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Kinder leiden unter Atemwegsbeschwerden : Macht neue Kita die Kinder krank?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Lüftungsprobleme: Kinder leiden unter Atemwegsbeschwerden. Eltern und Leiterin fordern die Stadt Schenefeld zum Handeln auf.

Schenefeld | Es sollte die Vorzeige-Kita in Schenefeld werden: gebaut nach neuesten  energetischen Standards. Doch seit Monaten sorgt  die  Belüftungsanlage der Kita Biene Sonnenstrahl  des Heilpädagogischen Förderzentrums Friedrichshulde für Ärger. Sie steht im Verdacht, Krankheiten bei Kindern und Erzieherinnen auszulösen.

 Trockene Haut, tränende Augen, Bindehautentzündung, Kopfschmerzen, Husten, bronchiale Beschwerden, verstopfte Nasen-Nebenhöhlen: Ständig sind  die Kinder krank.  Die Fenster zu öffnen, ist wegen der Belüftungsanlage verboten.  Allerdings ist die Luft dann zu trocken, befinden Eltern und Kita-Leiterin Morna Fiedler. Momentan läuft die Kita  im Notbetrieb, mit zwei statt vier Gruppen. Von neun Mitarbeitern sind noch drei plus Leiterin im Einsatz. Der Rest ist angeschlagen zu Hause – mit den genannten Beschwerden. Die Kinder seien sogar öfter krank, je mehr Stunden sie in der Kita verbringen, hat Fiedler festgestellt. „Es ist extrem auffällig“, sagt auch Mutter Tanja Brohn. Am Wochenende gingen die Beschwerden zurück.

Immer wieder hat die Stadt Firmen in die erst  im März 2015 eröffnete Einrichtung  geschickt,  die das Problem lösen sollten. Filter wurden getauscht, Untersuchungen durchgeführt. Bisher jedoch ohne Erfolg. Nun hat die Stadt ein Ingenieurbüro beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen. Kommende Woche soll ein Ergebnis vorliegen. Die Situation zerrt an den Nerven aller Beteiligten. „Es geht so nicht weiter“, sagt die Kita-Leiterin mit Tränen in den Augen. „Es ist wirklich hart. Ich will das hier nicht mehr verantworten.“

Von der Vorzeige- zur Albtraum-Kita

Ein dicker Ordner liegt auf dem Tisch vor Kita-Leiterin Morna Fiedler. Darin etliche E-Mails, Messwerte, Unterlagen. Sie ist am Ende ihrer Kräfte, sagt sie selbst. „Ich habe keine Lust mehr.“ Seit mehr als einem Jahr korrespondiert Fiedler mit der Stadt Schenefeld, weil in der Kita Biene Sonnenstrahl vermehrt Atemwegsbeschwerden auftreten. Als Auslöser steht die moderne Lüftungsanlage im Verdacht.

Die Luft ist zu trocken, sagen viele Eltern. Deshalb leiden die Kinder unter Bindehautentzündung, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Husten und verstopften Nasen-Nebenhöhlen. Auch die Erzieherinnen sind öfter krank. Momentan läuft die Kita deshalb auf Notbetrieb. Fiedler hatte selbst kürzlich eine Bindehautentzündung. „Man kann die Ursache aber leider nicht nachweisen“, bedauert die Leiterin.

„Die Kinder waren noch nie so oft krank wie diesen Winter“, berichtet Mutter Claudia Kromm. „Unser Sohn bekommt seit vier Monaten Cortison, damit er die Kita übersteht“, erläutert Vater Tommy Größer. Ein Erzieher habe sogar aufgrund der gesundheitlichen Probleme gekündigt, berichtet Fiedler. Als Gegenmaßnahme verbringen die Erzieherinnen viel Zeit mit den Kindern an der frischen Luft. Sie werden regelmäßig eingecremt, damit die Haut nicht weiter austrocknet.

Die Vorzeige-Kita stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Sie wurde unter der Regie der Stadt in knapp sieben Monaten Bauzeit hochgezogen. Dem ging bereits ein langer Streit um Fördergeld voraus. Schenefeld drückte aufs Tempo. Zu sehr? „Es zieht sich hier durch, dass am falschen Ende gespart wurde“, moniert Mutter Kerstin Kailus. Bei den sanitären Anlagen sei kein Verbrühschutz eingebaut worden. Die Folge: Legionellen. Ein Zahlenschloss fehlte. Und auch weitere Baumängel seien ihr aufgefallen. Vielleicht müsse man sich eingestehen, dass ein „Superenergiesparhaus nicht das Richtige für eine Kita ist“, so Kailus.

„Die Lüftungsanlage passt nicht zur Nutzung.“

Matthias Wiggers, Geschäftsführer des Trägers, das Heilpädagogische Förderzentrum Friedrichshulde, äußert sich ähnlich. „Die Lüftungsanlage passt nicht zur Nutzung. Das wurde nicht bedacht. Es handelt sich hier eben um eine Kita und kein Büro.“ Über Monate hätten seine Mitarbeiter die Luftfeuchtigkeit gemessen und für die Stadt protokolliert. Häufig lag die Luftfeuchtigkeit bei 30 Prozent oder niedriger. Für eine Kita seien aber 40 Prozent notwendig.

Bauamtschef Andreas Bothing sagte hingegen in der jüngsten Bauausschussitzung, ein Wert von 30 Prozent sei normal im Winter. Ähnliche Werte seien im Rathaus gemessen worden. Er vermutet eine andere Ursache. Am Mittwoch vergangener Woche schickte die Stadt nun erstmals den Sachverständigen eines Ingenieursbüros, der Messungen vorgenommen hat. „Die Stadt ist in der Pflicht, uns das Gebäude so zur Verfügung zu stellen, dass man Kinder gefahrlos dort unterbringen kann“, fordert der Geschäftsführer.

Auch die Eltern wollen, dass endlich etwas passiert. Vater Tommy Größer hat mehrere E-Mails an die Stadt gerichtet. Viele Fragen seien jedoch nicht beantwortet worden. „Das ist doch eine typische Hinhaltetaktik“, findet er. Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) sagte gestern, die Stadt arbeite mit Hochdruck an einer Lösung. Vor der Raummessung habe man andere Ursachen ausschließen wollen. Bei der Messung sei auch geprüft worden, ob eventuelle Ausdünstungen die Ursache für die Beschwerden sind. Anfang kommender Woche rechne sie mit einem Ergebnis. „Wir nehmen das ernst und kümmern uns“, ergänzte Bothing.

Kommentar: Die Stadt muss endlich handeln

Eine Kita, die krank macht? Das ist skandalös. Fehler können  passieren, müssen aber schnellstens behoben werden. Unverständlich ist hier vor allem, dass die Stadt, die bereits seit über einem Jahr von dem Problem weiß, nicht eher einen Experten beauftragt hat. Ein unabhängiger Sachverständiger, der nun endlich bestellt wurde, könnte Licht ins Dunkel bringen und herausfinden, ob die Belüftungsanlage der Übeltäter ist –  oder eben nicht. Es kann nicht sein, dass Kinder und Erzieher unter derartigen gesundheitlichen Folgen leiden. Die Stadt muss nach diesem Ergebnis endlich handeln. Und zwar unbürokratisch und schnell. (Tanja Plock)

 

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erstellt am 23.Feb.2017 | 12:00 Uhr

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