemand aus der Menge. Dann fällt ihr Name. In diesem Moment wird der Traum von Hawaii wahr.

Am 1. Oktober reist die Schenefelderin nach Big Island im Pazifischen Ozean. Sohn Sebastian (25) wird seine Mutter begleiten. Sie hat schon einmal ihre Laufschuhe auf Hawaii geschnürt – zusammen mit ihrem Mann Uwe (69) nahm sie anlässlich ihres 25. Hochzeitstags beim Marathon in Honolulu teil. „Damals haben wir Big Island bewusst nicht besucht, weil ich gesagt habe, dass ich erst zum Ironman dorthin möchte“, sagt sie. Für den harten Wettkampf fühlt sie sich gut vorbereitet. Die Strapazen von Frankfurt scheinen der Schenefelderin nicht mehr in den Knochen zu stecken – kaum zu glauben, wenn sie von der Anstrengung erzählt.

 Der Wettkampf wird zur Hitzeschlacht

Um sieben Uhr geht es ins Wasser. Schnell wird klar: Der Wettkampf wird zur Hitzeschlacht. Hahns Mann spricht von „Piranha-Becken“, aber Hahn findet Platz im Langener Waldsee, kann ihren Kraulstil schwimmen. Beim Wechsel aufs Fahrrad lässt sie sich Zeit. Der Fahrtwind hilft. Auf dem Rad ist es nicht ganz so heiß. Doch 15 Kilometer vor dem Ende der Strecke hat sie eine Reifenpanne. „Ein Hilfsfahrzeug wahr nicht in Sicht“, erinnert sie sich. Die Hitze steht. Hahn auch. Die Zeit läuft weiter. Statt zu warten, wechselt die 60-Jährige ihren Reifen selbst. Flickzeug ist immer dabei, die Lesebrille auch. Es geht weiter. Das Rad lässt sie nach 180 Kilometern stehen. Rein in die Laufschuhe. Die letzten 42 Kilometer liegen vor ihr – teilweise in der prallen Sonne. Die Schenefelderin nimmt kontinuierlich Elektrolyte zu sich. Greift auch mal zur Salzbrezel. Bloß durchhalten. Den Römer erreicht sie gegen 21 Uhr unter tosendem Applaus. Warum tut man sich das an?

„Ich finde beim Sport Entspannung“, sagt Hahn. Sie gehe lieber in den Klövensteen, als auf die Couch. Zur Vorbereitung geht sie zweimal pro Woche Schwimmen, läuft dreimal in der Woche 15 bis 17 Kilometer und legt auf dem Fahrrad dreimal 50 bis 125 Kilometer zurück. Sie trainiert nicht nach einem bestimmten Schema, „mehr nach dem Bauch“. Mit der Reise nach Hawaii geht ein Traum für die Übungsleiterin bei Blau-Weiß in Erfüllung. Ihr Ziel: „Ich möchte die 14 Stunden unterbieten.“

Tipps von Marion Hahn: So hält man sich gesund
Bewegung in der Natur:
Statt in einer Sporthalle zu trainieren, bevorzugt Marion Hahn die freie Natur. Kräftezehrende Trainingseinheiten sind nicht notwendig, Gehen oder Radfahren reicht laut Hahn vollkommen aus.
Ausgewogene Ernährung: Die Übungsleiterin bei Blau-Weiß empfiehlt, auf die Ernährung zu achten. Sie isst vor allem Gemüse, Obst und Getreide.
Verein oder Gruppe anschließen: Wer den eigenen Schweinehund nur schwer überwinden kann, dem rät Hahn, sich einem Verein oder einer Gruppe anzuschließen.

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